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Hilfe, Hitzschlag!

Niederösterreichs Fichtenwäldern geht es nicht gut. Warum es Grund zur Hoffnung gibt.

Fichtenwälder Niederösterreich © Bild: Georges Desrues

Hilfe, die Fichte stirbt! Niederösterreichs Fichtenwälder halten das warme Klima nicht mehr aus. Experten sehen darin allerdings sogar einen Grund zur Hoffnung.

Lautes Knattern von Hubschraubern stört dieser Tage ab dem frühen Morgen die Sommerfrische der Wanderer, Festspielgäste und Ferienhausbesitzer im Rax-Gebiet. In anderen Gebirgsregionen der Ostalpen ist es ähnlich. "Eigentlich wollten wir im Juli fertig werden, doch die vielen Tage mit Schlechtwetter oder starkem Wind haben die Arbeiten verzögert", erzählt Bernhard Mang. Dabei ist der Leiter der Forstverwaltung Hirschwang alles andere als unglücklich über das Schlechtwetter in diesem Jahr. Nötig wurde der massive Hubschraubereinsatz erst durch den extrem heißen und trockenen Sommer des Vorjahrs, auf den auch noch ein milder und gleichfalls trockener Winter folgte. Trockenheit und hohe Temperaturen sind jene Bedingungen, unter denen sich der gefürchtete Borkenkäfer geradezu explosionsartig ausbreiten kann. Und zwar eine Art von Borkenkäfer, die in erster Linie Fichten befällt.

Fichtenwälder Niederösterreich
© Georges Desrues In trockenen und heißen Sommern vermehren sich Borkenkäfer schnell.

Den wildromantischen Ausblick auf schroffe Felsen und satte Almen, die von dunklem Tann eingerahmt sind, wird es in Reichenau und Umgebung in dieser Form schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr geben. "Aus vielen tieferen Lagen und in wärmeren Gebieten im Osten wie dem Wienerwald oder dem Burgenland wird die Fichte in naher Zukunft gänzlich verschwinden", sagt Alexandra Wieshaider, Leiterin des Biosphärenpark-Teams Wienerwald bei den Österreichischen Bundesforsten.

Auch Förster Mang ist überzeugt, dass zahlreiche heimische Wälder in den kommenden Jahrzehnten kaum noch wiederzuerkennen sein werden - der Klimawandel setzt ihnen auf eine Weise zu, die das Ende der Fichte als wichtigstem lokalen Baum als unvermeidlich erscheinen lässt. Selbst im Waldviertel, das noch vor wenigen Jahren für besonders kühles Klima gefürchtet war, wütet längst der Borkenkäfer.

Lärchen statt Fichten

"Eine gesunde Fichte kann sich leicht zur Wehr setzen, doch das durch die Wetterbedingungen sehr trockene Holz der Bäume macht es dem Käfer viel leichter", erklärt Mang. Deswegen durchforstet die Verwaltung die Fichtenwälder an der Rax und entfernt Bäume, um die Ausbreitung des Schädlings zu hemmen. "Eine weitere Methode besteht darin, die Rinde vom Baum zu lösen, denn der Käfer nistet zwischen Stamm und Rinde. Nur wären solche Arbeiten im steilen Gelände viel zu gefährlich, da muss dann der Hubschrauber rauf", sagt der Forstverwalter. Der Angriff auf die Fichte erfolgt aus zwei Stoßrichtungen: Abgesehen vom Borkenkäfer leidet die Baumart auch darunter, dass sie ein sogenannter Flachwurzler ist und bei den immer häufiger vorkommenden Wetterextremen wie Sturm und Hochwasser leicht entwurzelt. Doch der Nadelbaum ist bis heute die mit Abstand häufigste Baumart des Landes. Knapp über 50 Prozent aller Bäume in Österreich sind Fichten. "Als Holzlieferant ist die Fichte nahezu konkurrenzlos", sagt Wieshaider, "sie wächst schnell, hat einen langen und geraden Stamm und ist deswegen leicht zu verarbeiten." Darum galt sie lange Zeit als "Brotbaum" der Forstwirtschaft und wurde über die letzten 130 Jahre massiv ausgepflanzt.

Fichtenwälder Niederösterreich
© Georges Desrues Borkenkäfer nisten zwischen Rinde und Stamm und richten massive Schäden an.

Damit ist es nun vorbei. Mit Fichten wird so gut wie gar nicht mehr aufgeforstet. Stattdessen pflanzen Forstverwaltungen vermehrt andere Nadelbäume wie Lärchen oder Douglasien und auch Laubbäume wie die Eiche oder Buche aus. Etwa ein Drittel der rund drei Millionen Jungbäume, die die Bundesforste jährlich auspflanzen, sind heute bereits Lärchen. Sie werden mit den Klimaverhältnissen, die in 50 bis 100 Jahren herrschen werden, besser zurechtkommen.

