Einsamkeit als Gesundheits-Killer: Oft sind
Depression und Suchterkrankung die Folge

Einsamkeit wirkt sich auf körperliche Konstitution aus Symptome: Schlafstörungen, Magenschmerzen & Co.

Einsamkeit als Gesundheits-Killer: Oft sind
Depression und Suchterkrankung die Folge

"Das moderne Wort für Einsamkeit heißt Stress", sagt der Allgemeinmediziner Hans Joachim Fuchs. In seiner Praxis sieht der auf psychosomatische Medizin und Familienmedizin spezialisierte Arzt täglich Menschen, die mit purer Existenzangst zu kämpfen haben, erzählte er im APA-Gespräch. Ausschlaggebend seien oft überzogene Forderungen im Berufsleben: "Es gibt Firmen, die Menschen mit Haut und Haaren verschlingen, so dass sie Teile ihrer Persönlichkeit nicht weiterentwickeln können."

Wenn "die Arbeit überwertig wird", gehen private Kontakte verloren. Für Fuchs ein Grund dafür, dass so viele Beziehungen zerbrechen: "Für eine Partnerschaft braucht man viel Geduld. Wenn die Menschen aber durch die Arbeit ausgelaugt sind, haben sie keine Ressourcen mehr dafür."

Schlafstörungen, Magenschmerzen,...
Einsamkeit wirkt sich das auf den gesamten Körper und seine Konstitution aus, erklärte er weiter: "Sie zehrt die seelischen Kräfte auf, die man zur Regeneration braucht." In diesem Zusammenhang ist auch Gefahr an einer Depression zu erkranken, "sehr hoch". Einher gehen Symptome wie "Schlafstörungen, Magen und Wirbelsäulenschmerzen, Appetitlosigkeit, oder aber auch Esssucht", so der Mediziner. Prinzipiell seien einsame Menschen anfälliger für alle Süchte, beginnend bei Nikotin, über Alkohol bis hin zu Tabletten- und Drogenabhängigkeit.

Für Ärzte sei es daher immer wichtiger, "streckenweise auch psychotherapeutische Funktionen zu übernehmen", führte Fuchs aus. Denn "psychische Belastungen spielen eine große Rolle bei der Entstehung von funktionellen Störungen und wirklichen Krankheiten". Man versuche, daher auf die persönlichen Probleme des Patienten einzugehen, ihm "Verständnis zu geben, zu stärken" und zu helfen, wieder mehr soziale Kontakte zu pflegen, erklärte der Mediziner.

Familie ist alles - wenn es eine gibt
Eine bedeutende Rolle spiele dabei auch die Familie: "Menschen fühlen sich mit ihren Familienmitgliedern immer verbunden", sagte Fuchs. Wird diese unterbrochen, sei das für die Betroffenen besonders schlimm. "Gut sichtbar wird das beim 'Schwarzen-Schaf-Phänomen'. Es ist aus dem Kreis ausgeschlossen, spielt aber doch eine große Rolle", so der Arzt. So achten alle übrigen Familienmitglieder penibel darauf, was "der jetzt schon wieder macht. Die Person leidet darunter und macht impulsive Handlungen, weil sie nicht im Gleichgewicht ist." Auch hier kann aus Medizinersicht mit einem Gespräch geholfen werden: "Bereits durch kleine Interventionen sind bereits Schritte der Normalisierung möglich", ist er überzeugt. (APA/red)