Fahrtest von

Ein harter Kerl fürs ganz Grobe

Fahrtest - Ein harter Kerl fürs ganz Grobe © Bild: FCA Fiat Chrysler Automobiles

Wer einmal im neuen Jeep Wrangler offroad gefahren ist, will nie mehr auf die Straße. Obgleich er auch da besser als sein Ruf performt.

Auf den ersten, flüchtigen Blick könnte man meinen, der Jeep Wrangler wäre unbehandelt und unverändert durch die Jahrzehnte gefahren. Denn bei der vierten Generation des Offroad-Urgesteins sind sie noch immer da, die untrüglichen Erkennungsmerkmale in Form kreisrunder Scheinwerfer, des Grills mit sechs Stäben oder der Scharniere an Türen und Motorhaube. Nur wer genauer hinsieht, entdeckt, dass jetzt LED-Scheinwerfer die Nacht erhellen oder die Türscharniere eher als Beschlag im Sinne eines verzierenden Elements verstanden werden sollten.

© FCA Fiat Chrysler Automobiles

Auch innen ist der Wrangler im digitalen Zeitalter angekommen: Der Bildschirm für das Infotainment ist größer, die Instrumentierung bunter geworden. Überhaupt steht der Innenraum mit seinen Ledersitzen und dem im gleichen Material ausgelegten Armaturenbrett im krassen Unterschied zum Äußeren. Das Blechkleid signalisiert nämlich jeden Zentimeter, dass dem Jeep noch immer kein Gelände zu schwer und keine Steigung zu steil ist.

Bereits vorigen Sommer konnten wir die Probe aufs Exempel machen und einen Wrangler in genau der gleichen Ausführung wie unser Testwagen, nämlich als Sahara Unlimited, in jenem Teil der Steiermark testen, der auch als Wildnis von Michigan herhalten könnte. So konnten wir riesige Baumstämme überfahren, Felsen emporklettern und 50 Zentimeter tiefe Schlammfurten durchfahren, ohne auch nur ein einziges Mal hängen geblieben zu sein. Verantwortlich für die gute Performance war, zugegeben, weniger der Fahrer denn die Technik. Das Vierradsystem Command-Trac verfügt über ein zweistufiges und vollautomatisches Verteilergetriebe, das die Kraftzuteilung zwischen Vorder-und Hinterrädern managt. Dafür gibt es fünf Betriebsmodi, die per Hand via Hebel eingelegt werden, von 2H für reinen Hinterradantrieb bis 4L für extremen Geländeeinsatz mit starrer Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse, was wie ein gesperrtes Mitteldifferenzial wirkt. Hängenbleiben ist also praktisch ausgeschlossen.

© Thomas Starck

Wir wollten aber in diesem Test wissen, was unser Wrangler auf asphaltierten Pfaden kann. Der Vierzylinderdiesel mit 200 PS, an eine Achtgangautomatik gekoppelt, macht einen ordentlichen Job. Die Schaltvorgänge sind okay, und wem knapp unter zehn Sekunden für den Sprint auf 100 reicht, der wird auch nicht klagen. Dass der frühere Sechszylindersound abgeht, weil der Vierzylinder unverhohlen auf seine Antriebsart aufmerksam macht, ist eine andere Sache.

Natürlich fährt sich's mit zwei Starrachsen und Schrauben-statt Blattfedern nicht sänftengleich, aber dafür bewahrt der Jeep auch in sportlichen Kurven Haltung und sticht in der Stadt jeden SUV in puncto Coolness aus.

Jeep Wrangler Sahara CRDi

Preis: € 70.950,- (Unlimited)
Motor: 4 Zylinder, Turbodiesel, 2143 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Spitze: 177 km/h
0-100: 9,6 Sek.
Verbrauch: 9,4 l/100 km
Emission: 249 g CO2/km
Fazit: Einer der letzten harten Offroader, dem man allerdings in Auburn Hills bessere Manieren für die Straße anerzogen hat. Letztendlich macht ein Wrangler aber nur Sinn, wenn man Waldoder Bergbesitzer ist.