Hotspots der Stars von

Öster-Reich in fernen Ländern

Markus Rogan mit Kind © Bild: Privat

Neue Serie: Sie ziehen in die Millionärsmetropolen und machen dort selbst ein Vermögen. Die Strategien der (erfolg-) reichen Auslandsösterreicher.

Alle zusammen sind wir ganz schön reich. Weltweit ist das Privatvermögen 2016 wieder schneller gewachsen als die Jahre zuvor. Es beträgt laut Boston Consulting Group (BCG) ganze 166,5 Billionen US-Dollar (143 Billionen Euro). Während arme Menschen vor Krieg und Elend nach Europa flüchten, finden sich die Superreichen dieser Welt längst anderswo. Von den zehn Städten mit der höchsten Dichte an Multimillionären liegt gerade noch eine in Europa - London, zeigt der Wealth Report 2017 des weltweit größten Immobilienmaklers, Knight Frank. Und das ist erst der Anfang: Die Zahl der Superreichen dürfte in den USA bis 2026 dreimal so stark, im asiatisch-pazifischen Raum fast siebenmal so stark wachsen.

Christoph Waltz
© picturedesk.com/Action Press/Terence Spencer Christoph Waltz ist in Hollywood nicht nur mit einem Stern am "Walk of Fame" vertreten, sondern hat L.A. vor zwei Jahren auch zu seiner zweiten Heimat neben Berlin gemacht. Ab 24. August ist Waltz im Historienfilm "Tulpenfieber" im Kino zu sehen.

Das Spannende: Wo sich Multimillionäre mit einem Nettovermögen von mehr als 30 Millionen Dollar (25,7 Millionen Euro) gerne tummeln, dort sind auch überdurchschnittlich viele erfolgreiche Auslandsösterreicher. News holt in einer dreiteiligen Serie Österreicher in den begehrtesten Millionärsmetropolen vor den Vorhang. Lesen Sie Teil eins über Los Angeles, Chicago, San Francisco, Berlin.

Los Angeles für Kreative

Nicht nur "Arnie" ging nach Hollywood. In Los Angeles ist die Liste der erfolgreichen Österreicher besonders lang. Da gibt es Wolfgang Puck, Starkoch mit Kärntner Wurzeln, der seit 23 Jahren auch bei der Oscar-Verleihung aufkocht und jetzt selbst mit einem Stern auf dem "Walk of Fame" in L. A. verewigt wurde. Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky wohnt hier ebenso wie Schauspieler Christoph Waltz.

Wie man nach Hollywood kommt? Man schnappt sich in L.A. einfach ein Taxi. So ähnlich könnte es laufen, glaubt man dem zweifachen Oscar-Preisträger Waltz, dass er seine steile Weltkarriere tatsächlich dem Glück zu verdanken habe. Und vielleicht auch der harten Schauspielschule des Max-Reinhardt-Seminars und seiner Theaterausbildung in New York.

Los Angeles
© Getty Images Los Angeles für Kreative

Der Weg nach Hollywood war trotz allem auch für den gebürtigen Wiener mit deutsch-österreichischer Doppelstaatsbürgerschaft ein weiter. Den Durchbruch brachte ihm eine Nebenrolle in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds", für die er 2010 seinen ersten Oscar erhielt. 2013 bekam er den zweiten Oscar für seinen Einsatz im Western "Django Unchained". Wer allerdings langfristig in Hollywood erfolgreich sein will, muss vor Ort sein. Deshalb ist Christoph Waltz auch vor zwei Jahren nach Los Angeles übersiedelt, seine neue zweite Heimat neben Berlin. Hier bastelt er an seinem Debüt als Kinoregisseur. In seinem Krimi "Georgetown" steht er mit Vanessa Redgrave (80) auch vor der Kamera.

