US-Präsident von

"Trump gefährlicher
als Kim Jong-un"

Trump-Kenner Johnston: "Donald ist durch und durch ein Rassist"

US-Präsident - "Trump gefährlicher
als Kim Jong-un" © Bild: SAUL LOEB / AFP

Nach seiner angeblichen Äußerung über "Drecksloch"-Staaten ist US-Präsident Donald Trump um Schadensbegrenzung bemüht. Auch wenn er den Vorwurf, ein Rassist zu sein, nun kategorisch zurückwies - den Pulitzer-Preisträger und Autor eines am Dienstag erscheinenden Trump-Buches, David Cay Johnston, überzeugt das nicht. "Donald ist durch und durch ein Rassist", so Johnston im Interview.

"Jemand, der sagt, dass unter den Neonazis von Charlottesville 'feine Leute' seien, macht klar, wo er steht", betonte Johnston, der als einer der besten Trump-Kenner gilt. Der Kommentar über afrikanische und lateinamerikanische Staaten, den Trump während einer Debatte um Migrationspolitik getätigt haben soll, überrascht den Autor des Buches "Trump im Amt. Ein Präsident, der gerne Diktator wäre" nicht im Geringsten. Er passe völlig zu dem, was Trump bisher gesagt und getan habe, meinte der Journalist und Steuerrechtsexperte. Seine diskriminierende Praxis bei der Vergabe von Arbeits- und Mietverträgen und seine rassistische Einstellung seien bekannt, bereits Trumps Großvater sei 1927 bei einem offenen Kampf zwischen dem Ku-Klux-Klan und der New Yorker Polizei verhaftet worden.

»Jemand, der sagt, dass unter den Neonazis von Charlottesville 'feine Leute' seien, macht klar, wo er steht«

"It's even worse than you think" (Es ist noch schlimmer, als Sie denken) lautet der Titel der Originalausgabe des neuen Buches. Denn Johnston ist der Meinung, dass die Menschen nicht wissen, welchen Schaden die Regierung Trump dem wirtschaftlichem Wohlstand, der Gesundheitsversorgung, der Sicherheit der Menschen sowie der Umwelt zufüge. "So viele wilde und verrückte Dinge waren aus dem Weißen Haus zu hören, dass die Menschen die Zusammenhänge nicht verstehen können", sagte Johnston. Die Schuld läge dabei auch bei den Journalisten: "Es ist einfach, Trumps Tweets wiederzugeben, viel schwieriger ist es hingegen, die Hintergründe darzustellen."

Johnston will Missstände erklären

Johnston bemüht sich daher in seinem neuen Buch, die Missstände zu erklären. Trump, den der Pulitzer-Preisträger als "faul" beschreibt, sei nicht persönlich für die Veränderungen verantwortlich, aber er habe Menschen als Mitarbeiter ernannt, die aktiv an der Zerstörung des Staates arbeiteten, darunter sein Berater Stephen Miller. Johnston nennt sie "political termites": "Sie wollen eine Regierung, die schwach ist und den Reichen dient." Und diese solle rassistische Positionen vertreten.

Um die Überprüfung ihrer Eignung durch den Senat zu verhindern, seien viele von diesen Mitarbeitern "Special Government Employees", Sonderregierungsangestellte, die per Gesetz maximal für 130 Tage ernannt werden dürften, erklärte er. Viele von ihnen seien jedoch schon fast ein Jahr angestellt. "Der von den Republikanern dominierte Kongress müsste dies beenden, aber er tut es nicht", so Johnston.

Wie Trump finanziellen Gewinn aus seinem Amt schlägt

Auch hinsichtlich des finanziellen Gewinns, den Trump auf verschiedene Weise aus seiner Präsidentschaft schlage, müsste er belangt werden, berichtete der Autor. So habe der Präsident rund ein Drittel seiner Amtszeit auf seiner Liegenschaften wie dem Club Mar-a-Lago in Florida verbracht. "Wenn Trump zum Beispiel seinen Golf Club in Bedminster, New Jersey, besucht, muss der Staat für Aufenthalt und Verpflegung des Secret Service, der Mitglieder des Kabinetts und anderer Bundesbediensteten, die ihn dabei begleiten, aufkommen. Dabei untersagt die Verfassung, dass der Präsident abgesehen von seinem Gehalt Vergütungen von den Vereinigten Staaten oder einzelnen Bundesstaaten bekommt", erklärte Johnston.

»Sie wollen eine Regierung, die schwach ist und den Reichen dient«

Solange die Republikaner den Kongress kontrollieren, sieht er keine Chance auf eine Amtsenthebungsklage. Die Demokraten würden, sofern sie bei den "Midterm elections" im November die Mehrheit bekämen, ein Verfahren anstreben und hätten dafür gute Grundlagen, ist Johnston überzeugt. "Wenn Trump jedoch nach einer Amtsenthebung nicht strafrechtlich verfolgt und inhaftiert wird, dann wird er den Rest seines Lebens damit verbringen, Gewalt und Aufstände gegen den Staat anzuzetteln, da es bei seiner Präsidentschaft nur um eines geht: die Glorifikation von Donald Trump."

