Senta Berger feierte ihren 70. Geburtstag: Die österreichische Filmdiva im Interview

Über 45 Jahre Ehe, ‘Kir Royal’ Neu, Reife und Reue Wie gehen die Schauspielerin mit dem Alter um?

Die große Senta Berger feiert heute ihren 70. Geburtstag. Mit NEWS sprach die österreichische Filmdiva über 45 Jahre Ehe, ‘Kir Royal’ Neu, Reife und Reue.

Senta Berger feierte ihren 70. Geburtstag: Die österreichische Filmdiva im Interview © Bild: APA/DPA/Kalaene

NEWS: Wie begehen Sie Ihren 70. Geburtstag?
Senta Berger: Wie jeden anderen auch. Im kleinen familiären Kreis. Allerdings nicht zuhause in München.

NEWS: Ist die Dokumentation “Ich bin ein unruhiger Geist”, die ARTE gerade über Sie gedreht hat, ein Geschenk, das Sie sich selbst zum Geburtstag machen?
Berger: Wie soll ich mir einen Film zum Geburtstag schenken können? Ein Film ist doch höchst komplizierte Teamarbeit, die eine lange Vorbereitungszeit braucht. Aber schön ist natürlich, dass ich nun meinem Alter gemäß sehr gute Rollen in interessanten und wichtigen Filmen spiele.Das Portrait, das gerade über mich entsteht, geschieht auf Wunsch von ARTE und anderen Fernsehsendern. Ich habe mich lange gewehrt. Aber der Film wäre auch ohne mein Zutun entstanden. Es ist also besser, wenn ich selbst versuche über mich zu erzählen und über mein buntes Leben. Glauben Sie mir, Geschenke, die ich mir wünsche oder gar selber mache, bestehen nicht in Filmen, in denen ich Kommentare über mich selbst abgeben muss.

NEWS: Wenn Sie Ihrem Lebenswerk etwas Großartiges draufsetzen könnten, was wäre das?
Berger: Um Gotteswillen, was ist das für eine Frage? "Lebenswerk" und "etwas Großartiges"... Also bleiben wir auf der Erde, auf der schönen Erde... Erstens betrachte ich mein Leben und meine Arbeit nicht als "Werk". Die Popularität, der Ruhm von Schauspielern ist doch sehr flüchtig. Vielleicht bleiben die Filme, die ich mit meinem Mann Michael Verhoeven gemeinsam produziert habe, länger im Gedächtnis der Menschen als ich. Zum Beispiel "Die Weiße Rose", der Film über die Widerstandsgruppe im Dritten Reich. Das war ein Film, um den wir jahrelang gekämpft haben. Der wird bleiben. Und einige Jahre werden mich "Dir Schnelle Gerdi" überdauern und vielleicht auch die Eva Prohacek aus "Unter Verdacht". Ich bin zufrieden so. Wünsche habe ich keine. Ich möchte dem Leben weiter begegnen. Das ist großartig.

NEWS: Denken Sie manchmal ans Aufhören?
Berger: Mit 22 habe ich zum ersten Mal ans Aufhören gedacht. Ich war nicht zufrieden mit den Filmen, die ich machte, die mich nicht forderten, mich nicht weiterbrachten in meiner Entwicklung. Ich wollte dann lieber Theaterwissenschaft studieren. Aber dann kam mein erster amerikanischer Vertrag. Als Simon geboren war, wollte ich auch aufhören. Ich war so glücklich und konnte mir nicht vorstellen, mein Kind auch nur eine Stunde alleine zu lassen. Aber heute - warum soll ich daran denken? Was für einen Sinn hätte das? Meine Arbeit wird weniger werden, ausdünnen - vielleicht langsam ganz aufhören. Das finde ich ganz normal. Warum soll ich mich jetzt mit Aufhören beschäftigen? Noch dazu, wo ich in de letzten Jahren und auch heuer so viel arbeite, wie vor Jahrzehnten nicht.