Otto Nemez
© Privat Otto Nemez, die Nummer drei im Filmkameraverleih

Schon vor vielen Jahren packte der Österreicher Otto Nemenz die Koffer für Los Angeles. Mit seiner gleichnamigen Kameraverleihfirma spielt er hinter den Kulissen eine Hauptrolle: "Mit 100 Kameras bin ich die Nummer drei in Hollywood." Seine Story: "Ich habe die Feinmechanik-HTL Mödling gemacht und hatte Hollywood vor Augen. 1964 bin ich mit meiner ersten Frau mit der Green Card nach Los Angeles gekommen. Gebürgt hat für uns die Caritas. Meine Frau bekam als frühere Maskenbildnerin der Wiener Staatsoper sofort einen Job. Bei mir dauerte es drei Wochen. Ich reparierte Kameras und Objektive und gründete 1979 meine eigene Firma. Heute habe ich noch eine Niederlassung in Atlanta, im Bundesstaat Georgia."

Warum gerade dort? Nemenz: "Wir sind Nomaden, ziehen den Produzenten hinterher. Die drehen dort, wo es die meisten Rückvergütungen der Drehkosten gibt. In Atlanta wird schon mehr gedreht als in Hollywood. In Georgia gibt es jetzt 25 bis 30 Prozent zurück. Schade, dass Österreich hier nichts zuwege bringt. Ungarn heißt das neue Filmmekka in Europa."

Peter Wolf
© Privat Peter Wolf, Musikkomponist und mehrfacher Grammy-Preisträger

In Los Angeles ist auch die österreichische Musikszene gut vertreten, allen voran Komponist, Pianist und Musikproduzent Peter Wolf, der 1975 auswanderte, Mitglied von Frank Zappas Band The Mothers of Invention war und mit Größen wie den Commodores, The Who, Scorpions, Santana, B. B. King, Zuchero usw. zusammenarbeitete. Der Karrieretipp des mehrfachen Grammy-Preisträgers, der bis dato mehr als 230 Millionen Tonträger verkaufte, lautet: "Um in den USA Fuß zu fassen, muss man 1.000-mal härter arbeiten als sonst wo. Dann wird man aber wesentlich mehr honoriert als irgendwo sonst, das Arbeiten macht mehr Spaß, und man kann sich die höheren Lebenskosten in den USA leisten."

"Flexibel sein"

Allerdings muss man flexibel sein, meint Wolf: "Die wahren Hits feiert man im Silicon Valley. Die Musikindustrie ist viel ärmer geworden als noch vor 20 Jahren. Deshalb haben wir uns auch im Bereich Entertainment breitgemacht."

Tennisfan Wolf startete 2015 "Whamslam", eine Art Youtube für Kinder. Der Künstler lebt mit Lyrikerin, Schauspielerin und Model Lea und seinen zwei Söhnen in einer Villa in Malibu und spielt täglich Tennis: "Zurück nach Österreich? Der Gedanke ist uns nie gekommen. Wir könnten hier nicht glücklicher sein." Peter und Lea arbeiten aktuell an einer Hymne für die Fußball-WM 2018.

Weiter auf der Erfolgswelle schwimmt Schwimmstar Markus Rogan. Er hat in L.A. seine Badehose gegen eine eigene Privatpraxis für Psychotherapie in Beverly Hills eingetauscht: "Ich bin auf Angst und Leistungsdruck spezialisiert, da gibt es hier viele Anwälte, Investoren und auch Schauspieler, die mit diversen psychologischen Faktoren zu kämpfen haben. Auch arbeite ich mit einigen Sportlern."

Markus Rogan, hier mit Söhnchen Kayde, hat das Schwimmen nicht ganz aufgegeben, verdient sein Geld jetzt aber mit Psychotherapie. Was seiner Meinung nach Erfolg ausmacht: "Die Demut vor der Konkurrenz"

Wie startet man in einem ganz anderen Metier neu durch? "Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich etwas deppert, nervig und ohne viel Selbstreflexion durchs Leben gehe. Nach zweihundert Stunden Therapie habe ich mir gedacht, dass ich mich ernsthafter mit Gefühlen und Ängsten beschäftigen möchte." Das gibt es nicht zum Nulltarif: "Ich hatte aus meiner Zeit als Sportler einiges gespart und konnte mir so die durchaus hohen Studiengebühren leisten", gibt Rogan zu, "aber wenn man das Studium nicht bar bezahlt, gibt es Kredite zu sehr billigen Zinsen für jegliche Art von Ausbildungsausgaben in Amerika."

