Die erste automatische Vignetten-Kontrolle: Pickerlsünder sind nun komplett chancenlos

Mobil in ganz Österreich möglich, vorerst nur auf A23 Fotografiert werden Taferl und Windschutzscheibe

Die erste automatische Vignetten-Kontrolle: Pickerlsünder sind nun komplett chancenlos

Ab sofort werden Vignettensünder nicht mehr nur mit dem menschlichen Auge erfasst: Die Asfinag installierte das erste Gerät zur Automatischen Vignettenkontrolle (AVK) an der A23 (Südosttangente) vor dem Aspergtunnel. Zehn weitere sollen in den nächsten zwei Jahren folgen. "Wir wollen Stellen kontrollieren, die bisher manuell nicht möglich waren", erklärte Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl. Das Gerät mit zwei Kameras wird mobil in ganz Österreich aufgestellt werden.

Die Vignettenmoral in Österreich sei mit rund 98 Prozent zwar sehr hoch, "von den 1,7 Prozent Mautprellern erwischen wir jetzt aber nur rund 0,35 Prozent", so Schierhackl. Man wolle damit auch die derzeitigen 110 Mautkontrolleure entlasten und kostengünstig kontrollieren, führte der Asfinag-Vorstand die Gründe für das 230.000 Euro teure Gerät aus. Mit der Installation der AVK gehe die Asfinag auch "einen Schritt weiter in Richtung Wirtschaftlichkeit", bekräftigte er. Mit einem erwarteten Plus von 10.000 bis 20.000 Euro an Strafgeldern pro Tag würde sich die Anschaffung des Systems innerhalb eines Jahres amortisieren.

Stadtautobahnen im Visier
Rund 80 Einsätze pro Jahr sind geplant, dabei wird die AVK einen Tag lang nach einem Stichprobenplan an rund 15 bis 20 verschiedenen Einsatzorten in Österreich montiert. In erster Linie werden Ballungsgebiete observiert, wie zum Beispiel die Stadtautobahnen in Wien, Salzburg oder Innsbruck. Für "das Betreten ohne Vignette" werde dem Fahrzeuglenker eine Ersatzmaut von 120 Euro in Rechnung gestellt. Wird diese nicht eingezahlt, ergeht eine Anzeige im zuständigen Amt.

Keine Strafe bei Unschärfe
"Das Aufnahmesystem nimmt ein Überblicksbild mit Kennzeichen sowie ein Detailbild der Windschutzscheibe auf. In einem zweiten Schritt sucht das Aufnahmesystem die Vignetten und prüft, falls vorhanden, die Gültigkeit", erklärte Projektleiter Christian Schotzko. Gespeichert werden nur "verdächtige Fahrzeuge", das intelligente System lösche Fotos von Autos mit gültigen Mautpickerl sofort wieder, fügte Walter Riepler, Geschäftsführer der Maut Service GmbH, hinzu. Die Daten werden aus dem Gerät ausgelesen und mit einer speziellen Software auf dem PC manuell überprüft. "Im Zweifelsfall" entscheide die Asfinag für den Kunden, versicherte Riepler: Wenn das Bild nicht hundertprozentig scharf sei, werde von der Strafe abgesehen.

Auch Ausländer betroffen
Aufgrund eines zwischenstaatlichen Abkommens bekommen nicht nur österreichische, sondern auch deutsche Fahrzeuglenker ohne gültige Vignette eine Strafe zugestellt. Ausländische Vignettensünder werden laut Riepler "punktuell" überprüft: Ein Mautkontrolleur liest die Daten aus dem Gerät aus und informiert gegebenenfalls seine Kollegen, die sich fünf bis zehn Kilometer weiter weg befinden. Diese leiten dann den Vignettensünder aus dem Verkehr ab.

Datenschutz gewährleistet?
Die Bilder - mit einem fälschungssicheren Code geschützt - und Metadaten (Kennzeichen, Datum/Uhrzeit, Anbringung der Vignette) werden drei Jahre lang gespeichert, Grund ist die gesetzliche Einspruchsfrist gegen das Organmandat. Die Daten würden nur gegen richterlichen Beschluss herausgegeben, so Riepler. (APA/red)