Die Buche indessen könnte durch die steigenden Temperaturen sogar profitieren, weil sie dank der längeren Vegetationszeit mehr Holz geben kann, was sie auch wirtschaftlich interessanter macht. Ihr Holz ist, wie auch das der anderen erwähnten Arten, von besserer Qualität als jenes der Fichte. Die Kehrseite zeige sich jedoch darin, dass sie allesamt länger brauchen, um zu wachsen, und in vielen Fällen nicht so einfach zu verarbeiten sind. So gibt etwa die Lärche ein verhältnismäßig schwereres Holz, was sie zum Beispiel bei Zimmerleuten und beim Dachstuhlbau weniger beliebt macht als die leichtere Fichte. Ein weiterer Nachteil der Lärche ist, dass sie im Winter ihre Nadeln abwirft, was bei großflächiger Auspflanzung eine beträchtliche Veränderung des Landschaftsbildes zur Folge hätte.

Ende der Monokultur

Alles in allem hat die Veränderung aber auch ihre guten Seiten, wenn auch über Umwege. Die Zeiten allzu einheitlicher Waldbestände und Fichten-Monokulturen ist bald vorbei. "Durch einen stärker mit verschiedenen Sorten durchgemischten Wald sichert man sich in der Forstwirtschaft besser ab gegen Situationen wie die derzeitige", erklärt Alexandra Wieshaider. "Das Nebeneinander verschiedener Baumarten ist gegenüber Schädlingen am wenigsten anfällig und entspricht auch dem natürlichen Wald, der einst Österreich bedeckte." Gerade im Rax-Gebiet wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Bäume dieses ursprünglichen Waldes in großem Stil für die Brennholzgewinnung abgeholzt. Aufgeforstet hat man dann mit der wirtschaftlich so ertragreichen Fichte.

»Aus tieferen Lagen und in wärmeren Gebieten im Osten wird die Fichte bald verschwinden.«

Bis zu 2000 dieser Bäume plant nun die Gemeinde Wien, zu der die Hirschwanger Forstverwaltung gehört, noch in diesem Sommer aus den Wäldern im Rax-Gebiet zu entnehmen. Aufgeforstet soll im Unterschied zu den Bundesforsten allerdings nicht werden. "Unsere vorrangige Aufgabe ist nicht die Forstwirtschaft, sondern der Quellschutz, also die Qualitätserhaltung des Trinkwassers im Gebiet der Wiener Hochquellwasserleitung", sagt Forstverwalter Mang. Und um diese Qualität sicherzustellen, sei ein durchgemischterer Wald gleichfalls von Vorteil.

Fichtenwälder Niederösterreich
© Georges Desrues Bernhard Mang, Leiter der Forstverwaltung Hirschwang

Für die Qualität und die Verfügbarkeit des Trinkwassers kommt den Böden eine bedeutende Rolle zu, indem sie das Wasser aufnehmen, filtern und speichern. Je poröser und zerklüfteter der Boden, desto mehr Wasser kann er aufnehmen und von einem erosionsfördernden Abfluss an der Oberfläche abhalten. Neben der Wurzeltätigkeit der Bäume ist auch die Humusschicht an der Oberfläche ein entscheidender Faktor. Sie setzt sich in einem Mischwald mit Bäumen, die ihre Nadeln oder ihr Laub verlieren, naturgemäß reichhaltiger zusammen als in einem immergrünen Fichtenwald und erlaubt somit ein schnelleres und tiefer reichendes Einsickern des Wassers.

Zum Handeln gezwungen

Insofern könnte man es fast als glückliche Fügung bezeichnen, dass der vorige Sommer so heiß, der Winter so mild -und beide so trocken waren. Immerhin hat die Situation dazu geführt, dass das Problem der monotonen, aus ökologischer Sicht längst fragwürdigen Fichtenwaldbestände auf breiter Front angesprochen und in Angriff genommen werden kann. "Aber das haben wir doch schon längst", sagt der Forstverwalter, "wobei, es stimmt schon, dass wir durch den Borkenkäfer zu schnellerem Handeln gezwungen waren und ein Prozess, der unter anderen Umständen vielleicht mehrere Jahre gebraucht hätte, um einiges beschleunigt wurde."

Man wird sich also damit abfinden müssen, dass der heimische Wald in einigen Jahrzehnten entscheidend anders dastehen wird als heute. Dafür stehen die Chancen gut, dass sein Erscheinungsbild dann ein viel ursprünglicheres sein wird als jenes, das wir bisher als typisch für unsere Wälder gekannt haben.

Kommentare

Henry Knuddi

ja die forstwirtschaft hat einige zeit verschlafen
jetzt brennt der hut
ökogisch machen sie es jetzt, so wie es früher ganz natürlich war

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