Porträt von

Sonja Kirchberger:
Venusfalle aus Mallorca

Porträt - Sonja Kirchberger:
Venusfalle aus Mallorca © Bild: imago images / Tinkeres

Die österreichische Schauspielerin Sonja Kirchberger hat sich den meisten unter uns als erotische "Venusfalle" ins Gedächtnis gebrannt. Dabei überrascht die Wahl-Mallorquinerin nicht nur mit einem Auftritt im Dschungelcamp.

Steckbrief

  • Geburtsdatum: 9. November 1964 in Wien
  • Beruf: Schauspielerin, Gastronomin
  • Alter: 55
  • Größe: 1,69 m
  • Beziehungsstatus: Vergeben (Freund Daniel, 40 Jahre alt)
  • Kinder: Tochter Janina (32), Sohn Lee Oscar (20)

Was hat sie im Dschungel verloren?

"Wir wollen gesehen werden", sagt Sonja Kirchberger und hält das "Dschungelcamp" offenbar für ein geeignetes Format. Neben 11 weiteren Kandidatin ist die gebürtige Österreicherin am 10. Jänner mit der Hoffnung in das Camp gezogen, sich zur Dschungelkönigin krönen zu können.

Tränenreiche Dschungel-Geständnisse oder fiese Lästereien kann man der Schönheit mit den klarblauen Augen kaum zutrauen: Zu schön und zu entspannt ist das Leben der Wahl-Mallorquinerin eigentlich verlaufen, als dass sie sich zu abgehalfterten Stars und B-Prominenz ans Lagerfeuer gesellen muss.

© imago images/STAR-MEDIA

Möglicherweise liegt das daran, dass sie Rollen einfach auch mal wegen des Geldes annimmt, wie sie in einem Interview mit der Welt selbst zugibt, und nicht weil die Selbstverwirklichung auf die Bühne lockt. Legitim wäre es allemal und, ganz ehrlich: In der aktuellen Staffel des Dschungelcamps ist sie die einzige Person, die als Star durchgehen kann.

Die Venusfalle schnappt zu

Die gelernte Zahntechnikerin wurde eher durch Zufall zur Schauspielerei gezogen: Regisseur Robert van Ackeren entdeckte sie Ende der 1980er Jahre in einem Magazin und gab ihr auf Anhieb die Hauptrolle im Erotikfilm "Die Venusfalle". Auch wenn der Film fast schon in die Kategorie "Dschungelprüfung" fällt und heutzutage eher belustigend wirkt, sorgte der Film damals für Furore, weil man durchaus ein Plädoyer für polyamorösen Lebensstil herauslesen konnte. Und er machte sie über Nacht zu einem Star.

© imago/United Archives

„Plötzlich wurde ich zum Erotiksymbol, und in Rio de Janeiro ist bei der Filmpremiere die Copacabana durchgedreht. Meine Tochter war zwei Jahre alt. Wäre das einer anderen Frau passiert nach einer Kindheit voll Verzicht, hätte das ­anders enden können. Das muss eine Psyche erst verkraften“, zieht sie Resümee.

Ende der 1990er Jahre konnte Kirchberger das Image der ewigen Verführerin endgültig mit der Fernsehserie "Der König von St. Pauli" ins kollektive Gedächtnis einzementieren, wo sie mit einem Striptease an die Anfänge ihrer Karriere anknüpfte. Darüber hinaus folgten davor und danach dutzende Auftritte in quotenstarken deutschen Fernsehformaten wie SOKO, Ein Fall für Zwei, Polizeiruf 110 oder Kreuzfahrt ins Glück.

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Neben diesen Engagements war Kirchberger auch als Charakterdarstellerin in Deutschland zu sehen und als Synchronsprecherin zu hören. Zuletzt war die 55-Jährige unter anderem auch 2016 in der RTL-Tanzshow Let's Dance zu sehen, wo sie mit ihrer Tanz- und Ballettausbildung grundsätzlich gute Chancen auf einen Sieg gehabt hätte, aufgrund eines unfreiwilligen Tanzpartnerwechsels aber vorzeitig schon ausschied.

