Sonnenschutz: Das
sollten Sie beachten

Was Sie bei Sonnenschutz beachten müssen, was wirklich gegen Sonnenbrand hilft und ob teure Cremes besser sind als günstige: Wir haben mit Experten gesprochen und räumen mit weitverbreiteten (und falschen) Sonnenmythen auf.

von Frau mit Sonnenhut cremt sich ein © Bild: iStockphoto.com

Ein gebräunter Teint lässt einen zwar frisch und gesund aussehen, allerdings darf man die (Zerstörungs-)Kraft der Sonne nicht unterschätzen. Ultraviolette Strahlen sind für das menschliche Auge zwar unsichtbar, können aber trotzdem erheblichen Schaden anrichten. Denn wer auf Sonnencreme mit ausreichend Lichtschutzfaktor verzichtet, riskiert vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrände und sogar Hautkrebs.

»'Nur wer Sonnenbrände hatte, bekommt Hautkrebs' ist ein Mythos und stimmt so nicht.«

Die Bräunung der Haut ist eigentlich ein Schutzmechanismus. Durch das Eindringen von UVA-Strahlen in die Haut kommt es zu einer kurz anhaltenden Verfärbung, weil das in den tieferen Hautschichten eingelagerte Melanin an die Hautaußenfläche transportiert wird. Durch UVB-Strahlen wird der Farbstoff Melanin vermehrt produziert, die Haut wird braun und verdickt sich. Durch die Bräunung versucht der Körper also, sich gegen die schädlichen UV-Strahlen zu schützen.

LSF, UVA und UVB

Starke UVA-und UVB-Strahlung schädigt die Haut. Mit geeignetem Sonnenschutz kann man dem entgegenwirken. Aber nur, wenn man Mittel mit optimalem LSF kauft: Die Abkürzung LSF steht bei Sonnenschutzprodukten für "Lichtschutzfaktor", häufig auch SPF ("Sun Protection Factor") genannt. Der LSF gibt den Schutz im UVB-und UVA-Lichtbereich an. Als UVB-Filter werden Substanzen bezeichnet, die ultraviolette Strahlen mit einer Wellenlänge von 280 bis 320 Nanometer absorbieren können, erklärt Timothea Kolhanek vom Pharmaunternehmen Galderma. UVA-Filter absorbieren den langwelligen Bereich von 320 bis ca. 400 Nanometer. Deshalb sollte man Sonnencreme mit Schutz im UVB-und UVA-Lichtbereich benutzen, erklärt der Wiener Hautarzt Martin Torzicky.


Der Lichtschutzfaktor ist auf der Verpackung angegeben. Je höher er ist, desto länger kann die Haut der Sonne ausgesetzt sein. Der Faktor LSF 50 zum Beispiel erhöht die Zeit des natürlichen Eigenschutzes der Haut um den Faktor 50 im UVB-Lichtbereich und um den Faktor 16 im UVA-Lichtbereich, erklärt Hautexperte Torzicky. Die Eigenschutzzeit von heller Haut beträgt etwa zehn Minuten und wird durch LSF 50 auf 500 Minuten Schutz im UVB-Bereich und auf 160 Minuten im UVA-Bereich erhöht. Durch Schwitzen und Nässe wird die Wirkungsdauer aber verringert. Deshalb ist regelmäßiges Nachcremen wichtig. Aber Vorsicht: Mehrmaliges Auftragen von Sonnenschutz hält zwar die Schutzwirkung aufrecht, die maximale Zeit, die man in der Sonne bleiben kann, wird dadurch aber nicht verlängert.

