Hygiene in Hotels von

Gar nicht sauber!

Geputzt wird nur oberflächlich. Die Bazillen tummeln sich weiterhin auf Toilette & Co.

Hygiene in Hotels - Gar nicht sauber! © Bild: Corbis

Erst kürzlich zeigte eine Studie, wie hartnäckig sich diverse Hygiene-Mythen in Europa halten. Nun haben Wissenschafter die Bazillenherde in Hotelzimmern identifiziert. Geputzt wird nur oberflächlich. Für alles andere ist die Zeit zu knapp. Kurz und gut: Um die Hygiene in Hotelzimmern ist es schlecht bestellt. Wir verraten Ihnen, wo sich die meisten Keime tummeln.

US-Forscher von der American Society for Microbiology in San Francisco haben verschiedenste Flächen von Hotelzimmern aus drei Bundesstaaten der USA auf Keime überprüft. "So gut wie kein Hotel entspricht normalen Hygienestandards", sagt der deutsche Hygieneexperte und Hoteltester Horst Veith.

Zu wenig Zeit zum Reinigen
"Das Zimmerpersonal reinigt in acht Arbeitsstunden 14 bis 16 Räume, wobei 30 Minuten pro Hotelzimmer bleiben", schildert Studienautorin Katie Kirsch von der University of Houston die Ausgangslage. Es würde an Standards hinsichtlich der Reinigung fehlen. Und zur Beurteilung der Sauberkeit würde man eher auf sauberes Aussehen statt auf Hygiene achten.

Die größten Bakterienschleudern
Das Team um Kirsch verglich die Zahl aerober und Fäkalbakterien an 19 kritischen Stellen in Hotelzimmern. Überraschend sauber waren die Kopfenden von Betten oder die Türklinke des Badezimmers, während übliche Verdächtige wie Waschbecken und Toilette, jedoch auch TV-Fernbedienung und der Lichtknopf der Nachttischlampe schlecht abschnitten. Als Bakterienschleuder erwiesen sich aber auch Schwämme und Lappen, die per Putzwagen von Zimmer zu Zimmer reisen und dabei Erreger übertragen könnten, warnen die Forscher.

Matratzen sind Milben-Paradiese
"Die Zimmerreinigung konzentriert sich meist auf Bad und Toilette. Was vernachlässigt wird, sind vor allem die Textilien", erklärt Horst Veith. Teppichböden und Fußvorleger gehören etwa dazu, die statt gereinigt nur gesaugt werden, Matratzen als Hausstaubmilben-Paradiese sowie besonders auch Tagesdecken und Sofas: Sie kommen ständig mit Straßenkleidung, Schuhen und Reisegepäck in Kontakt, werden jedoch nicht gewaschen.

Wird immer unhygienischer
Statt ihre Rückstände aufzuholen, verschlechtert sich die Hotelhygiene eher, so Veith. "Hotels lagern die Reinigung zunehmend an Zeitpersonal aus. In den zwölf Minuten pro Zimmer, die oft nur noch bleiben, ist eine hygienisch einwandfreie Reinigung unmöglich." Das Problem dabei: Die Ansprüche der Gäste sind hoch. "Zwar reklamiert niemand, wenn sich etwa die Knöpfe der Fernbedienung klebrig anfühlen. Doch man sucht beim nächsten Mal ein anderes Hotel", sagt der Experte.