Grenzüberschreitendes Wandern

Am Alpe-Adria-Trail von Nötsch nach Camporosso

  • Bild 1 von 8 © Bild: Georg Khittl
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„So ein blauer Himmel!“, sagt Ron, dreht sich um und macht ein Foto von der Feistritzer Alm, die jetzt schon hinter uns liegt. „Normalerweise“, erzählt er, „ist es, wenn ich hier heraufkomm’, später am Tag, und dann haben sich meist schon Quellwolken gebildet.“ Ron ist Ranger und begleitet mich auf dem Alpe-Adria-Trail. Er stammt aus Holland, schon vor 30 Jahren hat es ihn nach einem Urlaub mit den Eltern hierher verschlagen, und seither hat er, der Flachländer, sich hier festgekrallt in den Felswänden und lebt mit Gams und Murmeltier auf Du und Du.

Der Alpe-Adria-Trail ist eine Art Jakobsweg der Alpen, habe ich irgendwo gelesen. Er folgt der Spur des Wassers und verbindet in 43 Etappen den Gletscher und das Meer. Dazwischen liegen drei Länder und drei Kulturen. „Das Grenzüberschreitende“, erklärt mir Ron, „ist das Besondere am heutigen Abschnitt. Zu Mittag essen wir in Camporosso. Auf dieser Kuppe, diesem Grat, wo wir jetzt stehen, unterhalb der, Maria Schnee‘-Kapelle, verläuft die Staatsgrenze zu Italien.“ Im Weitergehen sehen wir auf italienischer Seite den Monte Lussari, auch dort steht eine Kirche. Sie wird von allen, auch von den Kärntnern, für Hochzeiten genützt, weil sie so schön liegt. Schon im 17. Jahrhundert hat es große Pilgerprozessionen dorthin gegeben, das schreibt Johann Weichard Valvasor, einer der ersten Reiseschriftsteller.

© Georg Khittl

Die Gipfel sind zackig, sehr schroff, sehr felsig, mit Schatten, die sich gut abzeichnen, aber ohne Schnee. „Ist das die Südseite?“ „Ja“, sagt Ron. „Auf der Südseite der Feistritzer Alm sind wir jetzt, und wir sehen vor uns die Karawanken, die Karnischen und die Julischen Alpen.“ Mit einem Mal wird’s warm, wir ziehen unsere Jacken aus, weil der Wind nicht mehr so weht wie „oben“. Der Wechsel von Sonne zu Schatten und umgekehrt wirkt sich belebend auf den Organismus aus. Keine Spur von Müdigkeit bis jetzt.

© Georg Khittl


Es geht bergab, immer der roten Markierung nach. Wir folgen dem Weg, der sich entlang der ehemaligen Grenze dahinschlängelt. Das von der Sonne erwärmte Holz verströmt diesen typischen Duft von Nadelhölzern und Tannenzapfen ... Wie in der Sauna. Zu dem Gebimmel der Kuhglocken gesellt sich das Summen der Bienen. Nach einer Stunde Gehzeit denke ich an nichts mehr. Am Weg herauf im Auto hatte ich noch vor, eine Mail zu schreiben...

© Georg Khittl

Den Weg überschatten die ausladenden Zweige der Fichten. Jetzt mischen sich Laubbäume darunter – Erlen und Buchen. Zyklamen wachsen langstielig auf kleinen Moosfleckchen und wenden ihre schönen Köpfe dem Licht zu. Jetzt hört man auch Vögel. „Was sind das für Vögel, Ron?“ Ron bleibt stehen: „Meisen.“ „Meisen?“ So wie die klingen, hätte ich mir was anderes erwartet. Eine italienische Diva zumindest. Meisen, die gibt’s ja in Wien auch. Ja, denke ich, die gibt’s in Wien auch, nur hört man ihnen nicht zu.

www.alpe-adria-trail.com

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Das Gewinnspiel ist bereits abgelaufen.

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