Corona: Die größten Fehler beim Masken-Tragen

Wer mit den Öffis fahren oder ein Geschäft betreten will, muss eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Die meisten kommen dieser Pflicht unaufgefordert nach. Da das Tragen von Masken für uns aber etwas völlig Neues ist, sind Fehler vorprogrammiert. Prof. Miranda Suchomel, Hygienikerin an der MedUni Wien, erklärt, was Sie beim Masken-Tragen NICHT machen sollten.

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Fehler Nr. 1: Ins Gesicht greifen

Die wenigsten von uns sind es gewohnt, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Bis man es draußen hat, wie man die Maske platziert, damit sie auch richtig gut sitzt, kann es ein Weilchen dauern. Brillenträger haben es dabei besonders schwer. Ist die Maske erst mal dort, wo sie sein soll, laufen auch schon die Gläser an. Also: Brille runter, Maske zurechtrücken, Brille rauf - und hoffen, dass es diesmal passt. Früher oder später fährt man sich dabei unweigerlich mit den Fingern ins Gesicht - im schlimmsten Fall sogar in die Augen. Was man jedoch tunlichst vermeiden sollte. Denn mit jeder Berührung steigt das Infektionsrisiko. Und schließlich kann es ja auch über die Augen zu einer Ansteckung kommen. "Ich glaube, das ist etwas, was wir alle erst lernen müssen", sagt Suchomel. Und bis wir die richtige Technik draußen haben, heißt es: Hände weg vom Gesicht!

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Fehler Nr. 2: Maske unterm Kinn tragen

Wie viele Personen haben Sie schon gesehen, die die Maske auf offener Straße um den Hals herum tragen? Gehören Sie vielleicht sogar selbst zur Gruppe jener, die den Mund-Nasen-Schutz nach Verlassen des Supermarkts einfach nach unten ziehen, anstatt ihn sachgemäß abzunehmen? Hier ist Vorsicht geboten! Angenommen, Sie haben Covid-19, ohne es zu wissen. Wenn Sie die Maske einfach unters Kinn schieben, können die Viren, die Sie zuvor hinein geatmet haben, ganz schnell auf deren Außenseite landen. Die Maske wieder über Mund und Nase gezogen, haben die Viren nun freie Bahn. Was nicht Sinn und Zweck der Sache ist. Denn schließlich soll der Mund-Nasen-Schutz ja dazu beitragen, dass die Viren dort bleiben, wo sie herkommen - nämlich beim Träger.

»Man soll die Maske überhaupt nicht angreifen«

Fehler Nr. 3: Maske nach unten klappen

Ebenso wenig empfiehlt es sich, jene Masken, die gebunden werden, durch Lösen des oberen Bandes nach unten zu klappen und mit der Innenseite nach außen auf der Brust vor sich herum zu tragen. "Das ist einer der ganz, ganz großen Fehler", warnt die Mikrobiologin. Denn erstens setzen wir mit dem Aufklappen gleich einmal einen ganzen Schwall an Viren frei und zweitens wenden wir auf diese Weise die virenbelastete Seite unseren Mitmenschen zu. Immer vorausgesetzt natürlich, dass man selbst infiziert ist. Weil wir aber von einer möglichen, mitunter unbemerkten Infektion ausgehen müssen - denn aus keinem anderen Grund tragen wir die Maske -, sollte deren Innenseite stets nur ihrem Träger zugewandt sein. Nicht zuletzt deshalb, weil sonst das Risiko steigt, dass man sie berührt.

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Fehler Nr. 4: Innenseite anfassen

Womit wir auch schon beim nächsten Fehler wären. Baumelt die Maske fröhlich vor der Brust herum, steigt die Gefahr, dass man früher oder später ihre Innenseite berührt - auf der sich möglicherweise unzählige Coronaviren befinden. Erst einmal auf den Händen, verteilen wir die Viren ganz schnell in unserer Umgebung - auf der Türschnalle, dem Haltegriff des Einkaufswagens ... und da gehören sie ja nun wirklich nicht hin! Daher lautet die Devise: Die Innenseite wird nicht angefasst! Die Außenseite übrigens ebenso wenig. Kurzum: "Man soll die Maske überhaupt nicht angreifen." Außer natürlich an den Bändern. Beziehungsweise am Gummizug. Und das auch nur dann, wenn wir sie aufsetzen oder abnehmen.

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Fehler Nr. 5: Maske auf der Straße entsorgen

Wie viele Masken zählen Sie regelmäßig auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause? Eigentlich egal. Denn jede Maske, die achtlos am Straßenrand entsorgt wird, ist eine zu viel. Die Maske gehört nämlich nicht auf die Straße, sondern in den Mistkübel. Am besten in den, der daheim steht. Noch schlimmer, als vereinzelte Masken auf dem Gehsteig, sind ganze Anhäufungen - sei es auf dem Parkplatz oder im Eingangsbereich des Supermarkts. "Wenn bei den Einkaufswagerln ein übervolles Küberl steht, um das herum die Masken am Boden verteilt sind, dann hat man dort natürlich eine hohe Virenlast", warnt die Hygienikerin. "So ist das Ganze wieder kontraproduktiv."

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Fehler Nr. 6: Maske luftdicht verschließen

Zuhause angelangt, packen wir die Maske in ein luftdichtes Gefäß, damit auch wirklich alle Viren absterben. Richtig? Falsch! Was Sie machen können, ist, die Maske in ein Behältnis, zum Beispiel einen Kübel, legen und sie dort mit der Innenseite nach oben trocknen lassen. Der Deckel bleibt aber bitte unten. Sonst fängt die Maske noch zum Schimmeln an. Und Schimmel hat in der Lunge ebenso wenig verloren wie Coronaviren. Oder aber Sie hängen die Maske zum Trocknen auf. Achten Sie dabei darauf, dass die Innenseite nicht mit anderen Flächen oder Gegenständen in Kontakt kommt. Auch möglich und sogar ziemlich effizient: die durchfeuchtete Maske bügeln. So ist der Mund-Nasen-Schutz im Handumdrehen trocken und die Viren - sowie sämtliche andere Mikroorganismen, die in der Maske nichts verloren haben - mit hundertprozentiger Sicherheit tot.

»Jedes Familienmitglied sollte seine eigene Maske haben«

Fehler Nr. 7: Masken tauschen

Eine Familie - eine Maske? Bitte nicht! "Wenn man zu mehrt im Haushalt wohnt, sollte jedes Familienmitglied seine eigene Maske haben und sich auch selbst um sie kümmern", mahnt die Expertin von der MedUni Wien. Was man allerdings machen kann, wenn man zur Schonung der Ressourcen beitragen will, ist, Einmalmasken mehrmals verwenden. Zugegeben, der Name lässt einen anderen Schluss zu. Doch ordnungsgemäß abgenommen und aufbewahrt, kann man den Mund-Nasen-Schutz "locker zwei, drei Mal verwenden. Wichtig dabei ist, dass er dazwischen getrocknet wird." Auch das Reinigen in der Waschmaschine bei 60 Grad sei denkbar. Hier müsse man allerdings ausprobieren, ob das Material dem Schleudern auch tatsächlich standhält.


Miranda Suchomel
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Zur Person
Prof. Miranda Suchomel ist Hygienikerin und Mikrobiologin. Sie leitet die Abteilung für Medizinisch-technische Hygiene mit Schwerpunkt Desinfektion am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien.