Volvo-Fahrzeuge mit Fußgängererkennung:
Radarsensor erkennt und prüft Umgebung

Notbremsassistent leitet Bremsung automatisch ein Zukunftsträchtige Idee, jedoch verbesserungswürdig

Volvo-Fahrzeuge mit Fußgängererkennung:
Radarsensor erkennt und prüft Umgebung © Bild: Volvo

Ein Novum in Sachen Verkehrssicherheit hat der Autohersteller Volvo in seine Modelle S60 und V60 integriert: einen Notbremsassistenten mit Personenerkennung. Funktion des Systems ist, vor dem Auto auftauchende Personen zu erkennen, den Fahrer akustisch und optisch zu warnen und notfalls selbstständig eine Notbremsung durchzuführen.

Der ÖAMTC hat den Notbremsassistenten nun genauer unter die Lupe genommen. Das Experten-Fazit: "Nur unter Idealbedingungen funktioniert das System einwandfrei. Die sind in den meisten Fällen jedoch nicht gegeben. Eine deutliche Verbesserung des Systems ist also notwendig", resümiert Techniker Steffan Kerbl. "Das System an sich ist jedoch zukunftsträchtig. Es wäre wünschenswert, dass auch andere Hersteller diese Richtung einschlagen."

Funktionsweise des Volvo-Systems
Ein in den Kühlergrill integrierter Radarsensor und eine hinter dem Innenspiegel angebrachte Digitalkamera prüfen kontinuierlich die Umgebung vor dem Auto. "Wird innerhalb der Fahrtroute eine Person erkannt, leitet der Notbremsassistent eine dreiteilige Reaktionskette ein", erklärt der Techniker. Zuerst erfolgt über die Fahrzeuglautsprecher und eine unterhalb der Windschutzscheibe angebrachte LED-Reihe eine akustische und visuelle Warnung. Als zweiter Schritt setzt die Bremsunterstützung ein, durch die eine raschere und stärkere Bremswirkung erzielt werden kann. Erfolgt danach keine Reaktion durch den Fahrer, leitet der Notbremsassistent als letzten Schritt eine Bremsung mit maximaler Kraft automatisch ein.

Ergebnisse im Detail
Die anfängliche Befürchtung, der Notbremsassistent könnte Fehlbremsungen verursachen, wenn beispielsweise eine am Straßenrand stehende Person erkannt wird, hat sich nicht bewahrheitet. "Während der gesamten Testdauer ereignete sich keine einzige Fehlbremsung", erklärt Kerbl. Grundsätzlich reagiert das System sowohl auf stehende, als auch auf sich bewegende Personen. "Allerdings erst ab einer Größe von etwa 80 Zentimetern", kritisiert der Techniker. Zudem müssen diese möglichst aufrecht gehen. Ein weiteres Manko besteht darin, dass im Falle einer Notbremsung das Anhalten vor der Person nur bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h realistisch ist. Dazu müssen jedoch Idealbedingungen vorliegen, d.h. einwandfreie Sicht, keine Radarstörungen, griffiger Untergrund. "Sobald von den optimalen Bedingungen abgewichen wird, setzen die Funktionen aus. Beispielsweise sinkt bei Regen die Erkennungsrate, bei Dunkelheit kann die Kamera überhaupt kein brauchbares Bild liefern", erläutert der Experte. Allgemein vollzieht das System Notbremsungen bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h.

(red)