Was seiner Meinung nach Erfolg ausmacht: "Die Demut vor der Konkurrenz. Ich glaube, dass man in L.A. leichter viel verdienen kann und vor allem nicht mit Neid kämpfen muss. Aber es ist auch leichter, viel zu verlieren und falsch zu investieren. Ich persönlich spare in US-Dollar. Meine Frau Leanne und ich sorgen für unsere Familie mit Immobilieninvestitionen vor. Sie arbeitet knallhart, um die besten Objekte zu finden. Um einen durchschnittlichen österreichischen Lebensstil zu haben, braucht man, grob geschätzt, hier 5.000 US-Dollar im Monat."

Was Österreicher in Österreich falsch machen? "Ich glaube, wir als Österreicher verlassen uns zu oft auf Beziehungen und glauben, dass Vitamin B überall etwas bringt. In Amerika zählen vor allem Leistung und Arbeitsbereitschaft."

Wien sollte Chicago werden

Noch ist Chicago, die Stadt, aus der auch die Obamas stammen, unter den Top Ten der Multimillionärsmetropolen (siehe Tabelle). Die Mieten für eine Dreizimmerwohnung liegen zwischen 1.800 und 2.500 Dollar. Häuser für Familien kosten zwischen 600.000 und 1,2 Millionen US-Dollar. Lebensmittel sind ebenfalls teuer. Doch nicht die hohen Lebenskosten, sondern Gewaltwellen haben in jüngster Zeit viele Millionäre vertrieben. Geblieben ist der Auslandsösterreicher Robert Birnecker. Seine Frau kommt aus Chicago. Ihm gefiel die Stadt auf Anhieb und mangels eines adäquaten Jobs wurde der einstige Presseattaché der österreichischen Botschaft in Washington zum Whiskeyproduzenten.

Chicago
© Getty Images Wien sollte Chicago werden

Er und seine Frau investierten alle ihre Ersparnisse in eine Brennerei und lebten bei den Schwiegereltern. "Unsere erste Lieferung Birnen hatte Frostschäden", erinnert sich Birnecker, "daher wichen wir auf Getreide aus. Das war eigentlich unser großes Glück, da die Amerikaner doch lieber Whiskey statt Obstbrand trinken. Der Businessplan einer klassischen österreichischen Brennerei in Chicago landete somit im Mülleimer. Wir mussten einfach flexibel sein und aufgeben war keine Option. Wir hatten Glück, dass wir für Kothe Destillationstechnik auch die Vertretung in Nordamerika übernehmen konnten. Am Anfang hielt uns der Verkauf von Brennereigeräten mehr oder weniger über Wasser. Mittlerweile hat unsere Whiskeyfirma Koval 53 Angestellte und einen Umsatz von rund fünf Millionen US-Dollar. Wir produzieren 900 Liter Alkohol pro Tag, betreuen ungefähr 2.800 Leute in unseren Brennkursen und haben 160 Anlagen in Nordamerika installiert."

Robert Birnecker
© Privat Robert Birnecker mit Koval-Whiskey

Amerika sei noch immer ein Land voller Möglichkeiten, "das ändert sich auch unter Präsident Trump nicht. In Österreich geht man oft sehr konservativ an die Berufswahl heran. Ein Karrierewechsel ist von der Mentalität her dann meistens sehr schwierig. Die psychologischen, aber auch die tatsächlichen Hürden für Firmengründungen sind in den USA geringer als in Österreich."

San Francisco für Tech-Spezialisten

Mit Musik wird man heute nicht mehr leicht reich. Die Hits landet man aktuell im Silicon Valley", meint Produzent Peter Wolf. Im Hightech-Bereich spielt die Musik. "Chartstürmer" ist hier Peter Platzer mit seiner Satellitenfirma Spire Global. Nach seinem Physikstudium an der TU Wien und seinem Business-MBA in Harvard tauschte er einen gut bezahlten Job an der Wall Street gegen ein Studentenquartier in Straßburg ein, um noch Raumfahrttechnik zu studieren. Über ein Start-up-Programm verschlug es ihn nach San Francisco: "Ich habe in der sprichwörtlichen Garage in San Francisco angefangen, Satelliten und Software zu bauen und 'there is need for speed'. Mein Unternehmen Spire hat innerhalb von neun Monaten nach der Gründung die ersten Satelliten im All gehabt. Nach vier Jahren waren wir Weltmarktführer im Bereich von Satellitendaten für Wetter und Schifffahrt. Ich habe vor Kurzem mit einem österreichischen Entrepreneur gesprochen der seit fünf Jahren plant, eine Firma in einem Teilbereich der Satellitenmanufaktur aufzumachen. In der Zwischenzeit hat hier in den USA ein Wettbewerber in den letzten drei Jahren seinen Doktortitel erworben, eine Firma gegründet, Kunden gefunden, 30 Mitarbeiter eingestellt, drei Finanzierungsrunden absolviert und ist heute über 100 Millionen US-Dollar wert."

