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Essen im Live-Stream: Neuer Internet Hype kann gefährliche Auswirkungen haben

Essen vorm Laptop © Bild: Thinkstock

Fetische und Obsessionen können die verschiedensten Formen annehmen, wie die aktuelle Debatte rund um eine Koreanerin zeigt, die im Live-Stream Unmengen an Essen verspeist. Gegenüber CNN sagte die Protagonistin Park Seo-Yeon: "Meine Fans sagen mir, dass sie es wirklich lieben, mir bei Essen zuzusehen, weil ich mit so viel Appetit esse und alles so köstlich aussehen lasse."

Egal, ob man nun vom Gedanken an Essen besessen ist oder einfach nur einen Schuhfetisch hat, solche Obsessionen haben einen negativen Hintergrund. Jeff Szymanski, klinischer Psychologe, erklärt gegenüber Discovery News: "Wenn du eine Störung hast, heißt das, dass du nicht so funktionieren kannst, wie du solltest. In der klinischen Definition: Ein Fetisch steht dem Leben im Weg."

Stellvertretendes Essen

"Viele meiner Zuseher sind auf Diät und sagen, dass sie stellvertretend durch mich leben. Oder sie sind Spitalspatienten, die nur Zugang zu Spitalsessen haben. So sehen sie auch meine Sendung an, um mich essen zu sehen", lässt der koreanische Internet-Star wissen.

Obsession oder Schaulust?

Laut Szymanski muss es aber nicht unbedingt eine Obsession sein, wenn man anderen gerne beim Essen zusieht, es kann auch einfach nur Schaulust sein: "Jemand macht etwas Neues und du denkst: 'Oh mein Gott, sie hat gerade fast drei Kilo gegessen - wie ist das passiert?'"

Auslöser vs. Lösung

Essstörungen sind jedoch eine echte Bedrohung, die von den Online-Mahlzeiten ausgehen könnte. Fugen Neziroglu, klinische Leiterin des Bio-Behavioral Institute in New York, meint: "Es wäre spannend eine Studie über das Publikum zu machen und wie sie beeinflusst werden: Begünstigt die Sendung Essstörungen? Oder haben jene, die sie anschauen, bereits eine Neigung zu Essstörungen? Wie viele versuchen, sie zu imitieren ('Kann ich so viel essen wie sie')?" Laut Park hat eine Seherin beim Mitverfolgen der Sendung angeblich ihre Anorexie überwunden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Park zuzusehen hilfreich gewesen sein könnte", warnt Neziroglu hierzu.

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