Economy Class von

Man sieht sich immer zweimal

Julia Schnizlein © Bild: News/Ian Ehm

Die Medienbranche ist gespannt. Denn in der kommenden Woche entscheidet sich, wer künftig Herr über ihre Fördertöpfe sein wird. Konkret geht es um den mit 200.000 Euro dotierten Posten des Medien-Geschäftsführers der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, kurz RTR. Die RTR ist unter anderem für Film-und Privatsenderförderungen zuständig und mischt auch bei der Presseförderung mit. Dem Vernehmen nach könnte sich das Rennen zwischen zwei früheren Rivalen entscheiden - aber von vorn.

Eigentlich wollte sich der langjährige RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl bereits mit Ende Juni in den Ruhestand verabschieden. Nachdem aber bis dato noch kein Nachfolger gefunden war, wurde Grinschgl im Amt verlängert -bis spätestens 15. August. Bis dahin muss also der oder die Neue tatsächlich bestellt werden. Insgesamt gab es 21 Bewerbungen für seine Nachfolge. 13 Kandidaten wurden zu Hearings eingeladen, die in der kommenden Woche stattfinden. Abgehalten werden diese Hearings von einer Kommission im Bundeskanzleramt - die finale Entscheidung trifft SPÖ-Medienminister Thomas Drozda auf Basis eines Gutachtens der Kommission.

Schon vor Monaten galt eigentlich Michael Wimmer, Büroleiter von ORF-Chef Alexander Wrabetz, als Fixstarter für die Grinschgl-Nachfolge. Er hat sich allerdings gar nicht beworben. Gegen den ORF-Mann gab es vor allem massive Vorbehalte vonseiten des Privatsenderverbandes. Zuletzt wurde dann Oliver Stribl, der ehemalige Chef des Presseund Informationsdiensts der Stadt Wien und seit 2016 Geschäftsführer und Herausgeber im Manstein Verlag ("Horizont"), als sicherster Tipp gehandelt. Wegen seines Naheverhältnisses zur roten Stadtregierung ist Stribl wiederum für die Blauen ein rotes Tuch, und FPÖ-Mediensprecher Herbert Kickl wittert bereits einen Skandal, noch bevor überhaupt ein Hearing stattgefunden hat.

Neben Stribl gibt es noch einen weiteren Favoriten im Rennen um die RTR-Führung, nämlich Sebastian Loudon, Leiter der Österreich-Repräsentanz der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit". Die beiden Favoriten haben eine gemeinsame Geschichte. Immerhin hat Stribl Loudon als Herausgeber des Fachmagazins "Horizont" beerbt, nachdem Loudon vor knapp zwei Jahren "wegen deutlicher Auffassungsunterschiede über die weitere Entwicklung der Fachzeitschrift" ausgeschieden war. Davor war Loudon jahrelang Pressesprecher der RTR und Assistent von Grinschgl. Den will er nun beerben.

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