San Francisco
© Getty Images San Francisco für Tech-Spezialisten

Und wie meistert man die finanziell schwierige Anfangsphase? "Mit 100-Stunden-Wochen, viel sparen und in die eigene Ausbildung investieren. Auch muss man einiges riskieren. Ich habe damals einen Kredit über rund eine Million österreichische Schillinge aufgenommen, um in Harvard studieren zu können."

Peter Platzer
© Privat Peter Platzer, der Parade-Österreicher im Silicon Valley, schießt Satelliten in den Weltraum

Von Wien nach Berlin

Die meisten Österreicher zieht es nicht allzu weit in die Ferne. Von den rund 565.000 Auslandsösterreichern lebt knapp die Hälfte in Deutschland, so auch Starköchin Sarah Wiener. Hier hat die 54-jährige Promi-Köchin auch ihre Wurzeln. Sie wurde im westfälischen Halle als zweites von drei Kindern des österreichischen Schriftstellers und Jazzmusikers Oswald Wiener und der bildenden Künstlerin Lore Heuermann geboren.

Berlin
© Getty Images

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Sarah Wiener jedoch in Wien. Nach Berlin zog sie mit ihren Eltern dann Ende der 1970er-Jahre. Ihr Vater leitete dort drei Künstlerrestaurants. In Berlin gründete die begeisterte Köchin auch ihr erstes eigenes Unternehmen, Sarah Wieners Mehlspeisen. Schon damals verstand sie besser als andere, nicht nur ihre Produkte, sondern auch sich als Person zu vermarkten. So benannte sie 1990 auch ihre mobile Küche, mit der sie Filmteams und Musiker verköstigte, nach sich selbst: Sarah Wieners Tracking Catering.

Im Gastrogeschäft muss man eben ständig klappern, und das nicht nur mit Kochtöpfen. Das Marketingtalent unternimmt viel, um im Gespräch zu bleiben: Sarah Wieners Kochbücher, Sarah Wieners Kochshows in ARD, ORF und Arte, Sarah Wieners Mehlspeisen für OMV-Tankstellen, Sarah Wiener kocht für Kenwood, Sarah Wiener als deutsche Bodenbotschafterin im UN-Jahr des Bodens und aktuell als Bienenzüchterin und -schützerin für die Deutsche Umwelthilfe. Neben ihrem Veranstaltungs-,Messe- und Kongresscatering eröffnete sie auch noch ein biozertifiziertes Restaurant, den Hamburger Bahnhof. Dazu führt sie eine Holzofenbäckerei, die in Berlin in Handarbeit Biobackwaren herstellt.

Sarah Wiener
© Sarah Wiener GmbH Sarah Wiener steht nicht nur am Herd, sondern rührt auch kräftig die Marketingtrommel. Im Oktober wird die Starköchin sogar in der Kultserie "Lindenstraße" zu sehen sein.

Wichtig ist es ihr, Träume auch zu leben. So kaufte sich Wiener einen Brandenburger Gutshof samt Acker und Tieren, um die Herstellung der Lebensmittel vom Samenkorn an genau zu verfolgen.

Demnächst ist Sarah Wiener übrigens auch in der Kultserie "Lindenstraße" zu sehen. Die Folge wird voraussichtlich am 22. Oktober ausgestrahlt.

Lesen Sie im News Nr. 31, wie Österreichs Topgastronomen in New York die Crème de la Crème einkochen, warum es Multimillionäre nach London, Dubai und Sydney zieht und warum immer mehr Superreiche Paris meiden.