Gastro-Rauchverbot von

"Wollen nicht die
Trottel vom Dienst sein"

Warum Wirte freiwillig auf Nichtraucherlokale umstellen

Gastro-Rauchverbot - "Wollen nicht die
Trottel vom Dienst sein" © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ist in Europa mittlerweile Standard. Nicht so in Österreich. Die Regierung will das ab 1. Mai kommende totale Rauchverbot in der Gastronomie kippen. Bürger und Ärztegesellschaften unterstützen hingegen vehement das "Don't Smoke" Volksbegehren, das inzwischen die 200.000-Marke geknackt hat. Zwischen den Fronten stehen Österreichs Gastronomen. Warum Salzburgs Wirte auch ohne Gesetz freiwillig rauchfrei sind, erzählen sie im Gespräch mit News.

„Das ewige Hin und Her muss aufhören. Wir wollen nicht die Trottel vom Dienst sein“, sagt Familie Schmeisser vom Gasthof Kirchenwirt in Strobl. Der Familienbetrieb besteht seit 1802 und wird in dritter Generation geführt – inzwischen freiwillig rauchfrei. Also fast. Die geforderten Umbauten waren bautechnisch nicht möglich, darum sei man einfach zum Nichtraucherlokal geworden.

»Das Thema 'Rauchen' ist nur das i-Tüpfelchen«

„Die ganze Debatte ist uns egal, wir wollen einfach nicht, dass man uns vorschreibt was wir im eigenen Haus bauen dürfen und was nicht“, so die Familie. Das Thema „Rauchen“ sei nur das i-Tüpfelchen. Ein Großteil der Kollegen habe Summen im vierstelligen Bereich in die Umbauten investiert. Es sei nicht gerechtfertigt, dass durch das generelle Rauchverbot alles hinfällig ist.

© APA/Georg Hochmuth

Der Kirchenwirt ist einer von inzwischen mehr als 100 Gastronomiebetriebe im ganzen Land Salzburg, der sich der Initiative “Salzburg freiwillig rauchfrei” von Gesundheitsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP) angeschlossen hat. Ziel der Initiative, die seit Anfang 2018 läuft, ist es, dass die Salzburger Gastronomiebetriebe ihren Gästen auf freiwilliger Basis ein Nichtraucherlokal anbieten. Und somit einen wertvollen Beitrag leisten, die Gesundheit ihrer Gäste zu schützen. Den Gastronomen geht es aber um viel mehr.

»Was der Gesetzgeber mit der gesamten Branche aufführt gleicht einem Kasperltheater«

„Ich ärger mich über das ganze Wischi-Waschi der Regierung. Was der Gesetzgeber mit der gesamten Branche aufführt gleicht einem Kasperltheater. Ich hätte mich wirklich gefreut, dass das Gesetz zum kompletten Rauchverbot in der Gastronomie endlich kommt“, sagt Wolfgang Glavan, der seit 1995 Geschäftsführer des Bierheurigen in der Gaisbergstrasse in Salzburg ist.

»Ich müsste rund um die Uhr da sein und Polizist spielen«

Weil er nur Mieter der Immobilie ist, war es mit dem Umbau schwierig. Immer wieder gab es anonyme Anzeigen, weil zwischen Raucher und Nichtraucherraum kurz eine Türe offen blieb. „Das kostet jedes Mal 400 €, die ich aus privater Tasche zahlen muss“, erklärt Glavan. Auch den Jugendschutz im Lokal ordnungsgemäß umzusetzen sei eine Herausforderung. “Ich müsste rund um die Uhr da sein und Polizist spielen, “sagt er.

So reagieren die Stammgäste

Aus diesen Gründen hat er seinen Betrieb seit Anfang Februar freiwillig auf rauchfrei umgestellt. Ob die Stammgäste ausbleiben? „Ja, die rauchen jetzt im Nachbarbeisl“, sagt er. Ob tatsächlich Umsatzeinbußen die Folge sind, sei abzuwarten. Ein generelles Rauchverbot wäre für Glavan jedenfalls die Lösung für diese Wettbewerbsverzerrung. “Ich weiß, dass das Rauchverbot in der Gastronomie funktionieren wird“, sagt er. Sogar auf Skihütten in Saalbach würden die Touristen vor die Tür gehen um zu rauchen. Das sei für die internationalen Gäste einfach normal.

» Bei unseren Hotelgästen funktioniert das Rauchverbot tadellos«


Diese Aussage bekräftigt auch Herta Reiter vom Neubergerhof & Hotel in Filzmoos. „Bei unseren Hotelgästen funktioniert das Rauchverbot tadellos. Die wollen gar nicht mehr im Hotel rauchen“, berichtet sie. Nach einem größeren Umbau im Jahr 2009 wurde das Hotel noch mit Raucherbereich an der Bar geführt. Allerdings nur ein halbes Jahr, danach wurde komplett auf Nichtraucher umgestellt – auch wegen des gesundheitlichen Aspekts.

Keine einheitliche Richtlinie

Die Resonanz der Gäste war durchwegs positiv. „Man muss aber fairerweise sagen, dass wir ein reines Familienhotel sind. Für kleinere Lokale wäre die Umsetzung sicher schwieriger.“ Persönlich wünsche sie sich dennoch ein einheitliches Rauchverbot in der Gastronomie. „Das hin und her schwenken der Regierung verstehe ich nicht. Alle die umgebaut haben fühlen sich auf den Arm genommen.“

»Uns sind die Raucher ausgegangen«

Klare Richtlinien wünscht sich auch Ernst Pühringer, Besitzer des Hotel & Gasthof Hölle. Auch er hat schon viel Geld in Umbauten investiert. Seinen Betrieb in Salzburg führt er inzwischen rauchfrei. „Wir sind schon die letzten Jahre auf Sparflamme gefahren, was das Rauchen betrifft. Bei Reservierungen wurde der Wunsch nach Nichtraucher-Plätzen immer größer. Uns sind die Raucher ausgegangen“, beschreibt er seine Beweggründe.

Selbst seinen Raucher-Stammtisch konnte er vom neuen Konzept überzeugen. Damit schütze er sich gleichzeitig vor Überraschungen in der Politik. „Ich weiß nicht, wie die neue Regierungsvorlage aussehen wird. Das hin und her ist schwierig. Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen – so wie viele andere. In der Stadt Salzburg will niemand mehr Raucherlokale.“

Auch andere Regionen ziehen nach

Auch in anderen Teilen des Landes gibt es ein ähnliches Bewusstsein. So werden fast alle Heurigenlokale in Traiskirchen (Bezirk Baden) ab 1. März 2018 rauchfrei. Umliegende Gemeinden, darunter Guntramsdorf (Bezirk Mödling), hätten bereits Interesse bekundet, ebenfalls auf rauchfreie Heurigenbetriebe zu setzen.

In Eisenstadt will man den blauen Dunst ebenfalls aus den Lokalen vertreiben. Unter dem Motto "Freiwillig rauchfrei in Eisenstadt" sollen die Gastronomiebetriebe dazu bewegt werden, freiwillig auf rauchfrei umzustellen, berichtete Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP). 17 Nichtraucherlokale unterstützen die Aktion vom Start weg.

News setzt sich seit Monaten mit Themenschwerpunkten für das absolute Rauchverbot in der Gastronomie ein. In einer gemeinsamen Erklärung fordern nun alle Chefredakteurinnen und Chefredakteure der Verlagsgruppe News die Bundesregierung dazu auf, dieses Rauchverbot auch durchzusetzen. Lesen Sie die Erklärung hier.