Hilfsorganisationen in der Kritik von

Gutes predigen,
Böses tun

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Hilfsorganisationen gerieren sich gern als selbstlose Helfer in der Not, die Gutes tun und gern darüber sprechen. Dabei folgt natürlich auch deren Handeln den Gesetzen des Marktes

Die Vorwürfe sind auf eine Weise abstoßend, dass es schwerfällt, sie hier auch nur zu wiederholen. Doch das Thema ist zu groß und zu wichtig, als dass es unterbleiben könnte. Es sind zwei aktuelle Anlassfälle, die für Zweifel und Zorn darüber sorgen, wie Hilfsorganisationen an Orten des Hungers und des Elends handeln. Der erste Schauplatz liegt in Syrien, das seit sieben Jahren nur noch Krieg kennt. Sechs Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Viele landen in Lagern, die unter Obhut der Vereinten Nationen (UN) oder internationaler Hilfsorganisationen stehen. Ein Bericht des Bevölkerungsfonds, einer UN-Unterorganisation, fördert dort nun schreckliche Zustände zu Tage. Um überhaupt Hilfe zu bekommen, würden Frauen und Mädchen von lokalen Mitarbeitern zu "sexuellen Gefälligkeiten" gezwungen. Wer Essen will, hat sich gegenüber dem örtlichen UN-Personal gefügig zu zeigen. Besonders Frauen ohne männliche "Beschützer" wie Witwen, Geschiedene oder allein Geflohene seien sexueller Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. In manchen der Lager ist die Situation so schlimm, dass sie sich nicht mehr trauen, Hilfe zu suchen.

Das alles sind keine Einzelfälle, sondern hat System. Es ist auch nicht neu, da die UN schon 2015 auf die Missstände aufmerksam gemacht wurde. Nur scheinbar hat es keinen gekümmert, wenn Ärmste, die alles verloren haben, auch am Ort, an dem sie sich sicher glaubten, wieder zu Opfern werden, und das unter Verantwortung einer Weltgemeinschaft, die wegschaut.

Der zweite Fall betrifft die britische NGO Oxfam, einen großen Player im globalen Geschäft mit der Hilfe. Deren Repräsentanten veranstalteten vor acht Jahren auf Haiti aber lieber Sex-Partys mit minderjährigen Prostituierten, als den Inselbewohnern nach dem Erdbeben zu helfen, bei dem eine Viertelmillion Menschen gestorben war. Später versuchten sie, die Fälle noch zu vertuschen und Zeugen einzuschüchtern. Zu groß war die Angst, den guten Ruf und damit auch die Spenden zu verlieren, von denen sie lebten.

Und damit ist der heikle Punkt erreicht. Hilfsorganisationen gerieren sich gern als selbstlose Helfer in der Not, die Gutes tun und gern darüber sprechen. Dabei folgt natürlich auch deren Handeln den Gesetzen des Marktes. Teils üppige Gehälter und Mieten wollen bezahlt werden, und genügend Konkurrenz untereinander gibt es auch. Skandale wie diese sorgen nun dafür, dass auch Organisationen, die einwandfrei arbeiten, der Argwohn trifft und sie Spenden verlieren. Ihr Tun ist aber zu wichtig, als dass sie das auf sich sitzen lassen sollten. Sie müssen daher die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen brandmarken. In ihrem Interesse und dem der Menschen, denen sie zur Hilfe verpflichtet sind.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte:
lehermayr.christoph@news.at

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