Gleichberechtigung von

Heute kommt der Nikolaus …
oder die Nikolausin!

Der Nikolaus muss schon lange keinen weißen Rauschebart mehr haben

Gleichberechtigung - Heute kommt der Nikolaus …
oder die Nikolausin! © Bild: Shutterstock

Immer mehr Nikolaus-Darsteller sind heutzutage weiblich. Kinder haben damit selten ein Problem, meistens sind es die Eltern, die am Bild vom alten Mann mit Rauschebart festhalten.

Allen Gerüchten zum Trotz wird auch dieses Jahr am 6. Dezember der Nikolaus Kinder mit Äpfeln, Nüssen oder Süßigkeiten beschenken. Das traditionelle Fest bleibt erhalten und das "Nikoloverbot" eine Legende - die Hauptfigur hat sich jedoch verändert. Zu den älteren Herren mit Rauschebart und dunkler Stimme gesellen sich jetzt bartlose Nikolaus-Kollegen und auch einige Kolleginnen.

Der heilige Nikolaus kam aus der Türkei

Lisi Weihs ist ehrenamtlich bei der katholischen Jungschar und war viele Jahre als Nikolaus-Darstellerin tätig. Wichtig ist hier das Wort „Darstellerin“: „Ich bin schließlich nicht der echte Nikolaus und das erkläre ich den Kindern auch“, so Weihs. Die historische Figur, auf der unser Fest heute beruht, ist der Heilige Nikolaus von Myra. Der Bischof lebte im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei. Er stammte aus einer reichen Familie und soll sein geerbtes Vermögen an die Armen verteilt haben. Wie genau der beliebte Volksheilige aussah, weiß man nicht. Traditionell wird er mit einem Bischofsgewandt und –kopfbedeckung sowie einem Krummstab dargestellt. Der Bart kam erst in späteren Erzählungen dazu. „Der heilige Nikolaus war noch sehr jung, es ist also eher unwahrscheinlich, dass er einen Rauschebart hatte“, so Weihs.

»Der heilige Nikolaus war noch sehr jung, es ist also eher unwahrscheinlich, dass er einen Rauschebart hatte«

Bart kann - muss aber nicht

Der Bart des Nikolaus wird immer wieder zum medial aufgebauschten Streitthema. Die Jungschar überlässt es den Eltern und Nikolaus-Darstellern, ob der Nikolaus mit Bart auftritt. Manchen Kindern kann ein Bart Angst machen, da die Mimik kaum zu erkennen ist, erklärt Weihs. “Wenn ein Mann aber sowieso einen Bart hat, dann muss er den natürlich nicht abrasieren“. Der Besuch des Nikolaus soll grundsätzlich eine positive Erfahrung sein und deshalb kommt kein Darsteller oder keine Darstellerin mit einem „Sündenregister“ oder mit dem Krampus, der unartige Kinder bestraft. „Das hat in der Kinderpädagogik nichts zu suchen“, betont die Ehrenamtliche. Der heilige Nikolaus soll ein Vorbild sein und nicht bestrafen.

Nani Gottschamel von der Jungschar Wien.
© Jungschar Wien Im Bild ist Nani Gottschamel von der Jungschar Wien in traditioneller Bekleidung der Nikolaus-Darsteller.

Das Geschlecht ist nicht entscheidend

Bei den Schulungen der Jungschar für Nikoläuse und Nikolausinnen sind heute beinahe genauso viele Frauen wie Männer. Weibliche Nikoläuse gibt es aber schon länger, „nur haben die es nicht in die breite Öffentlichkeit geschafft“. Heute sieht dies anders aus. Trotzdem „Es ist schon noch das Bild der Eltern, dass ein männlicher Nikolaus kommt“, erzählt Weihs, „Kinder verstehen das meist besser als Erwachsene“. Sie fragen zwar auch ab und an nach, wenn eine Nikolausin vor ihnen steht, aber eigentlich sei es ihnen meist egal.

»Kinder verstehen das meist besser als Erwachsene«

Wer den Nikolaus darstellt ist nicht entscheidend, wichtig ist Kindern näher zu bringen wer, sich hinter der Legende verbirgt und das der Nikolaus mehr ist als eine Süßigkeit im Supermarkt. „Der heilige Nikolaus hat Menschen eine frohe Botschaft überbracht und ihnen geholfen“, so Weihs, „es ist wichtig Kindern diese Legende näher zu bringen und im Idealfall fragen sie sich dann: was können wir tun, um zu helfen?“.