Neuvorstellung von

Porsche 911: Es darf
durchaus ein bisserl mehr sein

Neuvorstellung - Porsche 911: Es darf
durchaus ein bisserl mehr sein © Bild: Porsche AG

Porsche bringt die achte Generation des Neunelfers an den Start. Wir haben getestet, ob er sich noch immer wie eine Sportwagen-Ikone fährt.

Es ist so sicher wie das Amen im Gebet. Jedes Mal, wenn ein neuer Porsche 911 das Licht der Autowelt erblickt, erregt sich die Fachschaft der selbsternannten Sportwagen-Experten: zu wuchtig, zu leise, zu teuer. Natürlich ist das bei der achten Generation des wohl berühmtesten deutschen Sportwagens nicht anders. "Hüften wie einst Sophia Loren", lautet diesmal die Kritik unter den etwas betagteren Neunelfer-Fans. Was, auf heutige Verhältnisse umgelegt, nichts anderes bedeutet wie "ein Hinterteil wie Kim Kardashian". Den Vergleich mögen Cineasten verzeihen, er soll allein das Hüftgold der Sportwagen-Ikone gleich für mehrere Generationen plakativ veranschaulichen. Dabei hat der neue 911er hintenrum nur um 44 Millimeter zugelegt.

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Ein größeres Plus als bei der Figur gibt es bei den Pferdestärken. 450 PS leistet der Carrera S jetzt, das sind 30 mehr als beim Vorgänger. Und ja, es kommt später auch ein normaler Carrera mit 385 PS. Die gestiegene Motorleistung schlägt sich in einem besseren Ansprechverhalten nieder; dass er jetzt nur 3,7 Sekunden auf 100 braucht und damit ein Alzerl schneller als der Vorgänger ist, spürt vielleicht Walter Röhrl, wir nicht. Beschleunigt man aus niedrigen Drehzahlen, zieht der Sechszylindermotor den 1550 Kilo schweren Wagen wie mit einem Gummiband. Dazu gibt es eine Soundkulisse, die an jene Zeiten erinnert, als der Motor mit Luft und nicht mit Wasser gekühlt wurde. Im höheren Drehzahlbereich merkt man, dass es eben kein Saugmotor mehr, sondern ein -den strengen Abgasvorgaben geschuldeter -Biturbo-Motor ist, der noch einen drauflegt. Egal, die Motorleistung ist in allen Bereichen mehr als beruhigend, das Fahrverhalten, sorry, beinahe idiotensicher.

Die neueste Errungenschaft passt zum Thema. Der serienmäßige "Wet-Mode" warnt den Fahrer vor Aquaplaning und passt Gasannahme, ABS und Traktionskontrolle an die nasse Fahrbahn an und verhindert Schleudern in Kurven.

Selbst aus engen Kurven heraus kann man den Carrera S im Trockenen voll beschleunigen, und der Pulsschlag erhöht sich nicht. Das liegt einerseits am straffen Fahrwerk und der breiteren Spur hinten, andererseits an den verschiedenen Reifendimensionen: vorne 20, hinten 21 Zoll. Will man das Heck zum Wedeln provozieren, muss man schon den Sportmodus einlegen.

Dass es auch einen Carrera 4 und 4S gibt, also Allradversionen, ist wohl dem Anspruch der Porsche-Ingenieure geschuldet, dass der Neunelfer (selbst als Cabrio) ein Ganzjahresauto ist.

Last, but not least: Das große Touchscreen-Display, mit dem sich Fahreinstellungen und Infotainment steuern lassen, ist neu und gut. Der winzige Getriebe-Wählhebel für das DSG mit jetzt acht Gängen ist allerdings nur neu.

Der neue 911er hat nicht nur bei der Figur zugelegt, sondern auch bei den Pferdestärken: 450 PS

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DATEN Porsche 911 Carrera Preis: ab €145.583,-(Carrera S) Preis: ab €155.178,-(Carrera 4S) Motor: 6 Zylinder, Turbobenziner, 2.981 ccm Leistung: 450 PS (331 kW) Spitze: 308 km/h 0-100: 3,7 Sek. Verbrauch: 11,7 l/100 km Emission: 278 g CO2/km

Fazit: Der neue 911er hat Kraft in allen Lagen und fährt sich sicher. Idiotensicher, wie Puristen meinen, die der Zeit nachweinen, als man noch autofahren können musste, wenn man die Sportwagenlegende bändigen wollte