Trump nicht fähig, Fehler einzugestehen

Trump sei nicht fähig, Fehler in seiner Amtsführung einzugestehen oder sich zu entschuldigen, sagte Johnston. "Er wird die Regierung verleumden und damit jene Menschen ansprechen, die bereits glauben, dass es sich dabei um eine kriminelle Organisation handelt." Damit meinte er Neonazis und Rassisten, die in den USA ein "starkes rechtsextremes Element" bilden, so Johnston.

Der Pulitzer-Preisträger ist überzeugt, dass Trump nur ein Symptom ist. "Die Krankheit der USA ist, dass viele Menschen politische Teilhabe fehlt und eine Wirtschaftspolitik betrieben wird, durch die 90 Prozent der Bevölkerung ökonomisch ausgebeutet werden. Sie sind zu Recht wütend und Trump hat dies ausgenutzt."

Er sei ein "Trickbetrüger", der die Menschen dazu verleite, die Fakten außer Acht zu lassen - wie zum Beispiel die Tatsache, dass er selbst sein ganzes Leben lang Investoren, Immobilienkäufer, Arbeiter und Kleinunternehmen betrogen habe, so Johnston. So habe er schließlich "anstatt den Sumpf auszutrocknen, ein Paradies für Goldman Sachs und den Rest der Wall Street" daraus machen können.

"Trump gefährlicher als Kim Jong-un"

Trumps Regierung füge der US-amerikanischen Demokratie fundamentalen Schaden zu, die Bereitschaft des Präsidenten, Atomwaffen einzusetzen, mache ihn jedoch zu einer weltweiten Bedrohung, so Pulitzer-Preisträger David Cay Johnston. Von Trump gehe demnach auch eine größere Gefahr als von dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un aus.

Dieser könne sich das Nukleararsenal nur innenpolitisch zunutze machen könne, während Trump tatsächlich in der Lage wäre, Nordkorea auszuradieren. Beiläufig habe Trump erwähnt, alle 25 Millionen Einwohner Nordkoreas zu töten. Dies sei alarmierend, denn: "Dummheit hat bereits in der Vergangenheit zu Kriegen geführt", mahnte Johnston. Und Trump suche eindeutig nach einem Grund, Nuklearwaffen einzusetzen.

»Dummheit hat bereits in der Vergangenheit zu Kriegen geführt«

Die zweite Bedrohung sei Trumps Haltung gegenüber Russland. Johnston ist davon überzeugt, dass es geheime Absprachen während des Wahlkampfes gegeben hat. Russlands Unterstützung für Trumps Kampagne sei durch den E-Mail-Verkehr zwischen dem Publizisten Rob Goldstone und Trumps Sohn Donald Trump Jr. eindeutig belegt. Zudem habe das Weiße Haus nach Veröffentlichung der E-Mails sechs verschiedene widersprüchliche Erklärungen geliefert - "Lügen und leugnen sind die besten Indikatoren für Fehlverhalten", kommentierte Johnston.

Der Schlüssel liege jedoch in Trumps geschäftlichen Beziehungen mit Russland und benachbarten Ländern, so der Autor. Es gäbe nicht nur zahlreiche Beweise, dass Trump an Geldwäsche beteiligt gewesen sei, auch machten viele Geschäfte für seine Partner wirtschaftlich keinen Sinn - dies sei ein Anzeichen dafür, dass in Trump investiert wurde.

"Trump ist Putins Home Run"

"Trump ist Putins Grand Slam, sein Home Run", sagte Johnston über die gelungene Unterstützungskampagne. "Putin bereut den Erfolg sicher auf gewisse Weise, da Trump verrückt und inkompetent ist. Aber er muss nicht mit Hillary Clinton fertig werden." Clinton hatte klar gemacht, dass sie Druck auf Putin ausüben würde, um zu erreichen, dass Russland sich von der Krim und aus der Ost-Ukraine zurückziehe sowie die Bedrohung von Weißrussland und den baltischen Staaten beende. Mit Trump als Präsident sei eine Ausdehnung Russlands wieder eine Bedrohung, so der Analyst.

Seine Prognose lautet, dass die USA unter Trumps Führung weiterhin andere Staaten beleidigen, strategische Partnerschaften vernachlässigen und im wirtschaftliche Wettbewerb, wie zum Beispiel mit China, zurückfallen werden. "Es ist vorauszusehen, dass der Schaden immer größer wird, je länger Trump und seine 'Termiten' im Amt sind", sagte Johnston. "Sobald er nicht mehr im Amt ist, wird man versuchen, die diplomatischen Beziehungen wieder herzustellen."

David Cay Johnston, geboren 1948, ist einer der renommiertesten amerikanischen Investigativjournalisten und war als Reporter der "New York Times" und der "Los Angeles Times" unter anderem an der Enthüllung von Steuerschlupflöchern beteiligt. 2001 wurde er dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Johnston gilt als einer der besten Trump-Kenner und berichtet seit vielen Jahren über den Unternehmer und aktuellen Präsidenten der USA. 2016 erschien "Die Akte Trump", am 16. Jänner 2018 kommt "Trump im Amt. Ein Präsident, der gerne Diktator wäre" in den Handel.

Das Buch: "Trump im Amt. Ein Präsident, der gerne Diktator wäre", Ecowin Verlag, 25 Euro, ISBN 978-3-7110-0160-3

Kommentare

Roland Mösl

Sein wir froh, dass Trump gewonnen hat, mit Killary hätten wir vielleicht längst den 3. Weltkrieg.

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