Nach Flugzeugabsturz von

Absturz: Weiteres
Opfer aus Österreich

Experte sieht "dramatische Situation"

Nachdem bekannt wurde, dass sich drei Österreicher an Bord der Maschine, die in Äthiopien abgestürzt war, befanden, ist nun von einem vierten Todesopfer aus Österreich die Rede.

Unter den Todesopfern befanden sich nach bisherigen Angaben drei Österreicher. Nun ist von einem vierten Todesopfer aus Österreich die Rede: Dem evangelischen Bischof Michael Bünker zufolge habe sich ein in Villach tätiger Pfarrer an Bord der Maschine befunden. Das sagte der Bischof in einem Interview im Ö1-Morgenjournal.

Ärzte waren 30 und 31 Jahre alt

Die drei bisher offiziell bestätigten österreichischen Todesopfer des Flugzeugabsturzes in Äthiopien von Sonntagfrüh waren Männer im Alter von 30 und 31 Jahren. Entgegen ersten Meldungen stammten nicht alle aus Oberösterreich, so das Außenministerium in Wien. Einer der drei Ärzte kam demnach gebürtig aus Niederösterreich, ein weiterer aus Kärnten.

Ein in Oberösterreich geborener Mediziner war 31 Jahre alt, berichtete Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer. Der 31-Jährige hatte im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz gearbeitet, wie die Pressestelle des Hauses am Sonntagnachmittag bestätigt hatte.

© APA/AFP/Michael Tewelde

Bei einem weiteren Opfer handelte es sich laut Guschelbauer um einen in Niederösterreich geborenen 31-Jährigen, der in Steyr als Arzt gearbeitet hatte. Ein weiterer ums Leben gekommener 30-Jähriger Österreicher war in Kärnten geboren und hatte offenbar in Wien gelebt.

Mediziner wollten in Sansibar arbeiten

Alle drei Mediziner wollten laut Ministerium von Addis Abeba mit einer Zwischenlandung in Nairobi nach Sansibar fliegen, "um dort medizinisch zu arbeiten". Die Angehörigen waren bereits am Sonntag verständigt worden, sie wurden psychologisch betreut.

In Villach tätiger Pfarrer unter Opfern

Ein deutscher Pfarrer, der seit dem Jahr 2000 in der evangelischen Gemeinde in St. Ruprecht bei Villach tätig war, kam ebenfalls bei dem Absturz ums Leben. Der 51-Jährige war im Auftrag des Weltkirchenrates unterwegs zur UNO-Umweltkonferenz in Nairobi, teilte der Evangelische Pressedienst für Österreich (epdÖ) mit. Dort sollte er zur "Wirtschaft des Lebens" und wirtschaftlicher Gerechtigkeit sprechen. Der Geistliche hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Der evangelisch-lutherische Bischof Bünker zeigte sich in der Aussendung "tief betroffen und erschüttert".

Grieche verpasste Unglücksflieger

Ein Grieche hat in letzter Minute den Einstieg in das später abgestürzte äthiopische Flugzeug verpasst. "Ein Freund sagte mir, ich soll es als eine zweite Lebenschance sehen", sagte Antonis Mavropoulos griechischen Medien. Die Rettung verdanke er der verspäteten Ankunft am Flughafen von Addis Abeba und der Tatsache, dass ein Flugbegleiter, der ihn zum Flugzeug führen sollte, zu spät kam.

»Ein Freund sagte mir, ich soll es als eine zweite Lebenschance sehen«

"Ich habe sogar protestiert, weil es eigentlich genug Zeit gab, dass ich den Flug nicht verpasse", sagte Mavropoulos weiter. Als er erfuhr, dass sein ursprünglicher Flug abstürzte, habe es ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte der Grieche ähnliche Aussagen, nachdem er mit einem anderen Flug in Kenia angekommen war. "Ich bin vielleicht nicht zu alt für Rock 'n' Roll, aber sicher zu jung zum Sterben", schrieb er.

