Viel Stress, wenig Geld und kaum Chancen:
Tourismus ist noch immer Problembranche

Tourismus häufig als Flucht- oder Übergangsbranche Der Anteil der Frauen überwiegt mit 61 Prozent

Viel Stress, wenig Geld und kaum Chancen:
Tourismus ist noch immer Problembranche

Hohe Stressbelastung, mangelnde Aufstiegschancen, ungünstige Arbeitszeiten, geringe Entlohnung - so lässt sich die Arbeitssituation im Tourismus laut einer Studie der Arbeiterkammer (AK) Wien und der Gewerkschaft vida zusammenfassen, die am Montag präsentiert wurde. Der langjährige Vergleich zeige, dass sich die Lage in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Grunde nicht geändert habe, sagte vida-Vorsitzender Rudolf Kaske. "Der Tourismus bleibt eine Problembranche", meinte er.

Mit Blick auf die Beschäftigungsstruktur ergibt sich folgendes Bild: Im Tourismus arbeiten besonders viele Frauen (61 Prozent), unter 30-Jährige (42 Prozent), Menschen mit Migrationshintergrund (30 Prozent) und Personen, deren höchste Schulbildung ein Pflichtschulabschluss (24 Prozent) ist. Eine Matura oder Hochschule haben nur etwa 15 Prozent der Tourismusbeschäftigten abgeschlossen, in anderen Branchen sind es fast doppelt so viele. "Wir brauchen endlich eine taugliche Aus- und Weiterbildung im Tourismus", fordert Kaske. Vor allem Fremdsprachen müssten zum Ausbildungsstandard gehören. Da hinke Österreich im Vergleich zu anderen Ländern hinterher.

Die Bindung der Beschäftigten zu den Unternehmen sei gering, von vielen werde der Tourismus als Übergangs- bzw. Fluchtbranche gesehen, so Kaske. Im Schnitt sind Tourismusbeschäftigte 5,5 Jahre beim jetzigen Arbeitgeber und damit nur etwa halb so lang wie Arbeitnehmer in anderen Branchen, ergab die Untersuchung. 13 Prozent der Befragten waren im Verlauf der vergangenen 12 Monate arbeitslos, demgegenüber stehen 5 Prozent der Beschäftigten in anderen Sektoren. Fast ein Drittel der Tourismusbeschäftigten denkt über einen Jobwechsel innerhalb der Branche oder in eine andere Branche nach.

Zufriedenheit gesunken
Während der Arbeitsklimaindex, der die Arbeitszufriedenheit und das Beschäftigungsklima widerspiegelt, in anderen Branchen gestiegen sei, habe er im Tourismus abgenommen, führte Georg Michenthaler vom IFES aus. Die Unzufriedenheit hänge mit der Zeiteinteilung und dem Einkommen sowie dem überdurchschnittlichen Stress und Zeitdruck zusammen.

Positiv im Tourismus seien aber der im Vergleich zu anderen Branchen geringe Innovationsstress, die leicht höheren Arbeitsmarktchancen und eine höhere Zufriedenheit mit dem Führungsstil.

Die Bezahlung fällt im Tourismus deutlich geringer aus als in anderen Branchen. Im Schnitt verdienen Beschäftigte im Tourismus laut Studie monatlich 1.110 Euro netto, Arbeitnehmer in anderen Sektoren kommen auf 1.420 Euro. 15 Prozent gaben an, mit ihrem Einkommen nicht auszukommen, nur sechs Prozent können den Angaben zufolge gut davon leben.

(apa/red)

Kommentare

Tourismusbranche Wo bleibt denn all das Geld welches die Touristen bei uns ausgeben wenn für die Beschäftigten in dieser Branche kaum etwas dabei rausschaut ?

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