Staatsschulden von

Anleger schenken dem Staat Geld

Bei der Auktion österreichischer Staatsanleihen bekam Österreich Geld geschenkt.

Staatsschulden - Anleger schenken dem Staat Geld © Bild: Corbis

Den niedrigsten Zinssatz aller Zeiten muss Österreich für seine Staatsanleihen bezahlen. Für 10-jährige Staatsanleihen beträgt der Zinssatz nur mehr 1,893 Prozent. Auch der Zinsabstand zu Deutschland, dem Land mit dem niedrigsten Zinssatz, ist mit 0,658 Prozent so niedrig wie nie zuvor. Für zweijährige Anleihen wird der Republik sogar Geld bezahlt.

Bei der Auktion zweijähriger Staatsanleihen sind die Zinssätze mit 0,06 Prozent sogar negativ. Das bedeutet im Klartext: Anleger schenken dem Staat Geld dafür, dass sie Geld verleihen dürfen. Österreich ist nicht das erste Land mit Negativzinsen. Deutschland, die Niederlande, Finnland hatten in der Vergangenheit auch schon negative Zinssätze.

Wer hat Geld zu verschenken?
Wie ist es möglich, dass Anleger Staaten im Rahmen eines Geldverleihs eigentlich Geld schenken, wofür sie normalerweise Zinsen verlangen? Wer Österreich zu diesen Zinssätzen Geld leiht, muss laut Experten von einem der folgenden Szenarien ausgehen:

Entweder davon, dass die Inflation und damit die Wirtschaftsentwicklung sehr niedrig bleibt. Oder davon, dass Österreich den Euro verlässt, seine Staatsschulden aber in der neuen Währung, beispielsweise dem Schilling, bezahlt und sich ein Anlagegewinn durch die zu erwartende Währungsaufwertung einstellt. Oder die Anleger finden schlicht keine halbwegs sichere Anlageform mehr und sind bereit für die relative Risikolosigkeit österreichischer Staatsanleihen sogar einen Anlageverlust in Kauf zu nehmen. Hauptgründe dafür sind der sehr niedrige Zinssatz der Europäischen Zentralbank , der auch die Renditen der Staatsanleihen drückt, und die enorm hohe Nachfrage nach Anleihen aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit.

Wer besitzt Österreichs Schulden?
Die gesamte Finanzschuld des Bundes beträgt nach Angaben der Bundesfinanzierungsagentur, die für Verwaltung und Bedienung dieser Schulden zuständig ist, per 30.6. 189,6 Milliarden Euro. Ein Großteil der Kredite hat eine langfristige Laufzeit von mindestens fünf Jahren.

Die überwiegende Mehrzahl der Gläubiger sind institutionelle Investoren, daher Banken, Investmentfonds, Versicherungen und Pensionsfonds, sowie andere internationale Notenbanken. Die meisten Anleger sind keine Österreicher, sondern kommen aus dem Ausland und hier wiederum überwiegend aus anderen europäischen Ländern.

Das liegt vor allem daran, dass in einem gemeinsamen Kapitalmarkt, wie dem Euroraum, eine Risikostreuung für Anleger sinnvoll ist. Anleger aus Österreich, die sich für Staatsanleihen interessieren, kaufen deshalb nicht nur österreichische Staatsanleihen, sondern schlagen auch auf anderen Anleihemärkten wie beispielsweise in Deutschland zu.