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Heute wählt
Niederösterreich

Der Wahltag: Hintergründe, Umfragen und Analysen

NÖ-Wahl - Heute wählt
Niederösterreich © Bild: APA

Niederösterreich wählt heute einen neuen Landtag. Erstmals treten diesmal auch die NEOS an – und könnten gemeinsam mit den Grünen der ÖVP die Absolute kosten. Doch hier geht es nicht nur um die Landeshauptfrau. Für alle Parteien ist ihr Abschneiden im Land auch auf Bundesebene wichtig: als Barometer für die schwarz-blaue Regierung und als (Über-)Lebensbeweis für die SPÖ und die Grünen

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Die bisherigen Umfragen zur Landtagswahl in Niederösterreich zeigen ein stabiles Bild. Die ÖVP wird demnach einen klaren Sieg einfahren, wenn auch die absolute Mehrheit wahrscheinlich außer Reichweite ist. Der SPÖ werden leichte Zugewinne prognostiziert. Sie dürfte sich vor der FPÖ behaupten, obwohl diese stark zulegen dürfte. NEOS und Grüne können auf den Einzug in den Landtag hoffen.

Keine absolute Mehrheit für die Volkspartei?

Sollten bei der heutigen Landtagswahl Grüne und/oder NEOS über die Vier-Prozent-Hürde kommen, dürfte es für die ÖVP knapp werden. Und Umfragen beweisen: Es wird knapp. Treffen sie zu, darf die ÖVP nicht viel von den 50,8 Prozent verlieren, die sie 2013 holte. Verliert sie trotzdem die Absolute, braucht sie einen Regierungspartner. Für diesen kommen nur SPÖ oder FPÖ in Frage. Denn in Niederösterreich herrscht das Proporzsystem, die neun Regierungsposten werden auf Basis der Mandate nach dem d'Hondtschen Verfahren verteilt - und da kommen nur stärkere Parteien zum Zug.

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Sollten Grüne und NEOS aber scheitern, dann könnte die ÖVP doch noch in Nähe der absoluten Mandatsmehrheit kommen - weil dann ein niedrigerer Stimmenanteil reichen würde. Mikl-Leitners diesbezügliche Erwartungen sind jedoch gedämpft: "Wer sich in der Gegenwart umsieht weiß, dass absolute Mehrheiten heute nicht mehr erreichbar sind", erklärte die Chefin der ÖVP-Landesgruppe bereits Mitte Jänner.

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ÖVP als niederösterreichischer Rekordhalter

Niederösterreich ist ein konstant schwarzes Land: Die ÖVP war durchgehend Erste. In nur vier der 15 Landtagswahlen blieb sie unter 50 Prozent. Sie verbuchte das bisher größte Plus im Land, stellte alle acht Landeshauptleute - und Erwin Pröll fehlte beim Abschied nur mehr ein Jahr auf den österreichweiten Amtszeitrekord.

»Ich ersuche Sie, mir bei meiner ersten Wahl einen Vertrauensvorschuss zu geben«

Jetzt hat NÖ die aktuell einzige und insgesamt dritte Landeshauptfrau. Und diese wendet sich mit einer Bitte an die Wähler: „Ich ersuche Sie, mir bei meiner ersten Wahl einen Vertrauensvorschuss zu geben“. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer rechnet damit, dass Mikl-Leitner auf ein ähnliches Ergebnis wie Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll bei seinem ersten Antreten im Jahr 1993 kommen wird (44,23 Prozent). Damit wird die neue Landesparteichefin ein Minus hinnehmen müssen: Bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2013 hatte die ÖVP mit 50,79 Prozent die Absolute gehalten.

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Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und FPÖ

SPÖ-Spitzenkandidat Franz Schnabl darf sich auf ein leichtes Plus einstellen. Die Umfragen prognostizieren der Sozialdemokratie zwischen 22 und 26 Prozent. 2013 musste die SPÖ mit 21,57 Prozent ihren historischen Tiefststand in Niederösterreich verdauen. Ziel sei es, "die Sozialdemokratie so stark zu machen, dass wir beim nächsten Mal um den ersten Platz mitspielen", erklärte Schnabl. Zudem kann er darauf hoffen, seine Partei noch vor der FPÖ ins Ziel zu bringen.

