Menschen von

Mach was, Scheitz!

Verena hat "Dancing Stars" gewonnen. Ihr Leben wird das zum Glück nicht verändern.

Die Gewinner von Dancing Stars 2016, ORF-Moderatorin Verena Scheitz und Florian Gschaider © Bild: APA/HERBERT P. OCZERET

"Schnauze!", brüllt Verena Scheitz in die Hecke, in der ihr Dackel Wirtshaus ("Man kann auch Poldi sagen, er hört auf beides nicht") gerade hineinverschwunden ist und bellt. Und dann lacht die Dancing Queen dieses leicht keuchende Lachen, das ansteckend ist und das ihre Fans so mögen. "Scheitz dir nix", heißt das aktuelle Kabarettprogramm der 44-Jährigen, wie passend.

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Als Scheitz kurz nach dem Finale der ORF-Tanzshow "Dancing Stars" mit ihren zwei Hunden im feinen Café Dommayer im ebenso feinen Wien-Hietzing, wo sie aufgewachsen ist, aufgekreuzt ist, war ihr Blick noch etwas muffig. Doch sobald die Menschen sie erkennen, ihr gratulieren und sie anstrahlen, strahlt sie zurück. Jetzt sitzt sie im Gastgarten des Cafés und freut sich über die Reaktionen des Publikums: "Es ist so eine ehrliche Freude, so ungetrübt." Plötzlich ein Star? "Ich hab schon mit ,Promi' gekämpft", sagt die Moderatorin. Wenn backstage im TV-Ballsaal die "Promis" aufgerufen wurden, seien alle sitzen geblieben, erzählt sie. "Da hat es geheißen: ,Promis bitte auf die Bühne', und niemand hat sich angesprochen gefühlt." Dabei ist Verena Scheitz recht umtriebig: Parallel zur Musical-Ausbildung am Wiener Konservatorium hat sie Jus studiert - fertig. Sie solle doch bitte schön was Gescheites lernen, wünschten sich die Eltern. "Da hab ich mir ein Fach gesucht, das durchorganisiert war. Außerdem waren es vom Konservatorium zum Juridicum nur zehn Minuten zu Fuß."

Mensch hinter den Späßchen

Anschließend spielt sie an diversen Theatern in Musicals, tritt mit Kabarett-Ensembles - unter anderem Heilbutt & Rosen - und solo auf, macht Sommertheater und Fernsehfilme und moderiert seit bald zehn Jahren auch noch den ORF-Vorabend im Plauderton weg; aktuell die Sendung "Heute Leben". Später am Tag hat Scheitz das Gewinnerpaar von "Dancing Stars" in der Sendung und wird wohl oder übel sich selbst und ihren Tanzpartner Florian interviewen müssen. "Super, ich warat scho do" witzelt sie. Fröhliches Lachen, verbindliche Art, sie will doch nur spielen. So etwas kommt an hierzulande.

Bei so viel guter Laune ist es nicht leicht, den Menschen hinter den Späßchen zu entdecken. Vielleicht ist "Dancing Stars" auch darum so erfolgreich, weil die Fernsehshow Kandidaten im Ausnahmezustand zeigt. "Am Anfang habe ich noch eine Rolle gespielt: die seriöse Moderatorin", erzählt Scheitz. "Aber du kannst das nicht durchhalten. Die Situation fordert so viel von einem, dass einem diese Maske runtergerissen wird. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo du sagt: ,Jetzt musst du sein wie du', weil diese Rolle so viel Energie verbraucht." Ihr Glück sei der argentinische Tango gewesen -als zweiter Tanz gleich zu Beginn der Showstaffel: "Der lässt dir gar nicht den Raum, etwas lustig und fröhlich zu machen."

