Economy Class von

Die Wahrheit verleiht Flügel

Julia Schnizlein © Bild: Ian Ehm

Vollholler", schimpfen die einen. "Machbar", behaupten die anderen. Die Diskussion über die Schließung der Mittelmeerroute ist Wahlkampfthema. Aber während sich die meisten Medien vor allem mit Wortklaubereien und der Definition von Hintergrundgesprächen aufhalten, ist man eine umfassende, faktenbasierte Möglichkeitsberechnung weitgehend schuldig geblieben. Ist die Schließung tatsächlich möglich? Unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Allianzen und um welchen Preis? Das zu recherchieren, kostet Zeit. Und Geld. Luxus, den sich viele Medien heute kaum noch leisten können.

Diese Lücke will Quo Vadis Veritas, ein von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz finanziertes Medienprojekt, schließen. Wäre das vom früheren "Presse"- und NZZ.at-Chef Michael Fleischhacker geführte Projekt schon am Markt, würde es versuchen, solche und ähnliche Fragen in großem Stil zu beantworten, hört man. Offi zielles Ziel: "eine Faktenbasis als Grundlage für eine qualifizierte, auch kontroversielle politische und gesellschaftliche Debatte" herzustellen.

Vorbild soll der US-amerikanische, Pulitzer-Preis-prämierte Non-Profit-Newsdesk Propublica sein. Dank jährlicher Millionen-Zuwendungen des kalifornischen Immobilienmilliardärs Herbert Sandler können dort Investigativreporter aufwendige Recherchen durchführen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Für die Österreich-Version wurde zuletzt eine Reihe bekannter Journalisten und Experten aus dem Arbeitsumfeld des Kernteams - neben Fleischhacker sind das Rainer Fleckl, Judith Denkmayr, Niko Alm und Anna Schneider - eingekauft. Einige Zugänge gab es auch von ATV, das ja unlängst von Puls 4 übernommen wurde. Demnächst soll auch ATV-Innenpolitikstar Martin Thür dazustoßen.

Einen offi ziellen Starttermin für QVV gibt es noch nicht. Dem Vernehmen nach könnte aber noch vor der Nationalratswahl im Oktober eine für alle zugängliche Onlineplattform mit ersten Inhalten starten. In einem weiteren Schritt sollen Rechercheergebnisse auch B2B anderen Medienhäusern und -plattformen zur Verfügung gestellt werden. Wer mehr will, hat die Möglichkeit, fertige Doku-Reportagen zu kaufen, heißt es. Ein fixer Sendeplatz für solche Reportagen dürfte in der Servus-TV-Abendschiene geplant sein. Über Pläne, die QVV-Recherchen könnten auch in Printform verbreitet werden, wird in der Branche ebenfalls spekuliert. In den nächsten Wochen sucht das Team aber erst einmal eine größere Bleibe. Das Übergangsbüro in Wien-Landstraße wird langsam zu klein.