Flugschreiber gefunden

Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Toten ist der Flugschreiber der verunglückten Maschine gefunden worden. Das berichtete am Montag Äthiopiens staatlicher Fernsehsender Fana. Ein Vertreter der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies und erklärte, die Blackbox der Maschine vom Typ Boeing 737 Max 8 sei ersten Erkenntnissen zufolge beschädigt. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien.

Flugschreiber enthalten unter anderem Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche, was für Ermittler sehr wichtig ist bei der Klärung der Unfallursache. Die Blackboxes sind so robust gebaut, dass sie normalerweise auch ein Unglück überstehen sollten.

Experte: Vermutlich Software schuld

Für den deutschen Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt könnte die neue Software der Boeing 737 Max 8 an beiden bisherigen Abstürzen schuld gewesen sein. Bei den Unglücken seien Ähnlichkeiten aufgefallen, "die ins Auge stechen". Die Software dürfte kurz nach dem Start ohne sichtbaren Grund eingegriffen und die Nase der Maschine nach unten gedrückt haben, sagte Großbongardt im Ö1-Mittagsjournal.

In den neuen Typus Boeing 737 Max wurde eine zusätzliche Software eingebaut, die dafür sorgt, dass die Flugzeugnase nicht zu hoch genommen wird. Diese dürfte sich eingeschaltet haben, obwohl der Flieger im Steigflug war. Die Piloten hätten "ziemlich verzweifelt versucht", die Nase nach oben zu nehmen. Und als diese wieder nach oben ging, habe die Software wieder eingegriffen und diese runtergedrückt. "Was sie (die Piloten, Anm.) nicht getan haben, was relativ einfach ist, diese Software, dieses System, einfach zu deaktivieren", meinte Großbongardt. "Das ist relativ einfach, das ist mehr oder weniger ein Knopfdruck."

Es sei "unverständlich", warum es den Piloten nicht gelungen sei, das System zu deaktivieren. Die Software sei deshalb nun ein "wichtiger Teil der Unfalluntersuchung".

"Dramatische Situation"

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien gerät der US-Hersteller Boeing unter Druck. Die chinesische Luftfahrtaufsicht CAAC hat den heimischen Fluggesellschaften angeordnet, ihre Maschinen des Boeing-Typs 737 Max vorerst nicht mehr einzusetzen. Auch der österreichische Luftfahrtexperte Kurt Hofmann sieht nach dem neuerlichen Absturz einer fast fabriksneuen Boeing 737 Max 8 in Äthiopien eine "sehr dramatische Situation" für die gesamte Luftfahrtbranche.

© APA/Rainer Waxmann

Nach dem Absturz in Äthiopien, sieht Hoffman eine "sehr dramatische Situation" für die gesamte Luftfahrbranche. Es könnte sein, dass bald eine Diskussion über ein weltweites Flugverbot losgetreten wird, sagte Hofmann am Montag in den Ö3-Nachrichten. "Jede Fluglinie fragt sich: Was ist das Problem?"

Zweiter Absturz innerhalb kurzer Zeit

350 Flugzeuge des Typs seien in Betrieb, aber "über 5.000 wurden bestellt", so Hofmann. Die Situation sei insofern "sehr dramatisch", als es sich "um eine neue Flugzeugtype handelt, eine neue Generation, und ein zweites Flugzeug dieses Typs binnen ein paar Monaten auf nahezu ähnliche Weise abstürzt", sagte Hofmann mit Blick auf das Unglück einer baugleichen Maschine in Indonesien Ende Oktober.

Die Boeing 737 Max ist das aktuellste Modell der weltweit meistgebauten Verkehrsflugzeugfamilie. In Europa setzt etwa Ryanair auf die Maschine, doch ist noch keines der von der Laudamotion-Mutter bestellten 135 Flugzeuge im Einsatz.

Startverbot auch bei Ethiopian Airlines

Nicht nur China, auch Ethiopian Airlines erteilte allen baugleichen Maschinen ein Startverbot. "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen", hieß es in einer Mitteilung am Montag.

