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"Man kann Bitcoin
nicht einfach ausschalten"

Kommt ein Bitcoin-Verbot?

Bitcoin - "Man kann Bitcoin
nicht einfach ausschalten" © Bild: Jens Kalaene/dpa

Warum der Bitcoin eine Weltreservewährung werden könnte, der Preis steigt und wie viele Coins im Umlauf sind.

„Russland will verschärft gegen Bitcoin-Währung vorgehen“, „Anleger rätseln über drohendes Bitcoin-Handelsverbot in China“ – Steht die Kryptowährung unter Druck?

„Ja. Und es wird in Zukunft wohl noch mehr staatlicher Druck ausgeübt werden“, sagt Max Tertinegg, Geschäftsführer und Mitbegründer des Grazer Bitcoin-Dienstleisters Coinfinity im Gespräch mit news.at.

„Wenn man aber den Bitcoin-Preis betrachtet, dann scheinen diese Maßnahmen relativ wenig Einfluss zu haben“, so Tertinegg. Aktuell kostet ein Bitcoin rund 4.800 Euro. Die digitale Währung sei auf dem Weg zu einem neuen Höchststand, so der Experte.

»In den nächsten drei bis fünf Jahren könnte Bitcoin eine nationale Währung als Weltreservewährung ablösen«

Doch warum steigt der Druck auf den Bitcoin? Tertinegg argumentiert mit der Unkontrollierbarkeit des Systems. Bitcoin ist die erste wirklich funktionierende dezentrale Währung bzw. der erste dezentrale Wertespeicher. Im Bitcoin-System gibt es keinen zentralisierten, ausgezeichneten Server oder ein Büro oder Geschäft. Das Bitcoin-System besteht aus den einzelnen Teilnehmern. „Wenn Bitcoin mal die Größe einer wirklich nationalen Währung erreichen sollte, könnt ich mir durchaus vorstellen, dass es auch auf europäischer Ebene Bestrebungen geben könnte“, so Tertinegg. Dass die Kryptowährung eine nationale Währung als Weltreservewährung ablösen wird, da ist sich Tertinegg sicher. „In den nächsten drei bis fünf Jahren könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Bitcoin eine digitale Weltreservewährung werden könnten und beispielsweise den Dollar in dieser Hinsicht ablöst.“

Kommt ein Bitcoin-Verbot?

Dass eine staatliche Währung komplett verschwinden würde, bezweifelt der Unternehmer jedoch. Vielmehr würden die Währungen parallel existieren. Laut Tertinegg hätten Kryptowährungen insbesondere im internationalen Handel oder in Ländern, die wirtschaftlich nicht so stark dastehen, wie beispielsweise die EU, eine solide Grundlage.
Und ein Bitcoin-Verbot? Man könne zwar theoretisch und auch praktisch ein Verbot aussprechen, Bitcoin zu verwenden. Technisch sei es aber nicht möglich, Bitcoin zu unterbinden – „Man kann Bitcoin nicht einfach ausschalten“, sagt Tertinegg.

Ganz einfach erklärt, was ist das Prinzip hinter Bitcoins?

Der Bitcoin ist eine dezentrale digitale Währung. Er ist den Kryptowährungen zuzuordnen. Der Bitcoin dient - wie auch herkömmliche Währungen - dazu, Werte zu definieren, aufzubewahren und zu tauschen. Der dezentrale Charakter ist eine der wesentlichen Eigenschaften des Bitcoins. Das Netzwerk aus Teilnehmern aus der ganzen Welt gilt als eines der größte Computernetzwerk überhaupt. Laut Tertinegg gibt es einige Dutzend, die als Entwickler bezeichnet werden können. Sie schreiben Vollzeit am Bitcoin-Code.

Was ist eine Kryptowährung?

Es sei schwer, eine endgültige Definition abzugeben, meint Tertinegg. Da momentan vieles im Wandel sei. So wird sogar überlegt, den Begriff Kryptowährung umzubennen – „weil der Begriff irreführend und falsch ist“. Doch die Bezeichnung hat sich eingebürgert. Kryptowährungen sind digitale „Währungen“ mit einem meist dezentralen, stets verteilten und kryptografisch abgesicherten Zahlungssystem.

Warum ist der Bitcoin-Preis so hoch?

