Almmatura auf der Hochrindl

Naturerlebnis mit einem Schuss Humor

Almmatura auf der Hochrindl © Bild: Georg Khittl

Ich sehe in ein zerfurchtes, wettergegerbtes Gesicht. Es gehört zu Helmut Leitgeb. Ingenieur Helmut Leitgeb. Der Erfinder der Almmatura ist ein Intellektueller. Mit dem grantigen, einsiedlerischen Großvater aus „Heidi“ hat er nichts gemein. Seine braunen Augen blicken verschmitzt. Die Selbstinszenierung – kurze Lederhosen mit Hosenträgern, um den Hals eine Holzplakette mit dem Namen „Hiasl“ drauf – lässt auf eine gute Portion Humor schließen.

Die Alm in 1.617 m Seehöhe liegt auf der Hochrindl im oberen Gurktal am Biosphärenpark Nockberge und gehört seit sieben Generationen der Familie. Im Tal führt Sohn Mathias den seit 1992 anerkannten Bio-Bauernhof weiter. Auf der Alm, in der „Hiasl Zirbenhütte“, steht das Fleisch vakuumverpackt in einer Glasvitrine zum Verkauf. Einer Gruppe von Wienern, die in der etwas abseits gelegenen Sennhütte übernachtet haben, bringt Tochter Siegrun gerade das Frühstück: luftgeselchten Speck, Bündner Fleisch, Hauswürstl, „Glundner“ Käse, Bauernbutter und Roggenbrot. „Bio“, erklärt Hiasl, kommt aus dem Griechischen und heißt „Leben“. Mit einem Schmunzeln erzählt er von „Nino“, dem Stier, der eben ausgebüchst ist und den Zaun niedergerissen hat, weil auf der Nachbarweide eine Kuh „was von ihm wollte“.

© Georg Khittl

Den Tieren geht’s gut beim Hiasl, das sieht man. Die meisten machen jetzt Siesta. Außer die „Zirbale“, sie verharrt still unter dem Vordach an der Hauswand. Sie ist auch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt! Aus Zirbe, dem wertvollsten Baum der Region.

© Georg Khittl

Jetzt pflanzt der Hiasl sich breitbeinig vor ihr auf und erklärt: „Wenn des a echte Kua wär’, zerst omal anreden, dass se si nit schreckt. Den Kübel zwischen die Knie nehmen, immer auf Tuchfühlung mit der Kua bleiben, damit ihr merkt’s, wenn sie unruhig wird.“ Hahahaha. Lachen in der Runde. Als Hintergrundmusik das Gebimmel der Kuhglocken. „Ein guter Melker“, doziert Hiasl weiter, „bringt in der Minute zwei Liter raus, dann ist oben so viel Schaum drauf. Wie beim Bier“, sagt er, um unseren Ehrgeiz anzustacheln, und zeigt uns eine drei Finger breite Marke. Die Matura beginnt. Jeder hat 30 Sekunden Zeit. Das Ergebnis – weder Milch noch Bier noch Most noch Zirbenschnaps, sondern glasklares Wasser – wird in einen Messbecher geleert und die erbrachte Leistung auf einem Blatt Papier notiert. Zirbales Euter ist aus Gummi und wird von einer oberösterreichischen Firma erzeugt. Es ist naturgetreu nachgebildet und kommt in den landwirtschaftlichen Berufsschulen zum Einsatz. Die Theorie des Melkens erklärt Hiasl so: Daumen und Zeigefinger zusammenkneifen und mit den drei restlichen Fingern pumpen. Zumachen, drücken, zumachen, drücken ... Puhhh! Man braucht Kraft in den Fingern! Das Ergebnis wird in Milliliter gemessen und ist ernüchternd. Der Beste in der Gruppe bringt es grad einmal auf 90 ml! Auch die anderen Disziplinen – Nageln, Brennen und Schnitzen – fordern uns ganz schön heraus. Zum Glück gibt’s auch noch eine schriftliche Prüfung mit Fragen wie „Welche Blume blüht zurzeit?“, „Wie viele Nadeln hat ein Zirbenbüschel?“ oder „Können Ameisenweibchen fliegen? Da hole ich Punkte auf. Bei der Zeugnisverleihung meint Hiasl verschmitzt: „Muasst holt wiederkommen und lei a bisl üben.“

© Georg Khittl
© Georg Khittl
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www.nockberge.at

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