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Bootsfahrt in den Tod

Am Wörthersee starb ein Mann bei einem Bootsunfall. Die genauen Umstände geben Rätsel auf

Wörthersee © Bild: Istockphoto.com/DeepGreen

Eine lustige Herrenrunde am Kärntner Wörthersee. Darunter ein bekannter Medienmanager und seine reichen Freunde. Sie haben Spaß, betrinken sich, dann steigen sie in ein Motorboot. Minuten später ist einer von ihnen tot. Soll hier etwas vertuscht werden?

Es passierte in wenigen Sekunden. Eine Kurve, ein Sturz ins Wasser. Sekunden, die Unglück über mehrere Familien gebracht haben. Sekunden, die sich für die Überlebenden wie ein Albtraum angefühlt haben müssen, aus dem sie nie mehr erwachen werden. Es ist Freitagnachmittag vor Pfingsten. Der Wörthersee färbt sich dunkel. Wolken schieben sich vor die Sonne, die Luft drückt, ein Gewitter kündigt sich an. Im Lakeside, einer schicken Strandbar am Südufer des Sees, isst und trinkt eine lustige Männerrunde. Es ist Alkohol im Spiel. Zu viel Alkohol.

Die ganze Geschichte zum Tod im Wörthersee lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von News (Nr. 24/2017)

Das schreibt News-Chefredakteurin Esther Mitterstieler im Editorial über den Bootsunfall am Wörthersee

Es ist eine Tragödie. Fünf Männer fahren raus mit dem Boot und nur vier kommen lebend zurück. Beste Freunde, die sich einen schönen Bootsausflug am See und ein paar Gläser genehmigen wollten. So schnell kann es manchmal im Leben gehen. Einer der fünf ist Medienmanager, bis vor nicht allzu langer Zeit ein Prominenter. Wir haben in der Redaktion lange diskutiert, wie wir mit der Causa umgehen sollten - zwischen journalistischer Sorgfaltspflicht und rechtlichem Schutz des Betroffenen. Seit der Tod am Wörthersee öffentlich wurde, werden wir Medien praktisch täglich mit Vorwürfen konfrontiert, nicht die Wahrheit zu schreiben, uns vor den Mächtigen im Land zu fürchten, uns vor unserer journalistischen Verantwortung zu drücken.

Die Geschichte geht einem nahe, weil jedem ein schwerer Fehler passieren kann. Und der Gedanke, wie man nach so einem Unglück sein Leben weiterführt, ist beklemmend. Wir haben uns dennoch entschlossen, die Geschichte vom Tod am Wörthersee ausführlich zu erzählen, aber den Namen des Medienmanagers - und des Bootslenkers zum Zeitpunkt des Unglücks - nicht zu nennen. Der Grund: Wir dürfen zu diesem Zeitpunkt den Namen nicht nennen und halten uns an das Gesetz. Das ist für alle gleich - egal, ob prominent oder nicht.

Irritierend ist gleichwohl auch für uns Journalisten, dass wir den Namen eines Managers nicht nennen dürfen, der bis vor wenigen Monaten in der Öffentlichkeit stand und seit Kurzem im Gremium eines Unternehmens ist, das stark von der öffentlichen Hand bestimmt wird. Da darf man sich schon fragen, warum die Steuerzahler nicht wissen dürfen, was ihre Vertreter tun. Dass am Boot am Wörthersee zu viel Alkohol im Spiel war, ist laut Polizeibericht erwiesen. Gerüchte gibt es zuhauf.

Dass "eh alle Bootsfahrer am Wörthersee besoffen herumfahren“, kann kein Argument sein, nicht über den Vorfall zu berichten. So tragisch der Vorfall, so abenteuerlich die Versuche, das tragische Unglück kleinzureden. Wer Boot fährt, muss 0 Promille Alkohol - ausgeschrieben null - im Blut haben. Wer sich nicht daran hält, verstößt gegen das Gesetz.

Es muss auch die Frage erlaubt sein, wann jemand eine Person öffentlichen Interesses ist - und wann nicht. Schließlich sollten Menschen in bestimmten Funktionen Vorbilder sein.

Wir lassen den Namen des Managers weg, weil wir uns an das Gesetz halten. Im selben Atemzug fordern wir aber auch ein Nachdenken über die aktuelle rechtliche Lage. Der Gesetzgeber täte gut daran, journalistische Freiheiten zu stärken, insbesondere wenn es um Skandale und Systemversagen geht. Dadurch müssten wir uns auch dem Vorwurf nicht mehr aussetzen, die ganze Wahrheit zu verschweigen.