»Ziel ist es, die Sozialdemokratie so stark zu machen, dass wir beim nächsten Mal um den ersten Platz mitspielen.«

Die Freiheitlichen dürfen sich laut Umfragen aber dennoch auf ihr wohl stärkstes Ergebnis in Niederösterreich freuen: Prognostiziert werden ihnen 16 bis 21 Prozent. FP-Spitzenkandidat Udo Landbauer würde zwar seinen Wunsch, die SPÖ zu überholen, verfehlen, das Ziel, das beste blaue Landes-Ergebnis aus dem Jahr 2008 (16 Prozent) zu übertreffen, aber erreichen. Gegenüber 2013 wird es jedenfalls ein ordentliches Plus geben: Beim letzten Urnengang erzielte die FPÖ im größten Bundesland nur 8,21 Prozent.

Causa Landbauer

Bundesparteivorsitzender Christian Kern erklärte in seiner Rede beim Wahlkampfabschluss: "Niederösterreich ist keine Erbpacht der ÖVP." Kern zeigte sich optimistisch, dass am Sonntag ein Zeichen von Niederösterreich an ganz Österreich ausgehen werde, "dass wir eine starke Sozialdemokratie haben". Erneut übte Kern Kritik an der schwarz-blauen Bundesregierung, die Versprechen nicht gehalten habe.

»Was da drin steht ist moralisch unter jeder Sau«

Thema im Vorfeld der Landtagswahl am Sonntag war auch die Causa um den FPÖ-Listenersten Udo Landbauer. Das NS-verherrlichende Liederbuch von Landbauers (ehemaliger) Burschenschaft sei „moralisch unter jeder Sau“ und „hinrissig“. Kern bezeichnete Landbauer außerdem als „Wiederholungstäter“.

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Grüne: Alles oder nichts

Mit Verlusten müssen die Grünen rechnen, die zuletzt auf 8,06 Prozent der Stimmen gekommen waren. Laut Umfragen werden die Wahlen der Öko-Partei ein Minus zwischen zwei und vier Prozentpunkten bescheren. Mit fünf Prozent dürfte die Landtags-Hürde von vier Prozent aber geschafft werden - was für die Grünen nach dem Abschied aus dem Nationalrat im vorigen Oktober österreichweit von großer Bedeutung ist.

»Ich bin von Haus aus eine, die gerne anpackt und kämpft«

Die Spitzenkandidatin Helga Krismer weiß, welche Last sie zu schultern hat, meint aber: "Wenn die Spitze der Mut verlässt, wird es schwierig, aber das war bei mir nie der Fall. Ich bin von Haus aus eine, die gerne anpackt und kämpft. Sie wolle überzeugen, dass es eine "erfahrene und unerschrockene Kontrollkraft" im Land brauche. Im Parlament würden die Grünen - nach der Pleite bei der Nationalratswahl im Oktober - "schmerzhaft fehlen", sei ihr bereits attestiert worden. "Das soll in Niederösterreich nicht sein."

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NEOS: Erster Antritt, erster Sieg?

Die NEOS könnten mit derzeitigen Umfragewerten von vier bis fünf Prozent gleich bei ihrem ersten Antreten in NÖ den Sprung ins Landesparlament schaffen. Wie die Grünen setzen auch die NEOS auf Kontrolle und Transparenz. Ein weiteres Thema bei sei, moderne Frauenpolitik in Niederösterreich zu verankern und Reformen voranzutreiben.

»Weil Niederösterreich NEOS braucht«

„Weil Niederösterreich NEOS braucht", erklärte Spitzenkandidatin Indra Collini auf die Frage, warum beim erstmaligen Antreten auch der Einzug in den Landtag gelingen werde. Sie sprach ebenfalls von "mehr Kontrolle", die "auf vielen Ebenen" notwendig sei. "Gut, dass es in die richtige Richtung geht", kommentierte Collini aktuelle Umfragen, denenzufolge die Partei bei sechs Prozent liegt. "Das gibt Rückenwind. Wir sehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind." In ein paar Stunden wird sich zeigen, ob sie Recht behält.

1.386.343 Wahlberechtigte sind zum Urnengang aufgerufen. Die letzten Wahllokale schließen um 17:00. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Ergebnisse bereits ausgezählter Gemeinden und Bezirke veröffentlicht werden, das endgültige Ergebnis wird jedoch voraussichtlich erst um 20:00 feststehen.