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Das machen wir mit links

Am 13. August ist Tag der Linkshänder. 10 % dürfen sich an diesem Tag feiern lassen

Linkshänder © Bild: istockphoto.com/Maica

Tag der Linkshänder Mit welcher Hand wir schreiben, beeinflusst, wie wir die Welt sehen. Mit welcher Hand wir gestikulieren, verrät, ob wir gut oder schlecht über Dinge denken.

Sie haben sich für einen Job beworben, und auf dem Schreibtisch des Chefs sind Ihre Unterlagen auf dem linken Stapel gelandet statt auf dem rechten? Dann haben Sie womöglich Pech gehabt. Zumindest wenn der Chef Rechtshänder ist. Denn mit welcher Hand wir geschickter sind, beeinflusst unsere Entscheidungen. Herausgefunden hat das Daniel Casasanto, Professor für Psychologie an der Universität Chicago. Er führte mit Probanden, unter ihnen Rechts-und Linkshänder, Tests zum Thema Händigkeit durch. Unter anderem mussten sie Personal für offene Stellen einer fiktiven Firma auswählen. Für jede Position kamen je zwei Bewerber mit gleicher Qualifikation infrage. Eine Reihe Kandidaten war auf der linken Seite des Fragebogens aufgelistet, die andere auf der rechten Seite. Das Ergebnis:

Rechtshänder entschieden sich signifikant häufiger für die rechts gereihten Bewerber, Linkshänder für die links gereihten.

Das gleiche Resultat erzielte Casasanto, als er Versuchspersonen Fantasiefiguren bewerten ließ (siehe Test rechts). Eine Reihe stand links, eine rechts. Nun wurde ein Teil der Probanden gefragt: "Welche dieser Figuren sieht intelligenter/glücklicher/ehrlicher/attraktiver aus?", der andere Teil: "Welche dieser Figuren sieht weniger intelligent/weniger glücklich/weniger ehrlich/weniger attraktiv aus?" Dies sollte sicherstellen, dass die Probanden nicht einfach jene Figuren ankreuzten, die für sie am Zettel bequemer zu erreichen waren. Auch in diesem Fall bewerteten die Rechtshänder die rechten Figuren positiver, die Linkshänder die linken. Den Grund dafür sieht Casasanto in der Asymmetrie unseres Körpers: Weil wir mit einer Hand geschickter sind, können wir mit dieser Hälfte unseres Körpers auch besser mit der Welt interagieren. Darum verbinden wir unbewusst mit dieser Seite auch positivere Eigenschaften.

Entscheidungen von Händigkeit beeinflusst?

Die Auswirkungen dieser Vorliebe auf den Alltag können dem Wissenschaftler zufolge vielfältig sein. "Denken Sie nur daran, wie oft wir rasche Entscheidungen treffen müssen, zum Beispiel zwischen den Gerichten auf der Speisekarte in einem Restaurant oder zwischen beinahe identen Alternativen wie den Produkten in einem Supermarktregal", sagt Casasanto. "Oft sind diese Auswahlmöglichkeiten von links nach rechts angeordnet. Sind die Entscheidungen, die wir treffen, von unserer Händigkeit beeinflusst? Also wenn ich ein Restaurant hätte, wüsste ich, auf welche Seite der Speisekarte ich den Hummer schreiben würde."


Die Zeiten, in denen Linkshänder als seltsam galten, sind zum Glück vorbei.

Benachteiligung der Linkshänder

Benachteiligt sind sie aber heute noch im Alltag. Darauf möchte der Internationale Linkshändertag am 13. August aufmerksam machen. Viele Alltagsgegenstände wie Schreibblöcke, Computermäuse, Scheren, Dosenöffner oder Gangschaltungen von Autos sind auf die Bedürfnisse von Rechtshändern ausgerichtet, die 90 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Bis in die Achtzigerjahre war es sogar üblich, linkshändige Kinder unter Zwang zu Rechtshändern umzuerziehen. Lernschwierigkeiten waren oft die Folge. Denn bei Rechtshändern ist die linke Gehirnhälfte für die Schreibhand zuständig, bei Linkshändern die rechte. Bei der Umerziehung gerieten die Gehirnhälften der Betroffenen in Konflikt.

Wie man Rechts- oder Linkshänder wird

Warum jemand Links-oder Rechtshänder ist, konnte von der Wissenschaft noch nicht eindeutig geklärt werden. Die Vorliebe für eine Hand entsteht schon vor der Geburt. Ultraschalluntersuchungen zeigten, dass Babys, die am rechten Daumen lutschen, später mit großer Wahrscheinlichkeit Rechtshänder werden. Spätere Linkshänder nuckeln am linken Daumen.

Was die Händigkeit über uns verrät

Unsere Hände können auch mehr über uns verraten, als wir aussprechen. Das fanden Daniel Casasanto und sein Koautor Kyle Jasmin heraus, als sie die Debatten während der Kampagnen zu den US-Präsidentschaftswahlen 2004 und 2008 analysierten. 2004 standen einander die beiden Rechtshänder John Kerry und George W. Bush gegenüber, vier Jahre später die beiden Linkshänder Barack Obama und John McCain. Über 1.700 spontane Gesten beobachteten die Forscher. Es zeigte sich, dass Rechtshänder verstärkt mit der rechten Hand gestikulieren, wenn sie über positive Dinge sprechen, und mit der linken, wenn sie sich zu negativen Themen äußern. Bei Linkshändern ist es umgekehrt. Der Republikaner McCain gestikulierte mit links, als er von seiner Parteikollegin Sarah Palin schwärmte, Obama bewegte vor allem die linke Hand, wenn er von einer Krankenversicherung für alle Bürger sprach - Themen, die für die beiden linkshändigen Politiker jeweils positiv besetzt waren.

Wer also verräterische Hinweise auf die unausgesprochenen Ansichten seines Gesprächspartners haben möchte, der sollte auf seine Hände schauen. Man muss allerdings wissen, ob ein Links- oder ein Rechtshänder vor einem steht.

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