Jahresrückblick von

Ungarn: Guter Zaun, böser Zaun

Flüchtlinge, Feldjäger und heimische Polizisten: News-Reportage von Ungarn Grenze

© Video: News

Der 175 Kilometer lange Zaun des Viktor Orbán ist weit mehr als ein Grenzwall. Er zeigt nicht nur, wie die Fluchtbewegung Europa polarisiert und eine Gesellschaft radikalisiert. Man kann dort auch in unsere Zukunft blicken. Eine Reportage von Christoph Lehermayr.

Der Pfad ist matschig. Durch Morast und tiefe Regenlacken führt er bis hin zu denen, die keiner mehr will. Auf einem offenen Feld campieren Hunderte Menschen. Aus Plastikplanen und Ästen haben sie sich Zelte gebaut. Dazwischen steigt Rauch von Feuern auf, die eine ganze Nacht hindurch loderten. Es ist früher Morgen in Serbien, und es ist das Lager der Hoffnungslosen. Derer, die gestrandet sind, mit dem Ziel vor Augen. Zuspätgekommene in einer Geschichte der Sieger und Verlierer, nach einem Jahr, das Europa spaltete.

© News/Ricardo Herrgott Ziel erreicht, Zukunft ungewiss. Ungarn erlaubt pro Tag 30 Migranten, einen Asylantrag in der Transitzone zu stellen. Bis es so weit ist, vergehen Monate

Damals war dieser Ort nicht mehr als eine Durchlaufstation auf der Route des großen Flüchtlingszuges. Die Grenze zwischen Serbien und Ungarn, zwischen Strapazen und Ankommen in der EU. Steppe, Autobahn, Stau und wieder Steppe. Und dazwischen Flüchtlinge. Fast eine halbe Million allein an dieser Grenze in einem Jahr. Ungehindert, unkontrolliert unaufhaltsam. Auf dem Höhepunkt marschierten 9380 Menschen an einem einzigen Tag durch. Kontrollverlust. Man schrieb den 14. September 2015. Damals, fünf Minuten vor Mitternacht, schlug Europas Stunde null. Im Dunkel der Nacht verkündete der Sprecher von Ungarns Premier Viktor Orbán Vollzug. Die letzte Lücke des eilig errichteten Zauns entlang der Grenze zu Serbien war geschlossen worden. Die Ära der illegalen Migration sei beendet, sagte Orbáns Stimme den Kamerateams aus aller Welt, das Beispiel Ungarns würde – man werde es schon noch sehen – Schule machen.

© News/Ricardo Herrgott Auf der serbischen Seite campieren Hunderte Flüchtlinge wie Mohammed direkt entlang des Zauns zu Ungarn. Ihr Ziel: die blauen Container der Transitzone

Im Lager der Ungewollten

Der Zaun hat seither Nachahmer gefunden und ist zum Symbol geworden. Den einen dient er als Beleg für Europas Versagen, den anderen als Erfolgsmodell beim Versuch, die Kontrolle über die Migrationsströme zurückzugewinnen. Den Gestrandeten führt er jeden Morgen nur ihr Scheitern vor Augen. Kriechen sie aus ihren Zelten, sehen sie ihn. Und daneben das Ziel: blaue Blechcontainer, von den Ungarn Transitzone genannt. Sie ist das Loch im Zaun, der einzig verbliebene legale Weg. 30 Flüchtlinge werden pro Tag vorgelassen. Für den Afghanen Mohammed, 20 Jahre alt, dürfte es bald so weit sein. Seit drei Monaten steckt er im Lager fest. Kann weder vor noch zurück.

Lesen Sie die ausführliche Reportage im News 39/16 - in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als E-Paper-Version.

Kommentare

danke ungarn!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sie sind in Europa nicht erwünscht!!! Das getraut sich "keiner" zu sagen und die leidende Bevölkerung wird nicht gefragt, weil die Gutmenschen wissen, wie es ausgehen würde, also wird die Urbevölkerung geknechtet!!! Das nennt man auch "Demokratie" von der wir heute Lichtjahre entfernt sind!!!

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