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Mehr als Husten

Frau hustet © Bild: iStockphoto.com

Die Zahl der Keuchhusten-Fälle nimmt österreichweit zu. Eine Krankheit, die für Babys tödlich enden kann.

Es beginnt wie eine normale Verkühlung: ein lästiger Schnupfen, dazu Husten, Halskratzen und erhöhte Temperatur. Mit einem Unterschied: Der Husten geht nicht mehr weg, sondern er wird stärker und stärker.

Weltweit erkranken pro Jahr rund 16 Millionen Menschen an Keuchhusten. Bis zu 400.000 Personen sterben daran. Und die Zahl der Patienten steigt - auch in Österreich. So wurden 2014 noch 339 Fälle gemeldet, zwei Jahre später waren es bereits 1.165. "Derzeit werden in Österreich jährlich rund 1.000 Fälle nachgewiesen. Die Dunkelziffer ist aber hoch. Alle drei bis fünf Jahre kommt es zu Epidemien. Vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen nimmt die Erkrankung wieder zu", bestätigt der Wiener Kinderarzt Peter Voitl.

Keuchhusten gehört zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Eine infizierte Person kann ihn an bis zu 17 weitere Menschen weitergeben. Im Vergleich dazu sind es bei Influenza durchschnittlich gerade einmal 1,4 Personen. Vor allem in den ersten zwei Wochen, dem sogenannten Stadium catarrhale, das kaum von einem grippalen Infekt unterschieden werden kann, ist die Ansteckungsgefahr am größten. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen und Husten, aber auch beim Sprechen.

Anders als bei den meisten Atemwegserkrankungen ist aber kein Virus, sondern ein Bakterium der Auslöser. Daher kann Keuchhusten auch mit einem Antibiotikum behandelt werden -allerdings nur, wenn er bereits im ersten Stadium erkannt wird.

Husten bis zum Erbrechen

Zwei Wochen nach Ausbruch der Krankheit beginnen die Hustenattacken. "Die heftigen, quälenden Hustenanfälle können bis zum Erbrechen führen", erklärt Voitl. Die Anfälle dauern meist mehrere Minuten und können vor allem für Babys sehr gefährlich werden, da sie zum Atemstillstand führen und so tödlich enden können.

Die Anfälle treten oft in der Nacht auf, wodurch ein erholsamer Schlaf kaum mehr möglich ist. "Das zweite Stadium kann bis zu acht Wochen dauern", sagt Voitl. Durch das Bakterium geschwächt, wird der Körper aber auch anfälliger für sogenannte Sekundärinfektionen, und so kommt oft noch eine Lungen-oder Mittelohrentzündung dazu.

Zum Arzt sollte jeder gehen, dessen Husten über eine Woche anhält -oder sofort bei hohem Fieber. "Kinder im ersten Lebensjahr sollten bei Husten auf jeden Fall ärztlich untersucht werden", sagt Voitl. Doch warum steigen die Erkrankungszahlen? Es gibt eine Impfung gegen Keuchhusten. Viele Jugendliche und Erwachsene vergessen allerdings auf die Auffrischungsimpfung. Laut Voitl gibt es noch einen zweiten Grund: "Seit Ende der Neunzigerjahre ist ein besser verträglicher Impfstoff gegen Keuchhusten in Verwendung. Dessen Schutzdauer lässt jedoch offenbar nach fünf bis sechs Jahren nach." Bisher ging man davon aus, dass eine Impfung zehn Jahre schützt. Voitl rät daher allen, den Impfschutz zu überprüfen, um eine Keuchhusten-Erkrankung zu vermeiden.