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Ein Siegel für Glaubwürdigkeit

Julia Schnizlein © Bild: Ian Ehm

Ein Appell an die nächste Regierung und an uns: Stärken wir den Presserat, stärken wir uns selbst.

Uns steht ein Wahlkampf bevor, der an Brutalität und Härte kaum zu überbieten sein wird. Egal ob Rot, Schwarz, Blau oder Grün, Neos oder Peter Pilz - alle werden sie versuchen, die Wähler von ihrer Weltsicht zu überzeugen und sich dafür der Medien bedienen. Der klassischen, der "sozialen" oder alternativen Medien. Journalismus, der Ruhe bewahrt, nach Wahrheit und Objektivität strebt, der Fakten checkt und Aussagen einordnet, wird wichtiger sein denn je.

Eine Herausforderung in Zeiten, in denen Populismus, Halbwahrheiten und die damit einhergehende Emotionalisierung Klicks und damit Geld versprechen. Und andererseits Journalisten immer häufiger mehr als politische Akteure denn als neutrale Beobachter auftreten, wie eine neue Studie den Medien in Zusammenhang mit der Flüchtlingsberichterstattung attestierte. Ein weiterer Angriff auf die Glaubwürdigkeit kommt unter dem Titel Content Marketing daher, gemeint ist redaktionell anmutende Werbung.

Auch hier kennt unsere Onlinekonkurrenz keine Schmerzgrenzen. Blogger leben davon, dass sie sich von Firmen dafür bezahlen lassen, deren Produkte glaubhaft und redaktionell getarnt zu bewerben. Erst unlängst dokumentierte eine Studie der Medienbehörde RTR, dass die meistgesehenen österreichischen Youtube-Videos Schleichwerbung enthalten - Kennzeichnung findet sich so gut wie nie. Wollen wir uns unterscheiden, wollen wir glaubwürdig bleiben, braucht es ein klares medienethisches Bekenntnis und entsprechende Kontrolle. Medienminister Thomas Drozda war auf dem richtigen Weg, als er empfahl, Fördermittel aus der Presseförderung an eine Mitgliedschaft im Presserat zu koppeln. Mehr denn je braucht es heute ein starkes medienethisches Kontrollorgan, dem sich alle unterwerfen, die von sich behaupten wollen, echten, unvoreingenommenen Journalismus zu betreiben.

Und dieses Kontrollorgan muss mit weiteren Kompetenzen ausgestattet werden. Es kann nicht sein, dass Verurteilungen im betroffenen Medium nicht veröffentlicht werden müssen, wie es derzeit Usus ist. Was hilft es, wenn "Österreich" sich seit einigen Monaten zum Presserat bekennt, Verfehlungen aber nicht publik machen muss. Außerdem müsste die Zuständigkeit des Presserats auf sämtliche Onlinepublikationen und am besten auch auf andere Mediengattungen ausgeweitet werden.

Ein Appell an die nächste Regierung und an uns: Stärken wir den Presserat, stärken wir uns selbst. Denn unser höchstes Gut ist die Glaubwürdigkeit.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: schnizlein.julia@news.at

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