Burschenschaft von

Neues NS-Lieder-
buch aufgetaucht

"Falter" berichtet von neuem Fall

Burschenschaft - Neues NS-Lieder-
buch aufgetaucht © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Laut einem Bericht des "Falter" ist in der Burschenschaft von Hofers Kabinett-Mitarbeiter Götschober ein weiteres NS-Liederbuch aufgetaucht.

In einer weiteren Burschenschaft soll ein Fall von Texten mit antisemitischen Inhalten aufgetaucht sein. Laut einem Bericht des "Falter" geht es um die schlagende Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia. Vorsitzender der Burschenschaft ist Herwig Götschober, ein Pressereferent des Kabinetts von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Aus Hofers Kabinett hieß es dazu, Götschober kenne das Liederbuch nicht.

Gleiche Liedzeile wie bei Landbauer

Dem "Falter" liegt das entsprechende Exemplar des Liederbuchs der Burschenschaft vor. Auch darin findet sich - wie schon im Liederbuch der Germania des ehemaligen niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'", die auf den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit Bezug nahm.

»Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muß. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen«

Darüber hinaus sind laut "Falter" noch weitere antisemitische Textzeilen in dem Buch zu finden: "Zwei Juden badeten einst im Fluß (sic!), weil jeder Mensch einmal baden muß (sic!). Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen." Eine weitere Strophe lautet: "Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß das Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt' es den ersten fast ausgekotzt".

"Noch ist Deutschland dreigeteilt"

Auch findet sich demnach ein Lied in dem Buch, in welchem geklagt wird, "noch ist Deutschland dreigeteilt"; "Es lebe hoch Deutsch-Österreich, mit ihm das ganze Deutsche Reich", so die Textzeilen. Laut Falter ist in dem Liederbuch keine einzige Textpassage geschwärzt.

Aus dem Kabinett Hofers hieß es auf Anfrage der APA, Götschober kenne das betreffende Liederbuch nicht. Er besitze ein anderes; jenes, das dem "Falter" vorliegt, weise mit dem von Götschober verwendeten auch keinerlei Ähnlichkeit auf, weder im Inhalt noch in der Grafik. Die inkriminierten Lieder seien im Buch des Referenten nicht enthalten.

Götschober ist im Kabinett des Verkehrsministers für die Social Media-Agenden zuständig. Außerdem ist Götschober Bezirksrat der FPÖ im Wiener Bezirk Leopoldstadt.

Burschenschaft bestreitet Besitz

Die Burschenschaft Bruna Sudetia, die laut "Falter" ein Liederbuch mit antisemitischen Texten verwendet haben soll, weist alle Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück. Das Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen, hieß es am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Die Verbindung prüft nun rechtliche Schritte gegen die Wochenzeitung.

Die abermals aufgetauchten antisemitischen Lieder "werden von der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia kategorisch abgelehnt", hieß es weiter in der Stellungnahme. Das Buch der akademischen Burschenschaft sei weder optisch noch inhaltlich jenem Exemplar ähnlich, das dem "Falter" vorliegt. Geprüft werden daher rechtliche Schritte "gegen die diffamierende Berichterstattung" sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung bzw. Weitergabe des Liederbuchs.

Laut der Burschenschaft wurde in den Räumlichkeiten der Verbindung kein Buch gefunden, "das jenem ähnelt, das der 'Falter' mit der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia in Verbindung bringen möchte". Gefunden worden seien lediglich Ausgaben der tatsächlichen Liedersammlung der Burschenschaft sowie des "Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs".

SPÖ und NEOS empört

SPÖ und NEOS haben nach dem neuerlichen Auftauchen eines Liederbuchs mit antisemitischen Texten bei einer schlagenden Burschenschaft scharfe Kritik geübt. Die SPÖ forderte von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), sich von seinem Kabinettsmitarbeiter Herwig Götschober, der Vorsitzender der Verbindung Bruna Sudetia ist, zu trennen. Die NEOS reagierten "empört, aber nicht überrascht".

»Minister Hofer muss sich von Herwig Götschober verabschieden«

Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, forderte in einer Aussendung von Hofer, rasch Konsequenzen zu ziehen. "Minister Hofer muss sich von Herwig Götschober verabschieden. Wer wie Götschober einer Burschenschaft als Obmann vorsteht, die antisemitische, NS-verherrlichende Liedtexte herausgibt, ist als Parteifunktionär und schon recht als Mitarbeiter in einem Ministerium der Republik untragbar", sagte sie.

»Wann ist die 'rote Linie' überschritten, Herr Kurz?«

Schatz verwies darauf, dass der Pressereferent "schon in der Vergangenheit einschlägig aufgefallen" ist. "So hat er 2009 an einem Gedenkmarsch für den NS-Offizier Walter Nowotny teilgenommen", erinnerte die Abgeordnete, die auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gefordert sieht: "Wann ist die 'rote Linie' überschritten, Herr Kurz?", forderte sie vom ÖVP-Chef, aber auch seiner Partei und der FPÖ eine "umgehende Stellungnahme und politische Konsequenzen".

"Einzelfälle der Freiheitlichen füllen Bücherregale"

Für die NEOS-Sprecherin für Inneres​, Stephanie Krisper, füllen die "Einzelfälle der Freiheitlichen" langsam "ganze Bücherregale". "Es ist absolut letztklassig und eine Schande, dass die FPÖ Menschenverachtung, Antisemitismus und Rassenhass in die Ministerien und leitenden Stellen unser Republik hievt", sagte Krisper. Von Hofer fordert sie rasch "ernsthafte Konsequenzen". Und auch sie verlangte von Kurz, "sein brüllendes Schweigen" zu diesen Vorgängen zu beenden.

Grüne Bezirksvorsteherin fordert Rücktritt Götschobers

Nach dem "Falter"-Bericht, wonach auch bei der schlagenden Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia ein Liederbuch mit antisemitischen Texten aufgetaucht ist, fordert die Leopoldstädter Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger (Grüne) nun den "sofortigen Rücktritt" von FPÖ-Bezirksrat Herwig Götschober. Götschober ist Vorsitzender der betreffenden Burschenschaft.

Die Leopoldstadt gelte als der jüdische Bezirk in Wien, so Lichtenegger in einer Aussendung am Dienstagnachmittag. "Daher wäre es für die jüdische Community völlig unzumutbar, einen derartigen Vertreter im Bezirk noch länger ertragen zu müssen", verwies die Grün-Politikerin auf den vom "Falter" zitierten "ekelhaften Text, der den Holocaust verherrlicht": "Ich war schon beim Fall Landbauer schockiert, dass nun aber auch der FPÖ-Bezirksrat Herwig Götschober in diese menschenverachtenden Umtriebe involviert ist, trifft mich als Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt nun noch stärker."

Kommentare