Sonnencremes im Test

Hautarzt Martin Torzicky: "Chemische Sonnencremes bauen den Sonnenschutz erst nach einer Einwirkdauer von ca. 30 Minuten auf, mineralische Produkte wirken unmittelbar nach der Anwendung." Produkte auf mineralischer Basis bauen eine physikalische Barriere zwischen Haut und Sonne auf, wodurch die Einwirkung der Sonne reduziert wird. Diese Cremes haben einen weißlichen Film und sind schwieriger aufzutragen. Chemische Cremes errichten einen Schutz auf chemischer Basis und brauchen deshalb länger, um einzuwirken. "Je dünner die Creme, desto schneller wird sie abgetragen. Das ist das Kernproblem des Sonnenschutzes", sagt der plastische Chirurg Carlo Hasenöhrl, zu dessen Spezialgebiet unter anderem die Melanom-und Muttermalbehandlung zählt. "Man muss sich entscheiden: entweder für eine weniger klebrige Creme, die dafür öfter aufgetragen werden muss, oder für fettigeren Sonnenschutz, der seltener verwendet werden muss."

Die aktuelle Konsument-Studie: 14 Sonnenschutzmittel im Test

Dass teure Sonnencremes automatisch einen besseren Schutz haben, stimmt übrigens nicht, wie der jüngste Bericht der Stiftung Warentest zeigt: Die Produkte mit den besten Bewertungen waren fast ausschließlich die günstigsten der Testreihe.

Sonnenschutz und Mythen

Die verschiedenen Bezeichnungen der Sonnenschutzmittel können verwirren. Deshalb warnt Pharmaexpertin Kolhanek vor Missverständnissen, zum Beispiel beim Begriff Sunblocker. "Im Volksmund versteht man darunter Sonnenschutzprodukte, die einen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen versprechen. Handelsüblich sind es aber Produkte mit sehr hohem LSF, die nur geringe Mengen an UV-Strahlen auf die Haut gelangen lassen." Chirurg Hasenöhrl warnt: Auch ein Sunblocker lässt UV-Strahlen durch, wenn man zu lange in der Sonne bleibt.

»Kindersonnencremes sind auf die empfindlichere Kinderhaut abgestimmt und halten meistens besser.«

Beim Sonnenschutz gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Hasenöhrl: "Die Haut merkt sich jeden Sonnenschaden." After-Sun-Pflegeprodukte können zwar eine Entzündung lindern, der Schaden ist aber schon passiert. Und die Folgen machen sich oft erst später bemerkbar: "Im besten Fall in Form von Pigmentflecken, im schlimmsten Fall in Form von Hautkrebs", so Hasenöhrl.

Hautarzt Martin Torzicky präzisiert: Die Annahme, dass man Hautkrebs nur durch Sonnenbrände bekommt, sei zwar weitverbreitet, aber falsch. "Wer zu viel UV-Strahlung ohne Sonnenschutz ausgesetzt war, hat ein erhöhtes Hautkrebsrisiko, auch ohne einen einzigen Sonnenbrand gehabt zu haben." Dass nur ältere Menschen Hautkrebs bekommen, sei ebenfalls ein Mythos, so Torzicky: "Immer mehr Menschen bekommen in jungen Jahren Hautkrebs, insbesondere den aggressiven schwarzen Hautkrebs." Wer seine Haut mit Sonnencremen schützt, kann trotzdem nicht bedenkenlos in der Sonne liegen bleiben, da der Schutz nicht unendlich verlängerbar ist. Durch die Verwendung von Sonnenschutzmitteln wird der natürliche Eigenschutz der Haut einmalig um den entsprechenden Lichtschutzfaktor erhöht - und selbst das kann nur durch regelmäßiges Nachcremen, vor allem nach dem Schwimmen, garantiert werden. "Der beste Schutz ist Schatten", so Chirurg Hasenöhrl. Im Schatten werde man schließlich auch braun.

Kinder optimal schützen

Kinderhaut ist empfindlicher als die der Erwachsenen und verlangt nach besonderem Schutz, so Hautarzt Torzicky. Er rät, nur Cremes zu verwenden, die speziell für Kinder entwickelt wurden. Hasenöhrl verweist darauf, dass Kinder häufig zwischen Wasser und Strand wechseln - eine besondere Herausforderung für das Sonnenmittel. Deshalb haften Kindersonnencremes meistens besser.

