David Cameron und das Schwein

Eine neue Biografie des britischen Premiers schlägt in Großbritannien hohe Wellen

Drogen, Dekadenz, bizarre Sex-Rituale: Das neue Buch des Ex-Abgeordneten Michael Ashcroft zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild des britischen Premierministers David Cameron. In den sozialen Medien sorgt eine besonders brisante Behauptung bereits unter dem Hashtag #piggate für Furore.

von Fakten - David Cameron und das Schwein © Bild: imago/ZUMA Press

Grenzenlose Dekadenz und ekelhafte Mutproben: Insbesondere David Camerons Studienzeit in Oxford lässt ihn in einer neuen Biografie wenig sympathisch erscheinen. Die "Daily Mail" hat heute vorab erste Details aus dem unautorisierten Buch des früheren Parlamentariers und Cameron-Vertrauten Michael Ashcroft veröffentlicht. Die Zeitung spricht vom „explosivsten politischen Buch des Jahrzehnts“. Und tatsächlich enthält "Call Me Dave" viele brisante Vorwürfe.

Kokain im Hause Cameron?

Zusammen mit James Fergusson und James Delingpole – der eine heute ein bekannter Schriftsteller, der andere rechtsgerichteter Journalist – hat Cameron zu Studienzeiten regelmäßig Marihuana geraucht, wie Dellingpole im Buch berichtet. Die Drei gaben sich für diese Treffen sogar einen Namen: "The Flam Club". Doch schon zuvor, am Eliteinternat Eton, hat der heutige Premier laut Ashcroft mit der Droge experimentiert. Er wurde erwischt und entging einem Rauswurf nur knapp.

Die Frage, ob Cameron nach seiner Oxford-Zeit auch noch mit „härteren“ Drogen in Kontakt gekommen ist, werde in Politikkreisen heiß debattiert. Ein Bekannter erinnere sich daran, dass Kokain bei einer Dinnerparty im Haus der Camerons sehr offen konsumiert wurde. Zeugen dafür, dass er oder seine Frau die Droge auch selbst genommen hätten, gebe es aber nicht. Die meisten dieser Behauptungen fielen in die Kategorie „Hörensagen“. Es sei aber auffällig, dass der Premierminister sich stets geweigert habe, solche Gerüchte klar zu dementieren. Klargestellt hat er nur, kein Kokain geschnupft zu haben seit er Abgeordneter wurde.

#piggate: Initiationsritus mit totem Schwein

Für die größte Aufregung unter den bisher veröffentlichten Stellen sorgt aber eine andere Episode aus David Camerons Uni-Zeit. In Oxford war er Mitglied der berüchtigten Tischgesellschaft "Piers Gaveston", die sich auf bizarre Rituale und sexuellen Exzess "spezialisiert" habe. Dabei soll er auch an einem abstoßenden Initiationsritus teilgenommen haben. Der heutige Premierminister habe "einen privaten Teil seiner Anatomie" in den Mund eines toten Schweines eingeführt. Ashcrofts Quelle dafür ist ein weiterer heutiger Abgeordneter, der die Behauptung ihm gegenüber mehrfach wiederholt hat und auch angibt, einen Fotobeweis zu haben.

In den sozialen Medien wurde die Geschichte rasch aufgegriffen. Der Hashtag #piggate war auf Twitter bereits kurz nach Veröffentlichung der Vorwürfe auf Platz eins der weltweiten Trends. Über Cameron ergießt sich eine Welle von Spott, Hohn und schmutzigen Witzen. Viele Tweets zeigen etwa die schockierten Reaktionen berühmter Schweine, von Miss Piggy bis zum Ferkel aus "Winnie Pooh". Eine offizielle Reaktion des Premierministers gibt es noch nicht.

Buch erscheint am 12. Oktober

15 Jahre lang saß der Buchautor, Lord Michael Ashcroft, für die Konservativen im britischen Parlament. Der Milliardär spendete der Partei über die Jahre rund acht Millionen Pfund. Doch nachdem ihn Cameron bei der Regierungsbildung 2010 trotz anderslautender Versprechungen überging, wurde er zu einem seiner schärfsten Kritiker. Das Buch sei dennoch keine Racheaktion, betont Ashcroft. Zusammen mit der Journalistin Isabel Oakeshott habe er sorgfältig recherchiert und zahlreiche politische und private Wegbegleiter des Premiers befragt. Viele davon wollten im Buch anonym bleiben.

Erscheinen wird "Call Me Dave" am 12. Oktober. Bis dahin ist wohl auch noch mit weiteren, für Cameron eher unangenehmen Vorab-Enthüllungen zu rechnen.

Kommentare

Jeder hat eine Vergangenheit.
Unser derzeitige Bürgermeister war auch in seiner Jugend
in einer Burschenschaft
und jetzt grenzt er sie aus.
Jeder hat in seiner Jugend seine "Leiche im Keller" gehabt

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