Kuh-Urteil von

Es begann
alles ganz harmlos ...

Kuh-Urteil - Es begann
alles ganz harmlos ... © Bild: APA/Gindl

Das sogenannte "Kuh-Urteil" schlägt hohe Wellen. Es ist ja auch in der Tat eine äußerst emotionale Geschichte. Im Juli 2014 wurde eine deutsche Urlauberin im Tiroler Pinnistal von Kühen zu Tode getrampelt. Viereinhalb Jahre später fällte ein Richter ein vieldiskutiertes Urteil. Der vom Witwer beklagte Landwirt muss 490.000 Euro zahlen.

Die Wogen gehen hoch, denn das Urteil lässt kaum jemanden kalt. Die Bauern sind in Aufruhr. Was sollen sie denn tun? Ihre Kühe einsperren, die Almen für Wanderer sperren? Die Tourismusverbände schlagen Alarm: Das geht doch nicht! Und die Urlauber und Wanderer? Sie haben Angst, dass sie künftig nicht mehr ihrer gewohnten Wanderwege gehen können.

Kuh und Hund - keine gute Kombination

Es ist eine verzwickte Lage. Wenn ich an die verstorbene Urlauberin denke, bekomme ich Gänsehaut. Vor einigen Jahren war ich selbst in der Situation, von Kühen umzingelt und verfolgt zu werden. Und ich war nicht einmal auf einer Alm. Und ja, es war ein Hund im Spiel. Auch die Deutsche hatte einen Hund bei sich. Wie die Mehrheit weiß, ist dies äußerst heikel, denn wenn Mutterkühe ihre Kälber in Gefahr sehen, greifen sie an. Und Hunde versetzen sie in Panik, da müssen diese nicht einmal bellen oder Anstalten machen, sich den Wiederkäuern zu nähern.

In meinem Fall begann alles ganz harmlos. Ich befand mich auf keiner Tiroler Alm, sondern auf einem niederösterreichischem Mostheurigen. Zwischendurch begleitete ich eine Freundin mit ihrem Hund, damit der rasch sein Geschäft verrichten konnte (ja, das Sackerl fürs Gackerl hatten wir natürlich mit dabei). Wir gingen bloß einen Feldweg entlang und überquerten keinerlei Zäune, als uns plötzlich eine Handvoll Kühe entgegen kamen.

"Kuh-Urteil: "Kuratorium Wald" für "Betreten auf eigene Gefahr"

Ich wusste zunächst nicht, wie mir geschah, doch meine Freundin wusste sofort, was Sache ist. "Den Hund von der Leine lassen", heißt es in klugen Ratgebern. Haben wir getan. Doch der Hund, der sich von den Kühen ebenso bedroht fühlte, wie sie sich von ihm, wich nicht von unserer Seite. Während ich immer panischer wurde, versuchte meine Freundin mich – und die Kühe – zu beruhigen. Am liebsten wäre ich so schnell wie möglich weggelaufen, doch genau das soll man ja nicht tun. Also machten wir uns langsam auf den Rückweg, die Kühe verfolgten uns schnaubend.

Wir hatten deutlich mehr Glück als die deutsche Urlauberin. Nach den wohl längsten fünf Minuten meines Lebens schafften wir es zurück zum Heurigen. Erst seit damals weiß ich als Nicht-Hunde-Besitzerin, die noch nie eine echte Alm betreten hat, wie gefährlich das Zusammentreffen mit Kühen sein kann.

Dennoch halte ich das Gerichtsurteil für überzogen. Keine Summe der Welt kann dem Witwer seine Frau zurückbringen. Den Bauern derart zur Verantwortung zu ziehen, finde ich ebenfalls bedenklich. Die Diskussion, ob Hunde auf Almen verboten werden sollten, ebenfalls. "Wir wollen kein Land der Verbote sein", erklärte Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Dem kann ich nur zustimmen.

Ich habe keine Lösung für das Problem, bezweifle allerdings auch, dass es überhaupt eine gibt.