Wahlheimat Mallorca

In letzter Zeit nimmt Sonja Kirchberger grundsätzlich mehr Abstand vom Rampenlicht und mehr Zeit, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen. Und diesen Ort hat sie seit mehr als 20 Jahren in Mallorca gefunden. Zuerst in der Hauptstadt Palma und mittlerweile eine halbe Autostunde davon entfernt in Binissalem, auf einem Stück Land mit 300 Olivenbäumen.

„Kennen Sie selbsterfüllende Prophezeiungen? Dieser Ort hat mich gefunden, es funktioniert. Wenn du einen zielgerichteten Wunsch hast, findet dich seine Erfüllung. Ich kenne Menschen, die jeden Tag mit einem anderen Traum aufwachen. Das klappt nicht. Du musst klar in Richtung Lebenstraum gehen“, sagt sie in einem Interview mit News.

Verliebt in Humor und Gespräche

Der Mann an Kirchbergers Seite, Daniel, mit dem sie die Olivenernte und ihr Restaurant Petit Ca’n Punta Port im Hafen des Fischerviertels El Molinar betreibt, ist Argentinier und 14 Jahre jünger als sie. Sein Alter war völlig egal, als die Liebe einschlug. „Wenn man mein Männerbild anschaut, ist klar: Ich verliebe mich in ­Gespräche, in Humor. Ich liebe Männer, die Frauen respektieren. Wenn mein Mann mit meinen Freundinnen gut umgeht, gibt er mir einen Anlass, mich neu in ihn zu verlieben. Das ist sehr selten, diesen Respekt vermisse ich oft. Auch Jochen Nickel oder der Vater meines Sohnes sind Männer, die Frauen respektieren“, erzählt sie vom Wichtigen im Leben.

Gleichzeitig wird rasch klar, dass Sonja Kirchberger keine Kompromisse macht. Wenn man sich in einer Situation oder Beziehung nicht wohlfühlt, gäbe es nun mal nur drei Wege, erklärt sie pragmatisch: Sie zu verändern, sie zu akzeptieren oder fortzugehen. Ihr ist bewusst, dass dies leichter klingt, als es getan ist. Trotzdem hat sie nach diesem Motto gelebt und ist heute mit sich glücklicher denn je.

Harte Kindheit

Dabei ist Wahl-Mallorquinerin durch eine harte Schule und eine Kindheit mit vielen Entbehrungen gegangen.Zwischen Fleischlosigkeit und anthroposophischen Mustern wurde sie großgezogen, erzählt sie. Zucker gab es nicht, Cola und Ketchup kannte sie nicht. Auch keinen Alkohol im Haus. Urlaube wurden mangels Auto in Österreich verbracht.

© imago images/Sven Simon

„Essen hat meine Mutter als Medizin gesehen. Sie hatte ein kleines Feld gemietet, wo sie für uns Gemüse angebaut hat. Seifenlauge hat sie gemacht, weil sie keine Waschmittel verwenden wollte. Sie war ihrer Zeit voraus und galt als Sonderling. Das hat mich geprägt. Klar. Für das Wurstsemmerl meiner Schulkollegin habe ich Mathematikhausübungen gemacht!“, erzählt die 55-Jährige.

Überraschung

Dass Sonja Kirchberger immer wieder für eine Überraschung gut ist, zeigt sie nicht nur mit der Teilnahme am Dschungelcamp. 2018 wurde die Schauspielerin als erste Frau überhaupt zur "Pfeifenraucherin des Jahres" vom Verband der Rauchtabakindustrie geehrt. Wer hätte das gedacht. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir im Dschungelcamp eine noch größere Überraschung. Man darf gespannt bleiben.