Die Preise auf den Kryptowährungsmärkten sind rein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das heißt, wenn viele Leute Bitcoin kaufen wollen, wird der Preis tendenziell steigen. Zudem ist die Stückzahl auf 21 Millionen begrenzt. Das Bitcoin-Netzwerk erfreut sich immer größerer Beliebtheit in verschiedensten Bereichen, sowohl in der Wirtschaft als auch geographisch. Der Preis ist in den letzten Monaten stark angestiegen, resümiert Tertinegg. „Anfang des Jahres waren wir noch bei 1000 Euro, jetzt sind wir bei über 4.500 Euro. Das ist schon faszinierend“.

Wird die Bitcoin-Blase platzen?

Dass der Bitcoin-Preis auf 0 Euro runtergeht, daran glaubt Max Tertinegg nicht. „Es wird immer wieder kurzfristig einen starken Anstieg der Preise geben und auch wieder Crashes.“ Wenn man aber ein wenig „rauszoomt“, wie Tertinegg es nennt, dann hat sich der Bitcoin über die letzten Jahre hinweg stetig nach oben entwickelt und es schaue derzeit auch nicht danach aus, als ob sich das ändern würde, so seine Einschätzung. „Es bleibt aber ein sehr volatiler Markt; dass man auch mal um bis zu 70% nach unten geht mit dem Preis, ist durchaus möglich.“

Sind Bitcoin-Besitzer vor Hackerangriffen sicher oder sogar dagegen versichert?

Nein. Und das ist, so Tertinegg, auch ein ziemlich großes Problem. Denn Bitcoins, digitale Assets generell, sind gar nicht so einfach sicher aufzubewahren, wie man das gerne hätte. Wenn man Bitcoins auf einen Computer speichert, der einen Trojaner oder einen Virus drauf hat, ist die Gefahr groß, dass Bitcoins gestohlen werden. Das ist der große Nachteil von digitalen Währungen. „In unserer Bevölkerung wird Computerssicherheit wahrscheinlich nicht so ganz großgeschrieben. Das heißt auch, dass die Massentauglichkeit von Bitcoins noch nicht ganz gegeben ist.“
Ein wesentlicher Unterschied muss jedoch bei der Formulierung getroffen werden, sagt Tertinegg. „Wenn mir Bitcoins von meinem Computer gestohlen werden, weil ich meinen Computer nicht sicher gehalten habe, dann bedeutet das nicht, dass das Bitcoin-System per se gehackt worden ist. Die Bitcoin-Blockchain an und für sich ist, mehr oder minder, Hackersicher. Da kann man sich nicht reinhacken.“

Wie viele Bitcoins sind in Österreich im Umlauf?

Das kann man nicht sagen. „Man kann aber schätzen wie viele Bitcoin-Benutzer es gibt. Das sind in Österreich rund 100.000 und einige Millionen weltweit“, sagt Tertinegg.

Bitcoin-Mining verbraucht Stromproduktion mehrerer Atomkraftwerke

Der Anreiz für die "Miners", mit enormer Computer-Rechenleistung und entsprechend hohem Energieverbrauch neue Einheiten von Bitcoin Cash zu erzeugen und Transaktionen zu verifizieren, ist entsprechend gering. Das weltweite Bitcoin-Mining verbraucht derzeit die Stromproduktion mehrerer Atomkraftwerke - Tendenz stark steigend. Und wenn alle Coins gechürt sind? Dann "passiert im Prinzip nichts weiter. Die Anzahl der Coins in Zirkulation sinkt", so Tertinegg. Rund alle vier Jahre halbiert sich die Belohnung, die die Miner im Schnitt alle 10 Minuten an Bitcoins bekommen, wenn Sie den nächsten Block gefunden haben.

© PHILIPPE LOPEZ / AFP

Wie erwerbe ich Bitcoins?

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, Bitcoin zu erwerben. Es gibt große, internationale Börsen, auf denen man, wie auf einer Aktienbörse, mit Kryptowährungen handeln kann. Zudem gibt es kleinere Bitcoin Direkthändler, bei denen man zum Marktpreis Bitcoin kaufen. Davon gibt es weltweit einige Hundert. Außerdem gibt es noch Bitcoin-Automaten – in Österreich rund 40. Eine weitere Möglichkeit sind Gutscheinprojekte, bei denen man in Trafiken oder Tankstellen Bitcoin-Gutscheine kaufen kann. Der Erwerb von Bitcoin ist über die letzten Jahre grade in Österreich relativ einfach geworden.

