Impfung in Österreich: Eine erfolgreiche Geschichte mit kritischen Gegenstimmen

Comeback der Masern: Impfempfehlung für EM-Gäste Gelungener Kampf gegen Kinderlähmung und Tetanus

Impfung in Österreich: Eine erfolgreiche Geschichte mit kritischen Gegenstimmen

Die Pest, "der schwarze Tod" und die Pocken, "die bösen Plattern", waren im Mittelalter die schlimmsten Krankheiten, von denen die Menschheit je heimgesucht wurde. Vor über 200 Jahren ist erstmals ein Mensch gegen Pocken geimpft worden.

Viele Krankheiten können mittlerweile erfolgreich durch Impfungen verhindert werden, manche wurden sogar ausgerottet. Mindestens genauso alt wie die Impfung selbst ist auch die Geschichte der Impfkritiker.

Verunsichernde Negativmeldungen
"Negativmeldungen über Impfgefahren und Nebenwirkungen verunsichern natürlich. Heute hat die Aufklärungsarbeit zu diesem Thema in der Ordination stark zugenommen. Für uns Ärzte ist das aber auch eine positive Herausforderung, weil jeder Arzt dadurch mehr über das Thema Impfung wissen muss", sagte Arbeitsmedizinerin Beatrix Patzak gegenüber der APA.

Pcken erfolgreich ausgerottet
1802 wurde in Österreich die erste offizielle Impfempfehlung für Pocken ausgesprochen. Widerstände in Teilen der Bevölkerung hat es damals schon gegeben. Der Erfolg sollte den Befürwortern aber recht geben. Der letzte Pockenfall in Österreich wurde 1946 beobachtet. 1980 hat die WHO die Pocken weltweit offiziell für ausgerottet erklärt.

Kampf gegen Kinderlähmung
Auch bei Kinderlähmung waren die Auswirkungen teils dramatisch und führten Mitte des 20. Jahrhunderts bei Millionen von Kindern und Jugendlichen zu schweren Dauerschäden. Schon vor der Zulassung wurde diese Impfung in Österreich eingeführt und von der Bevölkerung sofort angenommen. Gab es in Österreich zwischen 1946 und 1961 noch 12.620 Erkrankungs- und 1.426 Todesfälle, so erkrankten im Zeitraum 1962 bis 1980 nur mehr 37 Österreicher an Kinderlähmung, bei sechs verlief die Erkrankung tödlich, zuletzt 1973. Da die Kinderlähmung aber in anderen Erdteilen noch immer sporadisch auftritt, werden auch heute noch Kinder gegen diese potenziell lebensbedrohliche Erkrankung geimpft.

Schwere Rückschläge
Nicht unproblematisch verlief die Entwicklung des Impfstoffes gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung). Jonas Edward Salk probierte erstmals 1952 den Polioimpfstoff an Kindern aus, die Polio gerade überstanden hatten. Bald danach musste er einen herben Rückschlag einstecken. 200 Kinder waren durch einen Produktionsfehler erkrankt, elf sind gestorben. In Österreich war der Impfstoff erstmals 1958 erhältlich.

Von TBC-Impfung abgeraten
Bei der Tuberkulose-Impfung ("BCG") ist man von einer Impfempfehlung wieder abgegangen. Seit 2000 wird die Impfung vom Obersten Sanitätsrat nicht mehr empfohlen - schon in der Dekade zuvor, seit 1991, wurde die Impfung nur mehr bei erhöhter Ansteckungsgefahr verabreicht. "Wenn das Impfen gefährlicher ist als die Krankheit selbst, dann hat macht das natürlich keinen Sinn", sagte Ingomar Mutz, Vorsitzender des Impfausschusses im Obersten Sanitätsrat. Durch bessere hygienische Verhältnisse und BCG-Impfung gab es seit 1954 im Schnitt alle 14,5 Jahre in Österreich eine Halbierung der Tuberkulose-Fallzahlen. Seit den 1990er Jahren steigt die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle im Kindesalter wieder leicht an, wobei die Krankheit vor allem die Kinder von Immigranten durch Import aus deren Heimatländern betreffe.

Medizinische Erfolge
Nicht ausgerottet, aber dank Impfungen wesentlich eingedämmt wurden die Krankheiten Kinderlähmung, Tetanus, Masern, Keuchhusten, Diphtherie und Hib-Meningitis (Haemophilus influlenzae Typ b). Mittlerweile können 26 Krankheiten erfolgreich durch Impfungen verhindert werden.

Wiederkehr der Masern
Wieder zurück sind derzeit Masern-Erkrankungen in Salzburg. "Für Besucher der EURO ist derzeit eine Reiseimpfempfehlung in Ausarbeitung. Gäste, die nach Österreich reisen, sollten gegen FSME und Masern geimpft sein", sagte Mutz. (apa/red)