Einsame Liebesbeziehungen: Wenn Partner
sich einfach nichts mehr zu sagen haben

Kommunikation wirkt am stärksten gegen Einsamkeit Wichtige Grundlage für gute Partnerschaft: Selbstliebe

Einsame Liebesbeziehungen: Wenn Partner
sich einfach nichts mehr zu sagen haben

Einsamkeit muss nicht mit Singleleben gleichgesetzt werden, auch in der Partnerschaft ist sie laut Brigitta Etzelstorfer "weit verbreitet". Die Paartherapeutin kann aus der Praxis von vielen Beziehungen berichten, "in denen die Menschen nebeneinander vereinsamen: Sie leben ohne Kommunikation, Körperlichkeit oder gemeinsames Miteinander", sagte sie.

Diese Tendenz sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, als Grund sieht die Psychotherapeutin die "allgemeine Überreizung in der Gesellschaft" und die immer stärker Fokussierung auf die Karriere.

Schwierigkeiten als Chance
Paare könnten oft viele Jahre nebeneinander leben, ohne sich wirklich noch wahrzunehmen, erzählte Etzelstorfer. "Manchmal kommen dann Anreize und Situationen von außen, die sie dann aufwecken. Einer fangt dann an, etwas dagegen zu tun, oder sie trennen sich ganz." Dabei handelt es sich nicht nur um eine neue Liebe, auch Veränderungen im Job oder dem Familienleben können solche "Aufwecker" sein. Am wirksamsten sind laut der Paartherapeutin negative Ereignisse. "Schwierigkeiten sind oft positiv, weil sie bestimmte Schritte erfordern, die man sonst nicht machen würde." Denn besonders einsame Menschen haben Angst vor Veränderung, weiß Etzelstorfer. Das sei auch der Grund, warum so viele dieser Pärchen über die Jahre weiterhin zusammenbleiben.

Grundlage für Partnerschaft: Selbstliebe
Der wesentliche Punkt, um der Einsamkeitsfalle in der Beziehung zu entgehen, ist Kommunikation. "Sehr oft wird aber destruktiv kommuniziert, der eine hört dem anderen nicht richtig zu", sagte die Psychotherapeutin. "Ich versuche oft, mit den Paaren aktives Zuhören zu üben." Dazu gehört zum Beispiel auch, dass einer der beiden seine Bedürfnisse formuliert und der andere diese in seinen Worten wiederholt. "Damit wird abgeklärt, ob er sie auch richtig verstanden hat", erklärte sie. Grundlage für eine funktionierende Partnerschaft müsse aber in erster Linie die Selbstliebe sein, sagte die Paartherapeutin und führte weiter aus: "Oft nehmen die Menschen sich selbst und ihre Bedürfnisse gar nicht selbst wahr. Sie haben keine Orientierung in sich selbst."

Etzelstorfer wünscht sich die "Enttabuisierung" des Themas Einsamkeit. Damit einher gehe auch die klare Unterscheidung zwischen Einsamkeit und Alleinsein, denn diese Wörter seien auf keinen Fall gleichzusetzen, sagte sie: "Wer einsam ist, dem fehlt etwas. Meist soll der Partner das ersetzen. Alleinsein heißt aber, mit sich selber in einer Beziehung sein, mit sich und der Umwelt in einer intensiven Beziehung zu stehen", schilderte die Paartherapeutin. (APA/red)