Wer kurz nach so einem anstrengenden Tanz nach Luft schnappend ein Interview geben muss, kann nichts vorspielen. Schön sah das oft auch nicht aus, aber dafür authentisch. "Es schauen viele Momente nicht ladylike aus", sagt Scheitz. "Aber in dem Moment ist das einem wirklich egal."

Durchboxen mit Humor

Natürlich hat sich die Promi-Tänzerin mit Profi-Tanzpartner Florian Gschaider ehrgeizig durch Trainings und Abendshows gekämpft. Ihr Fleiß war sicher mit ein Grund, dass das Publikum für sie gevotet hat. "Fleißig bin ich schon", gibt Scheitz zu. "Man glaubt immer, nur weil man in der Öffentlichkeit steht, fliegt einem alles nur so zu." Nix da! Im Musical habe sie gelernt, an ihre Grenzen zu gehen. Genau wie bei der Selbstmotivation während des Studiums. "Eine Zeit lang hat mich Jus nicht sehr interessiert. Aber ich hätte das Studium nie abbrechen können, weil ich mir mein Leben lang vorgeworfen hätte, es nicht fertig gemacht zu haben. Weil es eh schon so ein Wahnsinn war und so anstrengend." Also hat sie sich durchgeboxt. Auch mit Humor.

Sich selbst findet Scheitz dabei gar nicht so wahnsinnig lustig. In ihren Kabarettprogrammen bekommen alle gleichermaßen ihr Fett weg. Auch Politiker, obwohl sie sich als ORF-Moderatorin eigentlich nicht politisch äußern dürfte (und auch nicht verrät, wem sie am 22. Mai ihre Stimme geben wird)."Jeder verzapft einen Blödsinn", sagt Scheitz, "aber es gibt ja in den meisten Parteien auch gescheite Leute."

Es gebe in Österreich aber gar nicht so wenige lustige Frauen. Sie würden sich manchmal nur so schlecht verkaufen. Dass viele ihrer Kolleginnen eher weiche Themen und Zwischenmenschliches behandeln, nimmt sie zur Kenntnis. Was als Frau allerdings immer noch nicht gehe, sei "tiaf sein", sagt Scheitz. "Da musst du wirklich den Status von der Jazz Gitti haben. Würde ich einen tiafen Schmäh machen, würden die Leute sagen, das sei aber ordinär. Männer dagegen dürfen das. Vielleicht muss man da einmal eine neue Form finden."

Einfach weitertanzen

Hätte diese Frau "Dancing Stars" überhaupt verlieren können? Scheitz fand am Erfolgsformat am schlimmsten, dass jede Woche einer gehen musste. "Furchtbar", sagt sie und macht ein dramatisches Gesicht. "Zwanzig Menschen, die da in dieses Erlebnis reingehen und nach und nach abbröckeln, das ist wirklich scheiße."

Aber über den Sieg freut sie sich, klar. Doch die Moderatorin glaubt nicht, dass "Dancing Stars" ihr Leben verändern wird. "Ich weiß, was ich vorher gemacht habe, ich weiß, was ich nachher mache", sagt sie. Für Scheitz war die Show eine Ausnahmezeit, mitunter mit 16-Stunden-Arbeitstagen, weil sie nebenbei auch noch "Heute Leben" moderiert hat. "Wo will ich denn hin? Ich bin mit dem Fernsehformat glücklich. Ich habe mein Kabarett, mein Theater daneben. Ich kann ja alles machen!"

Die letzten zwei "Dancing Stars"-Wochen hat Verena Scheitz mit Schmerzmitteln überstanden. Aber es wäre nicht überraschend, wenn sie trotz der Trainingsstrapazen und trotz des zu erwartenden Protests ihres Freundes jetzt einfach weitertanzt. "Ich würde es vorher aber niemandem sagen, sondern mit einem Titel bei einer Profi-Amateur-Meisterschaft überraschen", sagt sie. "2019 in Miami oder so. Und alle würden sagen: Muss das sein?"

Selbstverständlich. Weil sie es kann.

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