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Ohrkorrektur ohne OP

Einzigartig in ganz Europa: Grazer Uniklinikum korrigiert Ohr-Fehlbildung

Abstehende Ohren © Bild: Thinkstock

Tutenchamun hatte sie, US-Präsident Barack Obama wurde als Kind deswegen gehänselt, Prinz Charles trägt sie mit Gelassenheit: Abstehende Ohrmuscheln. Wenn Kinder und Jugendliche unter Apostasis otum - so der medizinische Fachausdruck - leiden, half bisher oftmals eine Operation. Am Grazer LKH-Uniklinikum wird die Fehlbildung nun bereits bei Säuglingen mit einem Modellierungssystem korrigiert.

Laut Stephan Spendel, stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische Chirurgie in Graz, kommt nahezu jedes dritte Neugeborene mit verformten Ohrmuscheln auf die Welt. Zehn bis 30 Prozent würden sich im Laufe der ersten Lebensmonate wieder selbst auskorrigieren, erklärte Spendel. Für die restlichen Kinder bietet das Klinikum Graz eine Alternative zur operativen Korrektur an: Ein Modellierungssystem, das von außen angelegt wird und die Ohrmuschel in Form bringt. "Wichtig ist nur, die modellierenden Schalen bereits innerhalb der ersten beiden Lebenswochen anzulegen. Dann ist das Ohr noch sehr weich und formbar", schilderte Spendel.

Ohrkorrektur ohne OP
© APA/KLINIKUM GRAZ

Europaweit einzigartig

Das System könne innerhalb weniger Minuten angepasst werden - "am besten während die Mutter das Kind stillt", so Spendel - und müsse vom Säugling zwei Wochen getragen werden. Es wurde bereits 2010 in den USA zugelassen und wird bisher europaweit nur am Grazer Klinikum angewendet. "Es wurde uns von einem österreichischen Unternehmen, das die Lizenz für ganz Europa erworben hat, angeboten", so der Grazer Plastische Chirurg. In Graz wurden die modellierenden Schalen bereits bei 18 Babys angewendet. "Eine gute Alternative zu dem doch sehr aufwendigen operativen Eingriff", schilderte der Mediziner.

Vorerst teilen sich der Lizenzhalter und das Uniklinikum die Kosten von rund 85 Euro für beide Ohren, so Spendel, der mit 300 bis 500 Behandlungen jährlich alleine in der Steiermark rechnet. "Wir sind mit der Krankenkasse in Verhandlung", so Spendel.

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