NEWS: Wie ist es, nach 25 Jahren für die Neuauflage von ‘Kir Royal’ wieder die Rolle der Mona zu übernehmen?
Berger: Die Mona ist mir doch sehr vertraut. Schon am ersten Drehtag bin ich ganz selbstverständlich in den leicht bayrischen Dialekt verfallen. Und auch unser Team ist mir vertraut. Helmut Dietl umgibt sich gerne mit seiner Filmfamilie. Viele von ihnen waren schon bei ‘Kir Royal’ dabei. Wir lachen viel.

NEWS: Und was ist heute anders?
Berger: Na, wir alle sind älter geworden. Nicht nur die Kollegen aus ‘Kir Royal’ vor der Kamera, sondern auch die hinter der Kamera. ‘Herbie’, gespielt von Dieter Hildebrandt, sitzt mittlerweile im Rollstuhl, ist aber genauso frech und wach wie je und je. Mona ist eine berühmte Volksmusikantin des Samstagabends geworden. Sie heißt jetzt ‘Zettl’ und steht an einem Punkt ihres Lebens, wo sie einen unvermuteten Neubeginn wagt.

NEWS: Fehlt Franz Xaver Kroetz? Und ist Michael Herbig ein würdiger Nachfolger?
Berger: Nach der Absage von Franz Xaver Kroetz hat Helmut Dietl ein über weite Teile neues Buch geschrieben, so dass nun der alte Baby Schimmerlos nicht vermisst wird. Im Buch nicht. Von mir schon. Aber Franz hatte seine Gründe und Helmut Dietl auch. Und da sie ihre Auseinandersetzung öffentlich ausgetragen haben, war eine Wendung zu einer anderen Lösung nicht mehr möglich. Bully Herbig ist ein ganz anderer Mensch, eine ganz andere Persönlickeit. Dem hat der Autor Helmut Dietl natürlich entsprochen. So ist etwas ganz Neues entstanden, eine sehr heutige Figur, ein junger Windhund.

NEWS: Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?
Berger: Ich könnte sagen, mit Humor, den braucht man unbedingt. Ich könnte aber auch sagen, ich gehe gar nicht damit um. Es geschieht einfach und ich lasse es zu. Wie auch nicht? Ab und zu staune ich über die Veränderungen meines Körpers und darüber, wie die Jahre verfliegen. Ich stehe noch zu sehr inmitten des Lebens, um mir Gedanken über Gebrechlichkeit zu machen.

NEWS: Was tun Sie für Ihr Aussehen? Sie haben sich im Gegensatz zu manchen Kolleginnen nie jünger gemacht.
Berger: Kennen Sie wirklich eine Schauspielerin, die sich jünger gemacht hat? Die letzte, von der ich weiß, war Marlene Dietrich. Schon ein Weilchen her. Eine Frau muss nicht jung sein, um bewundert und geliebt zu werden. Mir fällt nichts Spannendes ein, was ich Ihnen über die Pflege meines Aussehen sagen könnte. Doch ja: ich gehe regelmäßig zum Zahnarzt. Das ist wichtig. Ich pflege meine Haare, creme meine trockene Haut nach dem Bad ein und versuche, mein Gewicht zu halten. Ich lache gerne.

NEWS: Sie sind seit stolzen 45 Jahren mit Michael Verhoeven verheiratet. Wie würden Sie Ihre Ehe beschreiben?
Berger: Wie soll man Liebe zwischen zwei Menschen anderen erklären? Wir haben uns kennen gelernt, da waren wir noch halbe Kinder. Wir haben alles miteinander geteilt. Und nun werden wir gemeinsam alt. Das ist ein schönes Abenteuer.

