Motor von

Made in Russia

Der Lada Taiga heißt jetzt Urban und wurde modernisiert

Lada 4 x 4 Urban © Bild: Axel Meister

Willkommen in der puristischen Autowelt der späten Siebzigerjahre des vorigen Jahrtausends, als SUVs noch nicht die Zulassungsstatistiken dominierten, weil sie knorrige Geländewagen waren, die ihrer Standesbezeichnung alle Ehre machten. Willkommen im Lada 4x4 Urban.

Keine Angst, Sie sind nicht bei den Gebrauchtwageninseraten einer Offroad-Gazette gelandet, sondern sitzen im wahrscheinlich skurrilsten Geländewagen zwischen Sibirien und Nebraska: im aufgefrischten Ostblock-Offroader Lada Taiga, der eben jetzt 4x4 Urban heißt. Und eine kleine Revolution ist. Denn seit der Russen-Kraxler die Montagebänder in Togliattigrad erstmals verlassen hat, das war 1977, hat sich technisch nicht rasend viel geändert. Gut, die Ingenieure haben ihm im Lauf der Zeit ABS und eine Servolenkung mitgegeben, das war’s dann aber auch schon.

Lada 4 x 4 Urban
© Axel Meister

Der gute alte Taiga ist hierzulande einer kleinen, aber feinen Fangemeinde aus Jägern und Hüttenwirten ans Herz gewachsen. Der Urban soll, wie schon der Name sagt, auf junge Städter zielen, denen SUVs schnurzegal sind. Wohl eine Grundvoraussetzung, denn der neue Luxus im Urban beschränkt sich auf beheizbare Vordersitze, elektrische Fensterheber und elektrisch verstellbare Außenspiegel. Damit der Outdoor-Profi auch innerstädtisch eine gute Figur abgibt, wurden Kühlergrill (aus Plastik) und die aus demselben Material gefertigten Stoßfänger schwarz eingefärbt.

Angetrieben wird die Offroad-Ikone von einem betagten, aber auf geltende Abgasnormen gedrillten Vierzylinderbenziner mit 83PS. Den zu starten ist ein wahres Geduldspiel. Denn die links neben dem Zündschloss blinkende Wegfahrsperre lässt sich nur mittels am Schlüsselbund (Zwei-Schlüssel-System!) baumelnden Code-Stifts aktivieren. Und das funktioniert, grob geschätzt, nur jedes 25. Mal. Hat man diese Hürde gemeistert, geht die Zeitreise in die Vergangenheit so richtig schön los. Der Motor heult wie die Moskauer U-Bahn, das Getriebe jault wie ein Tundra-Wolf und die Schaltung hakelt. Falls man den ungünstig im Mitteltunnel platzierten Schaltknüppel überhaupt erreicht. Denn meistens erwischt man die besser erreichbaren Hebel für Geländeuntersetzung oder Mitteldifferenzialsperre, und zum Einlegen der Fünften wären Krakenarme hilfreich.

Lada 4 x 4 Urban
© Axel Meister

Der Urban ist nach wie vor kein Held der Autobahn – bis Tempo 100 vergeht eine Ewigkeit, und darüber versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Nein, der Urban spielt seine wahren Stärken dort aus, wo keine Straße auch noch als Straße durchgeht.

Daten

Lada 4 x 4 Urban

Preis: € 14.290,–
Motor: 4 Zylinder, Benziner, 1690 ccm
Leistung: 83 PS (61 kW)
Spitze: 137 km/h
0–100: 19 Sek.
Verbrauch: 10,7 l/100 km
Emission: 255 g CO2/km
Fazit: Nostalgiker freuen sich einen Ast ab, dass der Urban ein Fünftel eines modernen SUV kostet, aber im Gelände fünfmal so weit kommt.

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