Ethiopian Grafik
© APA/Hirsch

Boeing verschiebt Vorstellung des neuen Modells 777x

Ein Boeing-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu Chinas Entscheidung ab. Der Flugzeughersteller kündigte allerdings an, dass er die für Mittwoch in Seattle geplante Feier zur Vorstellung des neuen Modells 777x wegen des Unglücks verschieben werde. Man konzentriere sich nach dem Absturz der Maschine vom Typ 737 Max 8 darauf, die betroffene Fluglinie zu "unterstützen", hieß es zur Erläuterung. Zugleich betonte ein Sprecher, dass es bei der Auslieferung des neuen Großraumflugzeugs keinerlei Verzögerung gebe. Der Ultralangstreckenflieger setzt wie die Unglücksmaschine auf eine Spritspar-Technologie und soll etwa Flüge von Deutschland nach Australien ohne Tankstopps ermöglichen.

Auch Indonesien verhängte Startverbot

Auch Indonesien hat ein Startverbot verhängt. Alle Maschinen vom baugleichen Typ Boeing 737 Max 8, die indonesischen Fluggesellschaften gehören, müssen bis auf Weiteres am Boden bleiben, wie das Verkehrsministerium in Jakarta am Montag mitteilte. Insgesamt gibt es in dem südostasiatischen Land elf dieser Maschinen.

Startverbot in Österreich obliegt EASA

Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien kann Österreich kein Start- und Landeverbot für Maschinen dieses Typs hierzulande erwirken. Die Entscheidung, "ob ein bestimmter Flugzeugtyp in Österreich bzw. in Europa mit einem Start-Verbot ('Grounding') belegt wird, liegt bei der EASA, der Europäischen Agentur für Flugsicherheit", betonte Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) am Montag.

"In Österreich kann einem Flugzeug nur dann den Start verwehrt werden, wenn bei einem Check auf einem österreichischen Flughafen ein gravierender Mangel festgestellt wurde", hieß es in einer Aussendung. Hofer ging davon aus, dass die EASA die Ermittlungen zur Erkundung der Absturzursache der Boeing 737 Max "genau verfolgen wird und daraus die Schlüsse für diesen bestimmten Flugzeugtyp ziehen wird".

Ursache bis dato unbekannt

Bei dem Unglück in Äthiopien kamen alle 157 Menschen an Bord ums Leben. Über die Ursache wurde bisher nichts bekannt. Es ist bereits der zweite Absturz einer Maschine dieses erst seit 2017 ausgelieferten Boeing-Modells 737 Max 8 binnen fünf Monaten. Am 29. Oktober 2018 war ein Jet kurz nach dem Start in Jakarta ins Meer gestürzt. Die Unglücksursache wird noch untersucht.

Die CAAC sprach von einer gewissen Ähnlichkeit der Fälle. So seien beide Maschinen während der Startphase abgestürzt. Der Behörde zufolge haben chinesische Fluggesellschaften 96 Maschinen vom Typ 737 Max in Betrieb.

Ein US-Regierungsvertreter nannte es unklar, auf Basis welcher Informationen die Volksrepublik den Beschluss getroffen habe. Ein ähnliches Vorgehen der US-Behörden sei nicht geplant. Die Sicherheitsbilanz des 737 Max in den USA sei glänzend.

Piloten-Training wurde kritisiert

Nach dem Absturz in Indonesien hatten Luftfahrtexperten kritisiert, Boeing habe die Fluggesellschaften und Piloten nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert. Kritisiert wurde auch das Piloten-Training für das neue Modell.

Allerdings hätte die Lion-Air-Maschine laut einem vorläufigen Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden wegen gravierender technischer Mängel nicht starten dürfen. Die Maschine hatte demnach Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern und den AOA-Sensoren, die Daten zum Auftrieb eines Flugzeugs liefern. Der endgültige Untersuchungsbericht steht noch aus.

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