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Wo bin ich daheim?

Poesie auf der Flucht: das preisgekrönte Gedicht eines jungen Asylwerbers

Mohammad Ibrahim Rahimi © Bild: Ricardo Herrgott

Vom Verlassen und Finden einer Heimat: Ein 21 Jahre alter Afghane ist seit 2015 Asylwerber in Österreich. Nebenbei dichtet er. Mit "Unvaterland" gewann er seinen ersten Preis.

Mohammad Ibrahim Rahimi
Der 21-Jährige wuchs in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf. Er machte Matura, war Buchhalter und begann mit dem Schreiben. Der Krieg zwang ihn zur Flucht, im Oktober 2015 kam er nach Österreich. Er lernt Deutsch und hofft, bald ein Studium der Translationswissenschaft beginnen zu können. Mit dem hier abgedruckten Gedicht "Unvaterland" gewann er den "Enjoy Austria Award".

Unvaterland
Wir wuchsen auf in einem Ort, dessen Himmel wir kornblau wünschten
Nun leben wir in einem Ort, dessen Blumen wir immergrün hoffen
In der Ferne, zwischen den Grenzen, hinterließen wir alles,
Was unseren Schmerzen Trost schenkte
In unseren kleinen Zimmern gibt es Bilderrahmen,
Die mit gewöhnlichen Augen nicht erkennbar sind
Bilder von zu Hause und Familie tanzen an der Decke
Je mehr ich das Gesicht der/des Geliebten suche, umso mehr verliere ich es
Der Duft der Blumen in diesem reinen und gutherzigen Land
Riecht nie wie der Duft der Freiheit von Blumen unserer Heimat
Unter all dem Segen und Regen und Wohlstand
Gehen kann ich, jedoch nicht aufrecht
Zwischen den fleißigen und ermüdeten Bienen
Niemand trinkt den Nektar meiner Blume
Um mein Schiff zu kentern, strengt sich der Gegenwind gegen den günstigen Wind an
Ich bin wie die bunten Herbstblätter dieses Landes,
Die zu Ehren von Migrantinnen gefegt werden
Ich bin der Engel des Todes, der dieses Mal zur Wiederbelebung der Frauenrechte einhaucht
Ich bin eine geschwinde, hungrige Gazelle,
Die bis in die Ewigkeit warten muss
Meine Geschichte ist die Geschichte einer Schwalbe,
Die nicht wandert, sondern zum Zug gezwungen wird
Bin ich eines einfachen Lebens in dieser schönen Stadt würdig?
Oder schenkt mir Gott noch einen weiteren Krieg?
In diesem Land voll von kleinen Vereinen
Warum findet man kein geeignetes Pflaster für meine Wunde?
Diese farbigen Augen starren mich so an
Als ob ich allein die Schuld an all diesem Übel trage
In der schönen U-Bahn setzt sich die Schwalbe,
Damit sie im Land der Adler einen Platz für den Abflug findet
Die Straßen sind voll von Menschen wie ich
Sag der großen Kirche ein Liebeslied zu singen!
Sag der grünen Kuppel in einem bewaldeten Park
Die ist die Musik, die meine Herzschmerzen lindert
Wenn man so die Welt betrachtet
In jedem Land sind manche schlechter im Gutsein
Schwöre auf die ganze Schönheit dieses barmherzigen Landes
Eine kleine Chance und ich werde all die Probleme lösen.

Kommentare

boahhhhhhh... tiefer gehts nimma.. da STRAHLEN wohl alle herzen der gutmenschInnen

Henry Knuddi

aug um auge und die ganze welt wird blind sein
ghandi

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Was gäbe es wohl für ein Gejammer bei den Rotgrünen, wenn hier lauter junge Brasilianerinnen, Thailänderinnen oder Russinnen angeflüchtet kämen und alle Jungs plötzlich Flüchtlingshelfer spielen wollten...

Henry Knuddi
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du darfst helfen ;)

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