Aus der Traum für Franz Steindl: ÖVP-Chef
verliert Rennen um den Landeshauptmann

Hielt Verluste bei Burgenland-Wahl aber in Grenzen Causa Eberau lastete schwer auf dem Ex-Nationalrat

Den Traum, Landeshauptmann zu werden, wird sich Burgenlands ÖVP-Chef Franz Steindl wohl auch im zweiten Anlauf nicht erfüllen können. Denn bei der Landtagswahl verliert die SPÖ zwar den Hochrechnungen zufolge ein Mandat, gegen die Sozialdemokraten mit ihren 18 Sitzen geht bei der Landeshauptmannwahl aber nichts. Immerhin konnte der Landeshauptmannstellvertreter das Minus für die Landes-ÖVP geringer halten als in einigen Umfragen erwartet. Durch die Causa Eberau war die Volkspartei mit einer schweren Hypothek in den Wahlkampf gestartet.

Aus der Traum für Franz Steindl: ÖVP-Chef
verliert Rennen um den Landeshauptmann © Bild: APA

Steindl kam am 10. Jänner 1960 in Purbach zur Welt. Nach der Matura in Eisenstadt studierte er an der Universität Wien Volkswirtschaft. Während seines Studiums engagierte er sich politisch bei der JVP. Einen Mentor fand er im damaligen ÖVP-Chef und Landeshauptmannstellvertreter Franz Sauerzopf. Aktiv war Steindl auch beim ÖAAB, wo er von 1986 bis 1991 die Funktion des Landessekretärs übernahm. Danach wechselte er von 1992 bis 1994 als Landesgeschäftsführer in die Parteizentrale.

Vom Nationalrat in den Landtag
Von 1994 bis 2000 gehörte er dem Nationalrat an. In dieser Zeit stellte Steindl seine Fähigkeiten als Kommunalpolitiker unter Beweis, indem er 1992 in seiner Heimatgemeinde Purbach den Bürgermeistersessel wieder für die ÖVP zurückgewann und zum damals jüngsten Ortschef des Burgenlandes wurde.

Im Jahr 2000 verließ er den Nationalrat und widmete sich seiner Aufgabe als Leiter des WIFI Burgenland. Im Dezember ereilte ihn dann der Ruf der Landespolitik: Einen Tag nach der VP-Wahlniederlage bei der Landtagswahl und dem Rücktritt von Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Jellasitz wurde Steindl als dessen Nachfolger präsentiert.

Eberau vermiest ihm den Wahlkampf
Als burgenländischer VP-Chef hatte Steindl in den vergangenen Monaten eine doppelte Last zu tragen: Aufgrund der Vorgaben durch das Proporzsystem ist die Rolle des Juniorpartners in der Landesregierung, vor allem bei einem Konflikt mit der Mehrheitspartei, eine undankbare. Die größte Bürde wurde dem Landeshauptmannstellvertreter jedoch parteiintern auferlegt. Denn in den Causa Eberau wurde Steindl schlicht und einfach von der VP-Innenministerin überfahren, die damit der SPÖ den Ball für einen Elfer ohne Tormann auflegte.

Steindl ist verheiratet und hat zwei Kinder. In seiner knapp gewordenen Freizeit widmet sich der ÖVP-Politiker gerne seiner musikalischen Leidenschaft. Dann greift er zur Trompete und spielt in der Jazz-Rockband "Doc Zorro" oder bei der Gruppe "Les Fleurs" mit, mit der er schon in den 80er Jahren musizierte. Während seines Volkswirtschaftsstudiums hatte er sechs Semester an der Musikhochschule Wien das Fach Konzerttrompete belegt.

Scherzbold und Gemeindereferent
Mitarbeiter beschreiben den ÖVP-Chef als humorvollen Menschen, dem auch schon einmal der Schalk im Nacken sitzt. Bei Parteifreunden bisweilen gefürchtet war Steindl früher bei Klubklausuren, wo er manchmal zum Telefon griff und den einen oder anderen Politiker mit verstellter Stimme aus der Reserve lockte.

In seiner Funktion als Gemeindereferent hatte sich Steindl auch vorgenommen, alle burgenländischen Kommunen zu besuchen. Dieses Ziel ist bald erreicht: Der Landeshauptmannstellvertreter hat mittlerweile über 160 der 171 Gemeinden offiziell besucht, zum Teil auch schon mehrmals.

(apa/red)