Todesfall von

Holocaust-Überlebender
Marko Feingold verstorben

Todesfall - Holocaust-Überlebender
Marko Feingold verstorben © Bild: JOE KLAMAR / AFP

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold, ist im Alter von 106 Jahren verstorben

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und älteste Holocaustüberlebende Österreichs, Marko Feingold, ist gestern, Donnerstag, im Alter von 106 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Angehöriger der Trauerfamilie am Freitag auf Anfrage der APA. Feingold hat fünf Jahre in Konzentrationslagern der Nationalsozialisten überlebt. Zeit seines Lebens war er ein Mahner gegen das Vergessen.

Marko Feingold ist in Salzburg an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Noch im Juni hat er die Integrationsfußball-WM in Salzburg angekickt. Er fand dabei erneut Worte der Toleranz. "Keiner hat dem anderen etwas vorzuwerfen. Die Religionen sind gleich, nur die Feiertage sind verschieden."

»Mir ist die schlechteste Demokratie lieber als die beste Diktatur«

Der Ehrenbürger der Stadt Salzburg hat in unzähligen Veranstaltungen, viele davon in Schulen, aus seinem Leben erzählt: als Warnung davor, was Menschen einander antun können. "Mir ist die schlechteste Demokratie lieber als die beste Diktatur", betonte er mehrfach. Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Besztercebanya/Neusohl (heute Slowakei) geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. 1939 wurde er von der Gestapo verhaftet und 1941 ins KZ Auschwitz deportiert. Er überlebte dann auch die Konzentrationslager Neuengamme, Dachau und Buchenwald, wo er im April 1945 von den US-Amerikanern befreit wurde. Nach 1945 ließ er sich in Salzburg nieder, wo er ein Modegeschäft eröffnete.

Feingold war bereits von 1946 bis 1947 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, seit seiner Pensionierung im Jahr 1979 übte er diese Funktion erneut aus. Am 20. Jänner 2018 wurde er mit dem 17. Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste für seine Verdienste um Toleranz und Dialog ausgezeichnet. Zuletzt war Feingold formell Ehrenpräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Das Amt hat offiziell seine Frau Hanna übernommen, hieß es seitens der Kultusgemeinde am Freitag auf Anfrage der APA.

Reaktionen auf seinen Tod

"Meine Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie, der ich mein tiefstes Mitgefühl aussprechen möchte", erklärte Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich in einer Aussendung tief betroffen zeigte. Feingold habe vier Konzentrationslager überlebt. "Er war als Überlebender des Terrors des NS-Regimes ein wichtiger Zeitzeuge und hat sich dieser Aufgabe noch bis ins hohe Alter mit großem Engagement gestellt." Und: "Für die Aufklärung und das Anliegen 'Niemals wieder' hat er alles gegeben."

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Kultusminister Alexander Schallenberg würdigten Feingolds "unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus". In seinem langen Leben sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, als Zeitzeuge und ältester KZ-Überlebender Österreichs seine Erlebnisse an die nachfolgenden Generation weiterzugeben, erklärten sie in einer gemeinsamen Mitteilung: "Er hat uns unentwegt daran erinnert, dass es unsere historische Verantwortung ist, dass die Gräueltaten des Holocaust niemals vergessen werden und sie sich niemals wiederholen."

»Er war ein Brückenbauer und Vermittler«

Man werde Feingold schmerzlich vermissen, betonte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. "Nicht nur die jüdischen Gemeinden Österreichs, sondern ganz Österreich haben heute einen ganz besonderen Menschen verloren. Einen Lehrer, Aufklärer, Mahner und vor allem einen wunderbaren Menschen und einen Freund." Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands trauerte um "einen der letzten Zeugen des Naziterrors in Österreich und langjähriges Mitglied des DÖW-Kuratoriums".

Auch in Salzburg war die Trauer groß. "Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster persönlicher Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende und die Freude am Leben in den Vordergrund gerückt hat", betonte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Feingold sei eine stadtbekannte, mutige, fantasievolle und sehr beeindruckende Persönlichkeit mit viel Lebensfreude gewesen. "Ein großer, äußerst wichtiger Aufklärer über die Gräuel der Nazizeit ist nicht mehr", so Bürgermeister Harald Preuner. Der KZ-Überlebende und vielfach ausgezeichnete Ehrenbürger der Stadt Salzburg habe "zeitlebens gegen das Vergessen gekämpft."

Feingold wird am 23. September am Jüdischen Friedhof in Salzburg beerdigt.