Fahrtest von

So ein Rücken
kann enorm entzücken

Fahrtest - So ein Rücken
kann enorm entzücken © Bild: Kia Motors

Kia macht aus dem neuen Proceed einen lupenreinen Shooting Brake. Mit genügend Platz und Sportlichkeit.

Wohl jeden anderen Designer hätte man des rüden Plagiats geziehen, aber der oberste Kia-Formengeber, Peter Schreyer, steht landläufig nicht im Ruf eines Abkupferers. Dass jedoch das Heck des neuen Kia Proceed gewisse Parallelen zum Porsche Panamera Sport Turismo - von Form und Neigung der Fondklappe bis zum Leuchtband mit den LED-Lampen -aufweist, ist nicht zu übersehen, gereicht aber gleichzeitig beiden Herstellern zur Ehre. Porsche, weil die deutsche Premiummarke als Stylingvorbild herhalten durfte, und Kia, weil sich die Koreaner als Vorreiter einer neuen Ästhetik im Automobilbau in Fernost fühlen dürfen. Obgleich der Proceed in Deutschland erdacht wurde und in Tschechien vom Band läuft.

© Kia Motors

Der Clou aber ist, dass der Proceed eine Karosserieform würdigt, nämlich jene des Shooting Brake, die in der gehobenen Kompaktklasse nur durch Mercedes mit dem CLA vertreten ist. Shooting Brake war die Karosserieform der sportlichen Coupés mit Heckklappe, die in den Sechziger-und Siebzigerjahren vor allem in Großbritannien en vogue war. Heute sagt man dazu, ein wenig derb, Kombi-Coupé.

Gemäß dieser Definition entspricht der Kia Proceed dem sportlichen Erscheinungsbild bei gleichzeitiger Ergänzung durch einen veritablen Kofferraum. Der liegt mit 594 Litern auf üppigem Kombiniveau, wenngleich der hauseigene Kombi, Sportswagon genannt, 31 Liter mehr schluckt. Das lächerliche Minus an Stauraum ist der attraktiveren, weil um 4,3 Zentimeter abgesenkten Dachlinie geschuldet, die auch hochaufgeschossenen Hinterbänklern einen Strich durch die Frisur machen kann, ohne allerdings ein Gefühl von Beengtsein aufkommen zu lassen. Jedoch, so die Prognose der Verkaufsprofis von Kia, wird sich die Kombi-von der Shooting-Brake-Klientel wie die sprichwörtliche Spreu vom Weizen unterscheiden.

© Kia Motors

Der Proceed hat sich, ganz besonders in der von uns getesteten GT-Version, ganz der saloppen Sportlichkeit verschrieben. Innen unter anderem dank der guten Seitenhalt gebenden Sportsitze und eines unten abgeflachten Volants, motorisch durch den turbobefeuerten 204-PS-Benzinmotor, übrigens stärkstes Aggregat der gesamten Ceed-Reihe.

Derart gerüstet und zusätzlich mit dem Siebengangdoppelkupplungsgetriebe (2.200 Euro Aufpreis) gewappnet, lässt sich der Proceed ab 1.800 Touren durch nichts und niemand beim Sprint auf 100 aufhalten, wobei die Automatik die Gänge nicht zu ruppig einlegt. Akustisch gibt sich der Kia im Sportmodus wie ein gutmütiger Grizzlybär, was man beim Kurvenumrunden nicht feststellen kann -da ist er wieselflink und ganz schön lange spurtreu. Die direkte Lenkung spricht nicht zu scharf an, das Fahrwerk zeigt sich gnädig -einfach ein feiner Kompromiss.

Kia Proceed 1,6 T-GDI GT

Preis: € ab 39.990,-
Motor: 4 Zylinder, Turbobenziner, 1.591 ccm
Leistung: 204 PS (150 kW)
Spitze: 225 km/h 0-100: 7,5 Sek.
Verbrauch: 9,3 l/100 km
Emission: 221 g CO2/km
Fazit: Der Proceed hat jetzt fünf Türen und ein aufregendes Hinterteil. Er fährt sich flott, ist aber nicht übertrieben sportlich ausgelegt.