Gibt es Parallelen zu Aktien?

Ja und nein. Bitcoin hat rein gar nichts mit einer Aktie zu tun; dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. So stammen beispielsweise zahlreiche Begriffe aus dem Aktienhandel, wie zum Beispiel „Market Orders“ oder „Stop/loss-Order“. Zudem entwickeln sich auch im „Krypotwährungssystem“ vermehrt Derivate oder Futures; vieles, was man auf dem Aktienmarkt bereits gesehen hat.

Bitcoin: Eine Anlage oder ein Zahlungsmittel?

Beides, sagt Tertinegg. Derzeit sei der Bitcoin jedoch eher eine Anlage. „Das sehen wir auch bei unseren Kunden. 80% derjenigen, die Bitcoins kaufen, tun das aus Investitions- Spekulationsgründen. Und nur ein kleiner Teil der Bitcoin wird wirklich als Zahlungsmittel verwendet. Das wird sich in Zukunft aber vermutlich auch ändern.“

Was ist der Unterschied zwischen Ethereum und Bitcoin?

Bitcoin war die erste Kryptowährung. Mit Bitcoin ist das alles ins Rollen gekommen. Bitcoin hat eigentlich nur den einfachen Zweck: Werttransfer von A nach B über das Internet ohne Mittelsmann. Ethereum will keine reine Zahlungsmittelfunktion innehaben, sondern sogenannte „Smart-Contracts“; ganze Geschäftsprozesse auf einer Blockchain abbilden. Eine ganze Plattform, auf der man viel mehr machen kann als nur Geld bzw. Werte zu übertragen. Es werden kleine, komplette Businesslogiken abgebildet.

Wie zukunftssicher ist der Bitcoin-Code?

Durch den dezentralen Charatker ist es nicht ganz so einfach, Änderungen am der Kryptowährung durchzuführen. Es gibt seit Jahren ein Core-Entwickler Team, die Vorschläge machen und häufig auch umsetzen. Änderungen können von Bitcoin-Besitzern jedoch jederzeit vorgenommen werden. Da das Protokoll open-source ist, können in der eigenen Software Änderungen vorgenommen werden. Ein Problem könnte dann entstehen, wenn Sie Änderungen vornehmen, die laut Regelwerk untersagt sind, so zum Beispiel die Stückzahl von 21 Millionen Bitcoin verändern. Alle anderen Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk würden ihre Software daraufhin als ungültig identifizieren. Änderungen können demnach vorgenommen werden, die Community muss nur davon überzeugt werden, dass es sinnvolle Änderungen sind.

Bitcoin-Cash ist das Resultat einer solchen Änderungen, bzw. spaltete sich diese Währung vom eigentlichen Bitcoin ab, da die Änderungen nicht von der Mehrheit der Community mitgetragen wurde…
Bei Bitcoin-Cash ist es darum gegangen, dass man die Skalierbarkeit von Bitcoin in der einen oder anderen Weise technologisch lösen möchte. Zu einem Konsens kam es nicht. Die Abspaltung war die Folge.

Ist es wahrscheinlich, dass solche Abspaltungen vermehrt vorkommen werden?

Wahrscheinlich schon. „Im November steht auch eine im Raum“, sagt Max Tartinegg.

© Max Tertinegg

Tertineggs Unternehmen Coinfinity ist in erster Linie ein Händler von digitalen Währungen. "Sie können bei uns Bitcoin, Ethereum, Litecoin oder in Zukunft wahrscheinlich auch Bitcoin Cash über verschiedenste Kanäle kaufen und verkaufen." Darüber hinaus hat Coinfinity auch ein Dutzend Bitcoin-Automaten aufgestellt. Zudem berät das Coinfinity auch Unternehmen, die z.B. in ihren Online-Shops auch Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen wollen. Derzeit arbeiten neun Mitarbeiter bei Coinfinity in Graz. Bis Jahresende sollen es 15 werden.

Kommentare

Allein schon wegen des hohen Energieverbrauchs gehörts diese Treiben beendet, besser heute als morgen. Irgendwann gehts was schief und dann beginnt das große Geheule. An der Intelligenz mancher ist zu zweifeln.

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