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Wie umgehen
mit Demenz?

Krankheit - Wie umgehen
mit Demenz? © Bild: apa/dpa/Jens Kalaene

In Österreich gibt es rund 130.000 Betroffene, von denen 80.000 an mittlerer oder schwerer Demenz leiden.

Allein die Diagnose einer Demenz führt zu sozialem Ausschluss. Zu diesem Ergebnis kommt die Volkshilfe Österreich durch eine repräsentative Befragung. Deshalb sei es wichtig, dass die Krankheit in die Öffentlichkeit gerückt wird und die Menschen in Würde weiterleben können. Persönlicher Kontakt zu Betroffenen reduziert zudem Berührungsängste, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Wie umgehen mit Demenz?

"Es ist sehr wichtig, die Selbstständigkeit der Menschen so lange wie möglich zu erhalten", sagte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. Diese Selbstständigkeit beginne bereits in der eigenen Wohnung, denn niemand dürfe allein durch die Diagnose aus dem Leben gerissen werden. In Österreich gibt es rund 130.000 Betroffene, von denen 80.000 an mittlerer oder schwerer Demenz leiden. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Gesamtzahl mehr als verdoppeln. Aus diesem Grund möchte die Volkshilfe auf die Krankheit aufmerksam machen und die Angst im Umgang mit betroffenen Personen nehmen.

Wie geht die Gesellschaft mit Demenzkranken um?

Fast drei von vier Befragten (74 Prozent) gaben an, dass Demenz-Erkrankte und ihre Angehörigen bereits durch die Diagnose vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Rund die Hälfte (48 Prozent) würde die Diagnose so lange wie möglich geheim halten. Zwei Drittel sind der Meinung, dass im öffentlichen Raum auf Betroffene wenig Rücksicht genommen wird. "Es besteht also ein großes Wissen, dass für demenziell Erkrankte wenig in Österreich getan wird", sagte Fenninger. Seiner Meinung nach sollen auch Personen mit Demenz aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Würdevolles Leben

Betroffene und auch deren Angehörige haben lauf Fenninger das Recht auf ein würdevolles Leben. Doch ist es nicht einfach, mit der Erkrankung umzugehen. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) gab an, dass ihnen die Pflege und Betreuung eines Demenz-Patienten Angst machen würde. Allein das Begegnen eines Betroffenen ist rund einem Viertel (26 Prozent) sehr oder ziemlich unangenehm. Bei Personen, die Erkrankte bereits kennen, gehen die Berührungsängste zurück. Hier gab nur jeder Fünfte (21 Prozent) an, Angst vor persönlichem Kontakt zu haben.

Damit erkrankte Personen ihr Leben so lange wie möglich selbstständig weiterführen können, braucht es laut Fenninger mehr Zeit für die Betreuung. Fenninger empfahl, die Personen nach der Diagnose nicht aus ihrem Umfeld zu reißen und ihnen weiter eine mitbestimmende Rolle in der Familie zu geben.

Individuelle Pflegeangebote für Betroffene

Auf die individuellen Bedürfnisse von Demenz-Patienten muss bei ihrer Pflege eingegangen werden. Jeder Mensch ist unterschiedlich und benötigt eine andere Unterstützung, um den Alltag bestmöglich zu meistern. Ein erfolgreiches Projekt der Diakonie ist eine Wohngemeinschaft für ältere Demenz-Erkrankte im Burgenland, hieß es am Montag in einer Aussendung.

»Die Angebote müssen so vielfältig sein wie die Menschen selbst«

"Jeder Mensch ist einmalig. Auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen, ist gerade bei Menschen, die mit Demenz leben, entscheidend", sagte Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, anlässlich des Weltalzheimertages am kommenden Freitag. "Für den einen ist das Altersheim passend, für die andere ein mobiler Dienst, ein Tageszentrum, eine betreute Senioren-Wohngemeinschaft oder stundenweise Betreuung. Die Angebote müssen so vielfältig sein wie die Menschen selbst", sagte sie.

130.000 Demenz-Kranke in Österreich

Rund 130.000 Personen sind in Österreich an Demenz erkrankt. Viele Angehörige führen laut Diakonie die Betreuung der Betroffenen ohne professionelle Hilfe durch. Hier brauche es Unterstützung. "Auf der einen Seite müssen mobile Dienste und Tageszentren ausgebaut werden, damit Menschen, die zu Hause leben möchten, auch gut zu Hause leben können. Auf der anderen Seite sind neue Wohn- und Betreuungsformen gefragt, wie wir sie in der Diakonie entwickeln", sagte Moser.

Ein Projekt der Diakonie ist die "Seniorenwohngemeinschaft Plus" in Oberwart. Dort leben seit einem Jahr ältere Menschen mit Demenz in betreuten Wohngemeinschaften, auch um die Angehörigen zu entlasten. Ebenso wichtig seien Tageszentren. Dort können sich Demenz-Erkrankte "kreativ betätigen, Bewegung machen, über alte Zeiten reden, Gemeinschaft erleben und sind am Abend rechtschaffen müde. Das hilft auch gegen Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus", sagte Moser. Für viele Betroffenen seien solche Einrichtungen aber nicht verfügbar oder leistbar.

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