IKG-Präsident Ariel: Muzicant: Nahost-Tragödie nicht für Wahlkampf missbrauchen

Nahost-Konflikt als Wahlkampfthema bei uns präsent Heftige Kritik von Haider: Zionistischer Provokateur

IKG-Präsident Ariel: Muzicant: Nahost-Tragödie nicht für Wahlkampf missbrauchen

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, hat "Einseitigkeiten" in den österreichischen Diskussionen über den Libanon kritisiert. Er weist Versuche, die "Tragödie im Nahen Osten für den österreichischen Wahlkampf zu missbrauchen", als "geschmacklos" zurück. Dabei äußerten sich auch "Antisemiten", bemerkte Muzicant in einem Interview. Heftige Kritik an Muzikant kommt dafür von der BZÖ. Landeshauptmann Haider nennt ihn einen "zionistischen Provokateur".

Diese würden "wider besseres Wissen Israel der Kriegsverbrechen bezichtigen und nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen rufen, gleichzeitig aber den 8. Mai (Kapitulation Nazi-Deutschlands 1945, Anm.) als Tag der 'Besetzung' begehen und Schwierigkeiten haben, ein paar zweisprachige Ortstafeln aufzustellen", so Muzicant zur "Wiener Zeitung".

"Gerechtfertigte Kritik ist zulässig und notwendig. Auch Israel ist nicht fehlerlos. Die Kritik wird dann zum Antisemitismus, wenn man doppelte Standards setzt", betonte der IKG-Präsident. "Es gibt wieder so etwas wie eine Allianz der Antisemiten von Linksextremen, Rechtsextremen und anderen, wenn es gegen Israel und die Juden geht. Wenn viele Österreicher die furchtbaren Bilder im TV sehen und Israel kritisieren, weil hier eine mächtige Armee die schwachen Palästinenser oder Libanesen angreift, ist das vielleicht einseitig, aber nicht antisemitisch. Antisemiten sind jene, die wider besseres Wissen Israel der Kriegsverbrechen bezichtigen und nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Israel rufen, aber den 8. Mai als Tag der 'Besetzung' begehen und Schwierigkeiten haben, ein paar zweisprachige Ortstafeln aufzustellen. Ich möchte sehen, was so mancher Sprücheklopfer sagen würde, wenn 2500 Raketen auf Graz geschossen worden wären".

Die Medienberichterstattung über den Nahost-Konflikt ist nach Ansicht Muzicants "sehr oft unausgewogen: Im ORF zum Beispiel hat Herr (Karim) Al-Gawhary drei Tage lang Hisbollah-Propaganda betrieben. Herrn (Ben) Segenreich hat man drei Tage lang nicht gesendet. Erst nach Protesten wurde die Berichterstattung wieder ausgewogener."

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (B) hatte zuletzt unter anderem gefordert, die "verantwortlichen Kriegstreiber in Israel" vor ein Kriegsverbrechertribunal zu stellen und den israelischen Botschafter in Wien umgehend auszuweisen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hatte sich von Haiders Aussagen distanziert. Der freiheitliche Europaabgeordnete Andreas Mölzer hatte die "menschen- und völkerrechtswidrige Aggressionspolitik Israels" verurteilt. Die IKG hatte die FPÖ als rechtsradikale Randgruppe bezeichnet, bei der "die Stimmen Ewiggestriger gut aufgehoben sind."

BZÖ: "fürchterliche Entgleisung"
Der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz hat Muzicant wegen dessen Warnung eine "fürchterliche Entgleisung" vorgeworfen. Muzicants Aussagen im Interview mit der "Wiener Zeitung" wären "ein Schlag ins Gesicht" jener, die nach dem Tod eines österreichischen UNO-Militärbeobachters durch israelischen Beschuss eines UNO-Beobachtungspostens im Südlibanon "auf ein Wort des Bedauerns und der Verurteilung durch die Kultusgemeinde hoffen", erklärte der Landespolitiker.

"Wir verlangen daher von der Israelitischen Kultusgemeinde sowohl in Wien als auch in Graz endlich eine Verurteilung dieses hinterhältigen, feigen und grausamen Mordes an einem steirischen Friedenssoldaten. Dieser Terrorkrieg ist durch kein menschliches Argument zu rechtfertigen. Auch Versuche von Muzicant, sich hier die Schuhe an der österreichischen Innenpolitik abzuputzen, können nicht über die menschliche Tragödie hinwegtäuschen", heißt es in der Aussendung. "Hier geht es nicht um Wahlkampf und schon gar nicht um die österreichische Innenpolitik. Hier geht es darum, dass sich die Öffentlichkeit sehr wohl Worte der Verurteilung und des Mitgefühls erwartet. Dass Muzicant und die Grazer Kultusgemeinde bis heute nicht in der Lage waren, diesen Terrorakt zu verurteilen und für die Familie des getöteten UN-Soldaten ein Wort des Mitgefühl und der Trauer zu finden, ist an Überheblichkeit kaum zu überbieten!", so Grosz.

Haider nennt Muzicant "zionistischen Provokateur"
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (B) hat Muzicant vorgeworfen, zu "jenen zionistischen Provokateuren im Westen" zu gehören, "die die Ermordung von dutzenden Kindern und hunderten Zivilisten, die Sprengung von Brücken zur Kappung von Fluchtwegen und Hilfslieferungen sowie das Töten von UNO-Soldaten verteidigen und so einen sinnlosen Krieg Israels rechtfertigen". Auch wenn Muzicant Kritiker "mit der Keule des Antisemitismus mundtot machen" wolle, stoße die Vorgehensweise Israels und der USA auf "völliges Unverständnis in breiten Teilen der Bevölkerung und das zu Recht", erklärte der Gründer der kleineren Regierungspartei.

Das "Credo Muzicants und der israelischen Kriegstreiber im Nahen Osten" laute: "Auge um Auge, Zahn um Zahn, statt einer friedlichen Lösung ohne weitere Gewalt", so Haider. Der einzige Weg zum Frieden sei "ein sofortiger Waffenstillstand, die Stationierung einer Friedenstruppe und der völlige Rückzug der US-Amerikaner aus dem Nahen Osten - und nicht die Einstellung sämtlicher Flugverbindungen in den Iran, wie es etwa Muzicant gefordert hat."

(apa/red)