Konsumentenschutz von

Cola-Getränke auf umstrittenen Farbstoff getestet

Konsument: "Nur Pepsi, Spitz, Freeway und Spar dürften 'ohne' verkauft werden"

Cola © Bild: Thinkstock/iStock

Zuckerkulör gibt vielen Getränken und Lebensmitteln ihre schöne dunkelbraune Farbe. Außerdem enthält der künstliche Zusatz einen Stoff, der seit Jahren als möglicherweise krebsverursachend im Gerede ist. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) wünscht sich in seinem "Konsument"-Magazin niedrigere Werte von 4-Methylimidazol (4-MEI) in Produkten wie Colagetränken.

In Kalifornien gilt ein strenger Warnwert für 4-MEI, ein Nebenprodukt der Herstellung von Ammonium-Zuckerkulör (E 150 c) und Ammoniumsulfit-Zuckerkulör (E 150 d), die in vielen braunen Softdrinks steckt. Sie färbt weiters Soja- und Worcestersauce, Kräuterbonbons, Frühstückszerealien, Balsamico-Essig und Whiskey. Seit die Substanz im Jahr 2011 aufgrund von Tierversuchen unter Krebsverdacht geraten ist, müssen Produkte, die mehr als 29 Mikrogramm 4-MEI pro Tagesdosis enthalten, in Kalifornien eine Krebswarnung tragen.

Hoher Wert in Kindergetränk

Neun von 13 der für den Test überprüften Colagetränke fallen in diese Kategorie. "Nur Pepsi, Spitz, Freeway und Spar dürften 'ohne' verkauft werden", berichteten die Konsumentenschützer. Will man unter dem kalifornischen Warnwert bleiben, könne man pro Tag beispielsweise zweieinviertel 250ml-Gläser Pepsi oder Spar Fresh Cola, aber nur ein dreiviertel Glas Coca Cola oder ein zu einem Viertel gefülltes Glas S-Budget- bzw. Black Jack Cola trinken. Einen auffällig hohen Wert stellten die Tester auch im "Kindergetränk" Dreh und Trink fest, das 53 Mikrogramm 4-MEI pro 200-Milliliter-Flasche enthalte.

Diese Tagesdosis ist unproblematisch

Die europäische Gesundheitsbehörde EFSA hat allerdings einen weit höheren Gesamtwert für die akzeptierbare tägliche Aufnahme festgelegt: 300 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Wer 60 Kilogramm auf die Waage bringt, könne demnach 18.000 Milligramm, also 18 Gramm Zuckerkulör täglich konsumieren, rechneten die Konsumentenschützer vor. Damit werde in Europa hochgerechnet eine Tagesdosis von 4,5 Milligramm oder 4.500 Mikrogramm 4-MEI als unproblematisch beurteilt. In der Praxis wird das wohl nie vorkommen: Wie der "Konsument" selbst anführt, enthalten die bei uns handelsüblichen Colagetränke zwischen zwölf und 71 Mikrogramm 4-MEI pro Viertelliter.

Generell gibt meist die Dosis den Ausschlag: Der US-Getränkeverband hatte schon beim Aufkommen der Kritik dagegengehalten: Ein Mensch müsse jeden Tag mehr als 2.900 Dosen Cola trinken, und das über 70 Jahre, um an jene Menge an 4-MEI heranzukommen, die den Mäusen verabreicht worden sei. Die US-Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA sieht "kein unmittelbares oder kurzfristiges Risiko", ist auf deren Homepage nachzulesen. Derzeit würden aber alle verfügbaren Daten über die Sicherheit der Substanz überprüft.

Trotzdem: Coca Cola hat schon im Jahr 2012 der kalifornischen Richtlinie Rechnung getragen. Seither stelle der Getränkeriese für die US-Westküste ein Cola mit niedrigen 4-MEI-Werten her - der hohe Gehalt anderswo sei also kein Naturgesetz, betont der "Konsument".*

*Stellungnahme von CocaCola: "Bereits im Herbst 2014 haben unsere Zuckerkulör-Lieferanten auch in Europa ihren Herstellungsprozess optimiert und produzieren seither Zuckerkulör mit reduziertem 4-MEI-Gehalt. Das in Österreich vom VKI getestete Produkt wurde kurz vor dieser Umstellung des Prozesses hergestellt. Jedes Coca-Cola Produkt in Österreich, das von 2015 an produziert wurde, enthält Zuckerkulör, das nach diesem optimierten Prozess hergestellt wurde. Alle unsere Produkte – ob sie das optimierte Zuckerkulör enthalten oder nicht – sind sicher. Das zeigt auch die in Ihrem Artikel angeführten absurden Mengen, die notwendig wären um Grenzwerte zu erreichen.

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