Wandern vom Berg zum See

Am Alpe Adria Trail von der Millstätter Alpe nach Döbriach

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Dieser Weg ist das, was ich mir immer gewünscht habe! Ohne Anstrengung auf weichem Boden dahingehen ... In dem Fall von Millstatt nach Döbriach in ca. 1.800 m Seehöhe. Oder besser gesagt von der Alexanderhütte zur Lammersdorfer Hütte. Zwischen dem Cappuccino da und der Speckjause („Jufenbrettl“) dort liegen fünf Stunden Fußmarsch und ein Kaiserschmarren. Den gab’s auf der Millstätter Hütte.

Auf diesen Hütten oberhalb von Millstatt steht kein DJ am Plattenteller, dafür wohnt da ein Senner, der den Käs frisch macht und jede Kuh mit Namen kennt. Auf diesen Hütten heißt der Champagner „Grantenmilch“, nicht weil hier irgendwer grantig wäre, sondern weil auf Kärntnerisch die Preiselbeeren so heißen.

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„Griaß eich“, sagt die Kellnerin. Sie schleppt ein Tablett mit sechs Halbe-Liter-Gläsern Holundersaft. Sie trägt ein sehr schönes Dirndl. Tiefblau wie der Enzian, der hier Anfang Juni überall blüht. Mit weißer Bluse und weißer, zart gemusterter Schürze. Hundertfünfzig Blumen- und Blütenarten würden hier heroben wachsen, erfahren wir, zurzeit ist gerade die Arnika dran. Und außerdem gibt es noch das größte Granatvorkommen Europas.


Wir folgen weiter dem Alpe-Adria-Trail. Würde man ihn von Anfang an, also von Heiligenblut bis zum Ende, das ist in Muggia bei Triest, gehen, wäre man fünf Wochen unterwegs. 750 km. Verlockend ist es schon! Das wäre der totale Ausstieg! Ein Teil der heutigen Strecke heißt „Weg der Liebe“. Die Almwirtschaft Millstatt hat hier Logenplätze angelegt, damit die Wanderer die Aussicht auf den Millstätter See noch besser genießen können. Das wäre gar nicht notwendig gewesen, stört aber nicht, denn diese Bänke und andere „Interventionen“ aus Lärchenholz passen gut in die Landschaft, grau und ausgewaschen wie sie sind, geprägt von Wind und Wetter.

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Neben einer Zweier-Bank ist eine Box befestigt. Ich bin neugierig und klappe den Deckel auf. Ein Heft mit wasserfestem Einband liegt darin, an einer Kette festgemacht. „Unsere Liebe ist ...“ steht als Titel drauf. Fast die Hälfte des Heftes ist mit Eintragungen voll. Ich bin zu ungeduldig, um alle zu lesen, und schaue nur auf die Letzte: „... unendlich, beständig, ehrlich und tief“ steht da, und als Unterschrift: Babsi & Robert, 11. Juli 2015.

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Bald nach der Millstätter Hütte kommt der Anstieg über den Kaisersteig. Wir wissen nicht, warum er Kaisersteig heißt. Idyllisch, das Kälbchen, das bei seiner Mutter trinkt! Eine Kuhglocke bimmelt. Wir gehen durch ein Gatter durch. Dahinter stehen wieder Kühe. Es ist „echt Heidi“ hier!

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Kampelnock heißt „unser“ Gipfel. Eine Wolke steht gerade darüber und er wirkt, als hätte er eine Mütze auf. Wir folgen dem Pfeil. 30 Minuten Anstieg, heißt es. In 10 Minuten sind wir oben und treffen dort auf zwei Männer, die herumalbern. Einen Steirer und einen Kärntner. Sie stellen sich vor: Michael und Toni.

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„Am Gipfel muss man“, meint der Kärntner Toni mit einem breiten Lächeln, „entweder einen Schwank aus seinem Leben erzählen, ein Gedicht aufsagen, ein Liadl singen oder ein Schnapserl trinken.“ Weil Letzteres am einfachsten ist, zieht er eine Flasche Zirbengeist aus seinem Rucksack und reicht sie in die Runde. Für jeden ist es nur ein Schluck, ein Nipperl, wie man in Kärnten sagt.

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www.alpe-adria-trail.com

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