"Im Kleinkindalter wird außerdem die Anwendung von ausschließlich mineralischen Sonnencremes empfohlen", ergänzt Martin Torzicky. Zusätzlich sollten Kinder in der Sonne eine Kopfbedeckung tragen. Längere Aufenthalte in der prallen Sonne sollten hier überhaupt vermieden werden: Lieber schattige Liegeplätze wählen und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Hilfe bei Sonnenbrand

"Oberste Prämisse bei Sonnenbrand ist Kühlung", erklärt Torzicky. Kalte Umschläge auf die betroffenen Stellen, kühlende Gels oder rückfettende, entzündungshemmende Salben mit Arnika, Ringelblume und Kamille unterstützen den Heilungsprozess der Haut. "Ein bewährtes Hausmittel sind Umschläge mit in kaltem Wasser oder Kamillentee getränkten Tüchern." Die Umschläge wirken kühlend. Die Tücher müssen vor dem Aufliegen allerdings gut ausgewunden werden, denn zu viel Feuchtigkeit trocknet die Haut noch mehr aus, warnt Hasenöhrl: "Wasser als Kühlung empfehle ich nur zu Beginn." Wenn keine Blasen auftreten, rät der Mediziner zu Topfen-oder Joghurtumschlägen. Ist der Sonnenbrand großflächig und mit starken Schmerzen verbunden, sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auf jeden Fall müssen Sonne und Wärme unbedingt gemieden werden, bis die Haut wieder intakt ist.

Hautuntersuchungen

"In der Regel ist es ausreichend, einmal jährlich zur Haut-und Muttermaluntersuchung zu einem Facharzt für Dermatologie zu gehen", so der Wiener Hautarzt. In manchen Fällen sei es allerdings erforderlich, bestimmte Muttermale auf Veränderungen zu kontrollieren, um Erkrankungen vorzubeugen. Ebenso sei es ratsam, Hautveränderungen sofort untersuchen zu lassen, sobald sie in Erscheinung treten. Der Chirurg Carlo Hasenöhrl rät bei empfindlicher Haut mit vielen Leberflecken zu häufigeren Untersuchungen: "Der behandelnde Hautarzt wird bei der Kontrolle eine Empfehlung aussprechen."

An die sollte man sich als Patient unbedingt halten. Denn einen schönen, strahlenden Teint erwirbt man sich nicht durch oberflächliche Bräune. Sondern durch Gesundheit bis in die untersten Hautschichten.

Die verschiedenen Hauttypen im Überblick

Sonnenschutz-Hauttypen
© News/Merridee Stein


Hauttyp 1
Natürliche Hautfarbe sehr hell, oft Sommersprossen, natürliche Haarfarbe blond bis rötlich, Bräunung keine, Sonnenbrand häufig - max. 20 Min.


Sonnenschutz-Hauttypen
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Hauttyp 2
Natürliche Hautfarbe hell, natürliche Haarfarbe hell bis hellbraun, Bräunung kaum bis langsam, Sonnenbrand häufig - max. 30 Min.

Sonnenschutz-Hauttypen
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Hauttyp 3
Natürliche Hautfarbe leicht gebräunt, natürliche Haarfarbe dunkelblond bis braun, Bräunung langsam, Sonnenbrand manchmal - max. 40 Min.


Sonnenschutz-Hauttypen
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Hauttyp 4
Natürliche Hautfarbe bräunlich, natürliche Haarfarbe dunkelbraun bis schwarz, Bräunung schnell und tief, Sonnenbrand selten - max. 50 Min.

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Hauttyp 5
Natürliche Hautfarbe dunkelbraun, natürliche Haarfarbe dunkelbraun bis schwarz, Bräunung keine, Sonnenbrand sehr selten - max. 90 Min.

Sonnenschutz-Hauttypen
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Hauttyp 6
Natürliche Hautfarbe schwarz, natürliche Haarfarbe schwarz, Bräunung keine, Sonnenbrand nie