NEWS: Welche Eigenschaften Ihres Mannes lieben und bewundern Sie am meisten? Und welche bringen Sie auf die Palme?
Berger: Ich habe einen emanzipierten Mann geheiratet, dem jede Art von Sexismus fremd ist. Er erwartet eine emanzipierte Frau, eine in jeder Hinsicht gleichberechtigte Frau. Er hat mich immer ermutigt, mich immer unterstützt, mir Arbeitssituationen ermöglicht, ohne sich vernachlässigt oder gar zurückgesetzt zu fühlen. Und natürlich hat er viel Charme und Humor und bringt mich zum Lachen. Ich liebe Männer mit denen ich lachen kann. Was bringt mich auf die Palme? Eigentlich gar nichts mehr. Ich kenne sein Chaos, seine Unpünktlichkeit und seine Konzentration auf eine Arbeit, wo nichts und niemand mehr zu ihm durchdringt - es ist so. Ich kann es nicht ändern.

NEWS: Was haben Sie als Mutter richtig gemacht? Was hätten Sie anders machen wollen?
Berger: Ich denke, wenn ich meine Söhne heute ihr Leben führen sehe, wir haben es schon richtig gemacht, mein Mann und ich. Vieles von dem, was und wie wir zuhause gelebt habe, haben sie weitergeführt. Sie interessieren sich für Kunst, für Filme im Besonderem. Beide arbeiten in unserem Metier. Sie haben beide Respekt für den Nächsten und pflegen keine Vorurteile. Im Großen und Ganzen denke ich, dass ich nichts versäumt habe. Aber fragen Sie doch meine Söhne.

NEWS: Sie galten lange Jahre nicht nur als begabte Schauspielerin, sondern auch als Männertraum. Wie sehen Sie dieses Image heute?
Berger: Ich sehe heute, dass ich ein sehr hübsches, sehr lebhaftes Mädchen war. Warum hätte ich oder mein Bild Männer nicht ansprechen sollen? Das ist doch mal von der Natur so eingerichtet, oder? Es war für mich nie wichtig, ich habe nicht über mich in solchen Kategorien wie ‘Männertraum’ nachgedacht und tue es auch heute nicht.

NEWS: Ihr Lebensmittelpunkt ist seit vielen Jahren München. Welchen Bezug haben Sie zu Ihrem Geburtsland Österreich?
Berger: Wir leben seit vielen Jahren in Berlin und München. Ich brauche zu dem kleinen sympathischen München auch mal eine richtige Großstadt wie eben Berlin oder Wien. Dass Berlin mein zweites Zuhause geworden ist, liegt an meiner beruflichen Situation. Aber ich hänge sehr an Wien und habe auch hier noch eine kleine Wohnung. Wien bleibt meine Heimat. Im Frühling werde ich krank vor Heimweh. Da muss ich nach Wien. All der Flieder, die Kastanien. Keine Stadt der Welt ist schöner, als Wien im Frühling.

NEWS: Ihr Buch ‘Ich hab ja gewusst, dass ich fliegen kann’ wurde ein Bestseller. Wird es ein weiteres Buch geben?
Berger: Ich weiß es nicht. Ich denke darüber nach. Ein wenig schreibt es schon in mir.

NEWS: Gibt es etwas, das sie heute, kurz vor Ihrem 70. Geburtstag, bereuen?
Berger: Jeder Mensch hat doch etwas zu bereuen, er hat Ungerechtigkeiten und Versäumnisse begangen, war feige, hat gelogen... nicht wieder gut zu machen. Diese Unabänderlichkeit schmerzt mich. Aber nicht unbedingt, weil ich bald Geburtstag habe. Da muss man nicht 70 werden, um sich darüber klar zu werden.

Interview: Sandra Kartik

Kommentare

Maika melden

Vorbild.. Sie sind als Mensch,Schauspielerin, Frau, Gattin und Mutter ein großes Vorbild!
Alles in allem, so sollte Leben passieren!
HAPPY BIRTHDAY SENTA BERGER!!!!!

its-me melden

Re: Vorbild.. ist wahr.. hat sich nie wichtig genommen, nicht malextrem charmant ist sie... es ist ihr einfach egal. da wird nicht gespielt und mit pr gearbeitet.... schön dass es noch so "gerade" menschen gibt... happy birthday !

Seite 1 von 1