Tarek Leitner von

Sind Sie der bewusste Anti-Wolf?

Tarek Leitner - Sind Sie der bewusste Anti-Wolf? © Bild: APA/HANS PUNZ

Nach den "Sommergesprächen" moderiert Tarek Leitner auch die Wahlkonfrontationen -und er fährt nicht mit dem Kanzler auf Urlaub

Sie moderieren im Sommer die sechs "Sommergespräche" und gleich im Anschluss die ORF-Wahlkonfrontationen und eine Elefantenrunde. Hat der ORF keine anderen Innenpolitikjournalisten als Sie?
Ich bin einigermaßen belastbar. Außerdem werde ich die Konfrontationen gemeinsam mit Claudia Reiterer moderieren. Wir teilen uns dieses Format also auf.

Ihr Kollege Armin Wolf hat in letzter Zeit in der Öffentlichkeit für ziemliche Diskussionen gesorgt. Anders als er sind Sie eigentlich überhaupt nicht umstritten. Sie sind beliebt, gelten als charmant und halten sich aus sozialen Medien heraus. Ist das eine bewusste Strategie?
Nein, das ist es nicht. Ich habe nur für mich persönlich entschieden und für den richtigen Weg definiert, dass ich mich nur dort öffentlich äußere, wo es beruflich von mir erwartet wird. Also am Bildschirm. Abgesehen davon bin ich privat.

Bei der Wolf-Kritik ging es ja auch um seinen angeblichen Verhörstil in Interviews. Wie hart muss ein politisches Interview sein? Verläuft die Grenze zwischen Information und Infotainment nicht manchmal fließend?
Das kommt auf das Format an. Ein "ZiB 2"-Interview ist etwas anderes als ein "Sommergespräch". Beim Interview ist die Kernaufgabe, Fragen zu stellen und auf Antworten zu beharren. Das ist es, was Armin Wolf tut.

"Sommergespräche": "So ein Gespräch kann auch ein Ruheraum sein"

Und die "Sommergespräche" wollen da eher Infotainment, also Sommernachtsunterhaltung sein?
Ein "Sommergespräch" kann aufgrund der längeren Zeit, die zur Verfügung steht, Fragen viel mehr auf den Grund gehen, als es ein tagesaktuelles Interview kann. So ein Gespräch kann auch ein Ruheraum sein, in dem es keine Zwischenrufe gibt, keine Bekundungen von Zuneigung und Ablehnung. Es soll dem Zuhörer die Möglichkeit bieten, jemandem zuzuhören, sich mit dem anderen auseinanderzusetzen, auch wenn dessen Positionen nicht die eigenen sind. Die "Sommergespräche" sind damit eine Antithese zu den sozialen Medien und ihren Echokammern. Sie sind scheinbar aus der Zeit gefallen, aber gerade dadurch sind sie wichtiger denn je.

Sie haben einmal gesagt, dass der Zuschauer nicht spüren darf, dass man ihn von einer speziellen Sicht auf die Dinge überzeugen will. Muss ein Moderator also unparteiisch sein oder nur so tun als ob?
Natürlich geht am Wahltag auch jeder Moderator in die Wahlzelle und ist überzeugt von seiner Entscheidung. Aber ich lege Wert darauf, das im Job nicht durchscheinen zu lassen.

Mit der Familie Kern 2015 auf Urlaub

Es gibt immer wieder Gerüchte über ein angebliches Naheverhältnis zum Bundeskanzler. Werden Sie die ORF-Konfrontationen mit Christian Kern beim gemeinsamen Urlaub besprechen?
Diese Urlaubslegende ist so, wie sie erzählt wird, ein Gerücht. Tatsache ist, dass wir durch die Schulfreundschaft unserer Kinder im Sommer 2015 mit mehreren Familien auf Urlaub waren, darunter auch mit der Familie Kern. Aber Christian Kern war damals noch weit davon entfernt, Bundeskanzler zu sein. Das ist mir wichtig.

Zur Person

Der Oberösterreicher Tarek Leitner ist seit 20 Jahren bei der "Zeit im Bild", die er seit 2004 auch moderiert. Der Vater zweier Töchter ist auch als Buchautor bekannt

Das Interview erschien im News Nr.23/2017

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