Mini-Hanteln & Co: Fitness-Studios für Brit-Kinder sollen Lust auf Bewegung machen

Sportmediziner skeptisch: Gelenkschäden drohen Teamsport und Aktivitäten mit Eltern empfehlenswert

Mini-Hanteln & Co: Fitness-Studios für Brit-Kinder sollen Lust auf Bewegung machen

Die kleinen Hanteln in einem renommierten Londoner Fitness-Studio sehen aus wie Spielzeug. Daneben stehen die Mini-Version einer Rudermaschine und ein Laufband, das irgendwie zu klein geraten scheint. An den Sportgeräten in diesem Studio trimmen sich übergewichtige Kinder, die jüngsten sind gerade einmal fünf Jahre alt. Insgesamt gibt es in Großbritannien nach einem Bericht des "Daily Telegraph" etwa 100 solche Junioren-Studios, die dicken Kindern beim Abnehmen helfen sollen, 50 weitere seien geplant.

Nirgendwo in Europa gibt es so viele übergewichtige Kinder wie in Großbritannien. Nach einer Studie der International Obesity Taskforce vom vergangenen April bringen rund zwei Millionen britische Kinder im Alter von fünf bis neunzehn Jahren zu viele Kilo auf die Waage, 700.000 weitere leiden an krankhaftem Übergewicht. Damit führen die Briten im europäischen Vergleich eine traurige Statistik an, heißt es auf der Internetseite von Medical News Today. Fehlernährung und mangelnde Bewegung sind die Hauptursachen, und so liegen die Studios für Kinder voll im Trend.

Coole Atmosphäre
Bei den Kindern und Jugendlichen gelten die Fitness-Einrichtungen als cool. Die chromfarbenen Geräte sind beeindruckend, auf den Fernsehbildschirmen laufen Musikvideos, und in einer Ecke mit zwei Trampolinen dröhnt Pop-Musik aus den Lautsprechern. "Eine tolle Atmosphäre, man bekommt richtig Lust auf Bewegung", schwärmt die 14-jährige Tamara, die mit den Kilos kämpft und zwei Mal pro Woche mit ihrem jüngeren Bruder kommt.

Spaß an der Bewegung
Das Abnehmen soll hier jedoch zur Nebensache werden. "Die Kinder sollen Spaß an der Bewegung haben und lernen, dass man für seine Gesundheit etwas tun muss", erklärt Kieran Murphy von Shokk, einem Unternehmen, das sich auf die Einrichtung von Junioren-Studios spezialisiert hat. Experten hoffen, dass der Spaß auch Resultate bringt und die Kilos purzeln. "Ein bisschen Trampolin springen und auf dem Nachhauseweg eine Packung Chips futtern ist natürlich nicht Sinn der Sache", meint eine Expertin vom University College London, deshalb sei die richtige Ernährung so wichtig.

Sportmediziner sind skeptisch
Viele Sportmediziner sind jedoch skeptisch. Es bestehe das Risiko von Gelenkschädigungen, vor allem, wenn Kinder eine Wachstumsphase durchmachten. Außerdem gebe es die Gefahr, dass die Jugendlichen zu viel Körperbewusstsein entwickeln, meint der Sportpsychologe George Lok. Die jüngeren Kinder sollten lieber draußen spielen und Fahrrad fahren statt Hanteln zu stemmen, fügt er hinzu.

Teamsport besser geeignet
Britische Lehrer fordern seit langem, Kinder sollten sich mehr bewegen, weil dies zu einer Verbesserung der Konzentration beiträgt. "An Fitness-Training hatten wir dabei aber nicht gedacht", meint eine Grundschullehrerin, "eher an Teamsport oder Aktivitäten mit den Eltern", die aber leider oft zu müde seien. (APA/red)