Fischotter von

Täter oder Opfer?

In Österreich soll dem Fischotter der Garaus gemacht werden

Fischotter - Täter oder Opfer? © Bild: News/Ian Ehm

Die Ausrottung einer Tierart zugunsten einer anderen ist in den letzten Jahren zum globalen Problem geworden. Der amerikanische Schriftsteller und Naturkenner T. C. Boyle exemplifizierte das anno 2011 in seinem Roman, "Wenn das Schlachten vorbei ist" (Hanser, 23,60 Euro). Darin erzählt er, wie auf der kalifornischen Insel Anacapa die gesamte Rattenpopulation ausgerottet wurde, um seltene Vogelarten zu schützen. Ähnliches trägt sich derzeit in Australien zu. Bis 2020 sollen auf dem Kontinent zwei Millionen Katzen getötet werden, weil sie eine Gefahr für Singvögel, Frösche, Grashüpfer, Schildkröten, Käfer und Krustentiere darstellen. Was aber passiert, wenn diese Arten überhand nehmen und die Flora dezimieren, möchte man sich in keinem Albtraum vorstellen.

In Österreich soll nun dem Fischotter der Garaus gemacht werden. Der Lutra lutra, so benennt die Wissenschaft das Säugetier, sei schuld am Rückgang des Fischbestandes. Fischzüchter in Niederösterreich forderten bereits im Vorjahr den Abschuss von 40 Vertretern dieser Spezies, um ihre Teiche zu schützen. Diesem Beispiel will man nun in Kärnten folgen. Der Grazer Zoologe Steven Weiss hatte ein Jahr lang den Bestand des Otters erhoben und kam auf 360. Der WWF Österreich zählte allerdings nur 154 der Wassermarder. Thomas Friedl, stellvertretender Landesfischereiinspektor in Kärnten, hat errechnet, dass ein Wassermarder im Jahr 1.500 Fische verzehrt. Ob damit der Fischbestand in Kärntens Flüssen gefährdet ist, bezweifeln Biologen und Umweltexperten.

Der österreichische Naturschutzbund und der WWF sind sich einig. "Rückstände von Pestiziden, die durch Erosion von den an Flüsse grenzenden Feldern in die Gewässer fließen, sind nicht zu unterschätzen", meint Christian Pichler vom WWF und führt die Schweiz als Beispiel an, wo es keinen Otter gibt und der Fischbestand trotzdem zurückgeht. "Flüsse werden immer mehr als Fischproduktionsstätten gesehen. Man will Angelkarten verkaufen und jeden Quadratmeter Natur nützen", sagt Pichler.

Auch diese Fakten sollten bedacht werden, wenn über die Freigabe zum Abschuss entschieden wird. Dies soll bis zur Landtagswahl in Kärnten am 4. März geschehen. FPÖ-Landesrat Gernot Darmann will die Dezimierung. Rolf Holub, Landesrat der Grünen, ist dagegen.

Fragt sich, ob der Fischotter am Ende nur ein Opfer der Politik ist.

www.wwf.at

www.naturschutzbund.at

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: zobl.susanne@news.at